Reisen vs. Parasitentum

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thorshammer
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Reisen vs. Parasitentum

Beitrag von thorshammer »

Hi,

hatte unlaengst mit einem Kollegen (auch hier aus dem Forum) eine Diskussion, durch die ich mich persoenlich recht angegriffen und niedergemacht fuehlte. Es ging unter anderem um das Thema "Ausnutzen von Einladungen" und sich wie ein Parasit verhalten. Ich musste mir dabei anhoeren, wie peinlich und frech doch mein Tagebuch im net war, als ich dort werzaehlte, dass wir z.B. im Sudan oft eingeladen wurden, ebenso bei den Maasai und weiter suedlich auch in Zimbabwe oder Suedafrika. Angeblich waere ich, bzw. WIR (sind ja 2 Leute) abhaengig von Leuten, die uns einladen und auf deren Finanzen wir uns ausruhen koennen. Das fand ich den Hammer, was der Typ mir da so an den Kopf warf. Das stellt mir natuerlich die Frage, wie man nun als Reisender damit umgehen soll, eingeladen zu werden??? Wir halten es so, und da kann jeder denken, was er will, dass wir die annehmen. Wer einlaedt, muss auch damit rechnen, dass ja gesagt wird. Das ist das erste. Zum Zweiten gibt es uns eine gute Gelegenheit, die Kultur besser kennenzulernen. Und da wir ehrliche Menschen sind, fuehlen wir uns schon manchmal etwas "schuechtern", Angebote anzunehmen, tun aber auch unseren Teil. Ich habe z.B. in Zimbabwe im Haus dort saemtliche Tueren gepinselt, wir haben im Sudan gekocht, ich bin mit einem der Maasais in den Wald arbeiten gegangen...also eine Art "Gegenleistung" fuer die Einladungen. Fuer mich ist also dieses ganze Parasitengerede recht sinnlos und zeigt mir nur den Neid, weil diese Person vielleicht leider solche Erfahrungen nicht machte. Was denkt Ihr ueber dieses Thema???

Gruss

Rene, der Parasit :D
Gehe nicht entlang existierender Wege, sondern suche deinen eigenen und hinterlasse einen Pfad!
Chrigu
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Re: Reisen vs. Parasitentum

Beitrag von Chrigu »

Oft sind Einladende beleidigt, wenn man eine Einladung abschlägt.
Sie drängen oftmals noch nach einer Absage.

Dies bedeutet für mich persönlich, das ihnen etwas daran liegt.
Muss aber auch sagen, dass sie in einigen Fällen dann auch eine Gegenleistung erwarten - wie Du sie ja des öfteren erbracht hast.
>>>Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden!<<<
schu achbar ?

Re: Reisen vs. Parasitentum

Beitrag von schu achbar ? »

Aus dem Wiki
""Parasiten sind in hohem Maße spezialisierte Lebewesen. Ihr Habitat ist in der Regel auf einige wenige Wirtsarten beschränkt, nicht selten findet sich nur eine einzige Wirtsart. ""

Das trifft auf Euch ja nicht zu.
Schliesslich hattet Ihr unterschiedliche Wirte :mrgreen:

Nein, nur Spass. Natürlich ist der Vorwurf quatsch.
Es mag parasitäre Touris geben, aber das , was Ihr macht ist völlig in Ordnung.
Kleine Gastgeschenke am Ende oder etwas aktive Mitarbeit optimieren
das Ganze noch.
Also, wenn man ein bisschen nen Händchen für sein eigenes Verhalten hat: Völlig in Ordnung.
Evelyne
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Re: Reisen vs. Parasitentum

Beitrag von Evelyne »

Hallo Rene,

ich bin sehr froh, dass ich Einladungen bei Menschen in verschiedenen Ländern angenommen habe, auch wenn mir, weil ich seit Jahren als Frau alleine reise, das Herz manches Mal bis zum Hals klopfte und ich mir nicht sicher war, ob ich annehmen soll oder lieber ablehnen. Dafür bekommt man aber mit der Zeit ein Gespür. Ich habe gelernt, mich von meiner Intuition leiten zu lassen und fahre damit gut.

Alle angenommenen Einladungen waren ein Geschenk und eine Bereicherung für mich (sie sind es bei jeder Reise wieder!): Wie sonst bekäme ich Einblicke in die Kultur und in das "tägliche Leben" der dortigen Menschen und dürfte am Leben der Menschen ein kleines Stückchen teilnehmen, es kennen lernen? Das gilt umgekehrt auch: Die Menschen, die mich einladen, haben ebenfalls das Interesse, etwas über mich und meinen Alltag, mein Leben, meine Kultur zu erfahren.

Ich lasse mich nicht nur einladen, sondern versuche, meine Freude und Dankbarkeit über die Einladung in irgend einer Form zum Ausdruck zu bringen. Es gibt 1.001 Möglichkeiten! WIE oder MIT WAS man den Menschen eine Freude machen kann, bekommt man sehr schnell heraus, wenn man mit offenen Augen, mit offenen Ohren und vor Allem mit einem offenen Herzen bei ihnen ist. Und wenn man jemand ist, bei dem die Sinne nicht nur auf "nehmen" sondern auch auf "geben" gestellt sind.

Wie ein Parasit bin ich mir beim Einladungen annehmen noch nie vorgekommen.

Gruß
Evelyne
... die Köpfe gleichen einander, aber die Gedanken in ihnen nicht (aus Ghana) ...
mikepiller
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Re: Reisen vs. Parasitentum

Beitrag von mikepiller »

Hallo Rene,

aus meiner Sicht würde ich das auch mit einem einfachen Blick in den Spiegel lösen- wenn Du ehrlich weißt, dass Du in irgend einer Weise eine Gegenleistung erbracht hast, was Dein Gegenüber in der Regel ja auch würdigend zeigt-
dann verwerfe den Einwand als pauschales Urteil eines Menschen, der nicht differenzieren kann und will.

Diese aus dem Nichts geknüpften Bande sind doch das Schönste, was man von einer Reise mitbringt- und wenn man es im Gefühl hat, dann ist es wohl auch das Schönste, was man dort läßt.

Gruß
Micha
Wenn der Wind des Wandels weht,
bauen die einen Windmühlen,
die anderen bauen Mauern.
(chin. Sprichwort)
abacus
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Re: Reisen vs. Parasitentum

Beitrag von abacus »

thorshammer hat geschrieben:Fuer mich ist also dieses ganze Parasitengerede recht sinnlos und zeigt mir nur den Neid, weil diese Person vielleicht leider solche Erfahrungen nicht machte.
Andersdenkende einfach als armselige Neider abzutun ... tja, wer will dir da schon widersprechen ...

Grüße
sven
DanielS
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Re: Reisen vs. Parasitentum

Beitrag von DanielS »

Hallo Rene,
grundsätzlich würde ich Dir zustimmen. Ich habe bisher Einladungen auch dankend angenommen. Allerdings habe ich jetzt gelesen, dass z.B. in Syrien Einladungen pauschal ausgesprochen werden und die erst nach Wiederholung Ernst zu nehmen sind. Da ich mich am Wochenende Richtung Syrien aufmache, würde mich interessieren, ob einer von Euch etwas dazu sagen kann.
Gruß, Daniel
Birgitt
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Re: Reisen vs. Parasitentum

Beitrag von Birgitt »

DanielS hat geschrieben:Allerdings habe ich jetzt gelesen, dass z.B. in Syrien Einladungen pauschal ausgesprochen werden und die erst nach Wiederholung Ernst zu nehmen sind. Da ich mich am Wochenende Richtung Syrien aufmache, würde mich interessieren, ob einer von Euch etwas dazu sagen kann.

Hallo Daniel,

Syrien ist mein Lieblingsland, was die Herzlichkeit der Menschen angeht! Und damit stehe ich - glaube ich - nicht alleine da.
Ich hatte immer das Gefühl, dass es eine sehr aufrichtige und zu keiner Zeit verlogene Herzlichkeit war.

Schau doch bitte auch einmal in den nachfolgenden Thread, einige sehr nette Anekdoten bezüglich Einladungen und der Liebenswürdigkeit der Menschen sind dort beschrieben:

:arrow: Syrien - Erfahrungen mit Grenze, Land + Leuten

Ich wünsche dir eine wunderschöne Reise und berichte uns bitte hinterher hier DEINE Erfahrungen mit Syrien.

Gruß
Birgitt
DanielS
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Re: Reisen vs. Parasitentum

Beitrag von DanielS »

Hallo Birgitt,
danke für die Info. Ich freue mich riesig auf Syrien und werde nachher berichten.
Gruß, Daniel
Birgitt
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Re: Reisen vs. Parasitentum

Beitrag von Birgitt »

Daniel,

du wirst Syrien lieben!

Und besonders das Essen dort ...... hmmmmm .....
wenn ich an all diese köstlichen Saftläden denke,
und die Desserts in Hama - ich muss aufhören 8) gehört nicht mehr zum Thema -
trotzdem, lecker, lecker, lecker ....

Verfressen schwärmende Genießergrüße :wink:
Birgitt
Tom09
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Registriert: Fr 20. Mär 2009, 21:05

Re: Reisen vs. Parasitentum

Beitrag von Tom09 »

:lach: :lach: :lach:

Ja,ja, es ist ein schmaler Grat auf dem man wandelt...
Was ist richtig ,was ist falsch,- wer mag da richten ? :roll:
Bei Einheimischen versucht man sicherlich einen Ausgleich zu wahren. Vielleicht erfolgreich, vielleicht linkisch, eventuell verbockt man es auch, aber Ich selbst habe mal einen Typen (Marke ausgebuffter Europäer) in Afrika getroffen, den ich dummerweise zu Freunden schickte.... :shock:

Hinterher ist man ja immer klüger :lol: -ich hätte einfach seine Hohmpäätsch früher lesen sollen. Komischerweise war derselbe auf Grund dieses Verhaltens schon anderen Reisenden aufgefallen.... :kotz:

Fazit: Man kann nur für sich selbst entscheiden, wo die Grenze zum Schmarotzer liegt.
Die -unbekannte,anonyme- Öffentlichkeit zu Befragen
hinterläßt da einen faden Beigeschmack :shake:
Die eigene Hohmpääätsch wird sicherlich nicht als Infoquelle für das eigene miese Verhalten genutzt-ist also wertlos.

Grüße an Alle, die es zumindest versuchen, nicht die Anderen bezahlen zu lassen oder zu übervorteilen.
Möge es uns gelingen....

Tom, seit 20 Jahren "unterwegs" und sogar schon `mal eingeladen worden :shock: :shock: :shock:
Regula St.
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Re: Reisen vs. Parasitentum

Beitrag von Regula St. »

@ Rene ("der Parasit"?)

ich habe - mit sechs anderen Personen - 2006 eine längere Tour in der Western Desert gemacht. Die Beduinen, die uns geführt und gefahren haben, wurden zornig, wenn wir abends beim Abladen der Autos helfen wollten: Wir waren Gäste, die keinen Finger rühren durften (abgesehen vom Auto-ausgraben, wenn wir steckengeblieben waren, und vor dem Aufbruch am Morgen räumten wir unsere Sachen selbstverständlich selbst zusammen). Natürlich haben wir unsere Wertschätzung und unseren Dank am Schluss der Reise entsprechend rüberzubringen versucht (und nach den Reaktionen, die wir erhalten haben, scheint es auch gelungen zu sein).
Es geht immer um Geben und Nehmen; am Schluss müssen beide Seiten zufrieden sein. Wichtig ist, dass das Gegenüber respektiert, geachtet wird. Und so, wie Du es beschreibst, habt Ihr genau das gemacht.

Kopf hoch

Regula
Evelyne
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Re: Reisen vs. Parasitentum

Beitrag von Evelyne »

"Die Beduinen, die uns geführt und gefahren haben, wurden zornig, wenn wir abends beim Abladen der Autos helfen wollten: Wir waren Gäste, die keinen Finger rühren durften.."
Ja, so ist es bei den Sinai-Bedu, mit denen ich unterwegs bin, nach Jahren immer noch. Gast ist und bleibt Gast. Ich darf auf den Kamel- oder Wandertouren höchstens Brennholz sammeln helfen, darüber freuen sie sich echt, oder wenn ich abends am Teefeuer auch mal eine Geschichte erzähle. Die Kamele bei der Mittagspause oder am Abendlager absatteln helfen, ist auch noch okay. Mehr fällt mir nicht ein, was ich unterwegs jemals hätte tun dürfen.

Gruß
Evelyne
... die Köpfe gleichen einander, aber die Gedanken in ihnen nicht (aus Ghana) ...
schu achbar ?

Re: Reisen vs. Parasitentum

Beitrag von schu achbar ? »

Nachdem ihr jetzt vom höchsten Reisegericht in Deutschland, dem
Wuestenschiffs-Gericht , freigesprochen u. rehabilitiert wurdet....
könnte man das Thema ja noch etwas weiterentwickeln.

Warum kommt Einem/r nach Urlauben in solchen Gegenden die Gastfreundschaft dort so viel besser vor, als zB. in Deutschland ?

Liegt es an der eigenen Position, die man innehat, da man als Eingeborener in D ja nicht aus eigener Erfahrung als Fremder in D berichten kann ?

Ist die orientalische Gastfreundschaft bedingungslos u. grundsätzlich, oder orientiert sie sich auch am Status des Fremden ?
Also Unterscheidung zw. Gastarbeiter u. Besucher zB.

Liegt es ev. auch an der modernen Stadtgesellschaft u. Massengesellschaft mit Arbeitsteilung etc. . dass es einem hier subjektiv kaltherziger vorkommt, oder ist das wirklich ein kultureller Unterschied zw. Orient u. Ozident ??
mikepiller
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Wohnort: Berlin

Re: Reisen vs. Parasitentum

Beitrag von mikepiller »

Gute Frage, schu

da hat wohl jeder von uns schon mal drüber nachgedacht.


Grundsätzlich denke ich, wir-
also insbesondere WIR Germanen-
haben wohl traditionell mit Gastfreundschaft nicht viel am Hut.
Aus alten, römischen oder angelächsischen Reiseberichten geht oft hervor, das dieser, unser Teil Europas eine No Go Area ist!

In der jüngeren Geschichte hatten wir ja auch längere Passagen, in der wir fremdartigen Kulturen nur bedingt freundlich betrachtet haben- da haben wir scheinbar jedoch zumindest den Grundstein zu unserer Italien- Affinität gelegt-
2 Expresso bitte!

Vielleicht liegt es an der "nationalen" Abschottungsmentalität in Europa, die man im Orient so nie gepflegt hat?

Darüber hinaus bin ich schwer davon überzeugt, dass
ANGST
ein wesentlicher Faktor ist.
Wir haben uns in den westlichen Zivilisationen eine
Versicherungs- und Absicherungsmentalität zugelegt, die über jedes gesunde Maß hinaus geht.
Alles, was auch nur an der Mauer unserer Häuser kratzt, seinen Ast über den Gartenzaun reckt, macht uns Angst.
Wir klammern an unserem lächerlichen Leben wie der Fußpilz am Zeh.

Auch das ist im Orient vielleicht anders?
Dort ist ein Tag, an dem die Sonne scheint, etwas zu Essen auf dem Tisch steht und abends nette Leute zu Besuch kommen ein rundherum gelungener Tag-
Grund genug für größte Lebensfreude.

Das wäre die Richtung, in der ich zunächst mal bohren würde.

Gutes Thema, schu,
interessiert mich sehr, was andere dazu sagen.

Gruß
Micha
Wenn der Wind des Wandels weht,
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(chin. Sprichwort)
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