Im Oktober sind meine Frau Angela und ich zusammen auf meiner 29 Jahre alten XT500 für zweieinhalb Wochen nach Marokko gefahren. Für Angela war es die erste Afrikareise, für mich die zweite (1986 war ich mit der gleichen Maschine in Algerien, als es noch "einfach" war).
Am 15. Oktober sind wir von Portsmouth nach Bilbao übergesetzt und nach zwei Tagen auf der Fähre und zwei Tagen Reise durch Spanien, haben wir dann die Fähre von Algeciras nach Ceuta genommen. In Chefchaouen wurden wir schon von Andrea und Maik vom Sahara Club erwartet, die uns den Einstieg in die Arabische Mentalität sehr erleichterten, indem sie uns am Abend beim Stadtbummel unter ihre Fittiche nahmen. Nochmals vielen Dank dafür!
Von da ging es nach Moulay Idriss/Volubilis, Azrou, Meski (wo wir unsere vom Atlasunwetter durchnässten Klamotten trocknen konnten) und Merzouga, wo wir Andrea und Maik wiedertrafen. Weiter gings mit den beiden nach Zagora zum obligatorischen Tombouctouschildfoto. Dann trennten wir uns, die beiden wollten weiter nach Süden und wir hatten geplant, den Tizi-n-Tazerzert in Angriff zu nehmen. Der stellte sich aber in Süd-Nord-Richtung für uns als zu schwer heraus. Ein paar Kilometer vor der Passhöhe hätten wir die aus Treppenstufen bestehende Piste mit 400kg Gesamtgewicht direkt in die untergehende Sonne hinauffahren müssen. Angesichts des Steilabhangs auf einer Seite erschien uns das zu gefährlich und wir drehten um und übernachteten am Bab'n'Ali. Am nächsten Tag sind wir dann den Umweg über Ouarzazate nach Skoura gefahren, wo wir überraschenderweise wieder auf Andrea und Maik trafen. Afrika ist doch wirklich klein!
Am nächsten Tag trennten wir uns dann endgültig, die beiden fuhren gen Westen und wir nahmen die Dades und Todra-schluchten in Angriff. Diesmal gingen wir kein Risiko mit Abkürzungen ein und fuhren die Dadesschlucht in beide Richtungen. Eine gute Wahl, die ich jedem nur empfehlen kann. So sieht man doch mehr von der beeindruckenden Landschaft. In M'semrir war Markt und wir wahrscheinlich die Attraktion des Monats. Für geschlagene 2 Dirham haben wir dort Gemüse für's Abendessen gekauft. Dies gab es auf dem Campingplatz in Tamtatouchte nachdem wir die Todraschlucht hochgefahren waren, was sich wieder als gute Wahl herausstellte, denn die Beleuchtung durch die tiefstehende Sonne zauberte ein fantastisches Licht auf die Berge!
Weiter gings am nächsten Tag nach Fes, wobei wir die geteerte Strasse nach Rich nahmen. Kurz vor Rich hatten wir das großartigste Erlebnis der ganzen Tour: an einer Furt in der menschenleeren Einöde hielten wir an, weil der Hintern eine Pause und die Blase Entleerung forderten. Kaum war der Motor aus, tauchte etwas entfernt ein Kopf auf, der sofort wieder verschwandt. Soviel zum Blase entleeren... Kurz danach stieg in der Gegend des verschwundenen Kopfes Rauch auf und der Besitzer des Kopfes (samt Kopf) kam rüber und lud uns zum Tee ein. Der Mann war augenscheinlich dabei, im Oued einen Brunnen zu graben, um damit seine sechs Olivenbäume zu bewässern. Er war schon etwa fünf Meter tief gelangt, alles nur mit Hacke und Schaufel! Mit meinen bescheidenen Französischkentnissen haben wir uns ein bisschen unterhalten, die meiste Zeit aber einfach zusammengesessen und Tee aus seinem Glas getrunken. Datteln und ein Stück Brot hat er uns auch abgegeben. Das Teffen hat einen sehr tiefen Eindruck bei uns hinterlassen, den wir wohl nie mehr vergessen werden.
Das Ankommen in Fes war danach ein regelrechter Kulturschock, vor allem, weil wir am Fussballstadium vorbei mussten, in dem an dem Abend eines der wichtigsten Spiele des Jahres stattfinden sollte. Das Verkehrschaos war entsprechend. Wir hatten daher keine Idee, wie wir das ausgeguckte Hotel finden sollten. Das Problem löste sich schnell, an einer Tankstelle fand sich ein Jugedlicher mit Scooter, der uns hinführen wollte. Diese Fahrt durch das nächtliche Fes werde ich wohl auch nicht so schnell vergessen (nach ein paar Minuten hat's aber sogar Spass gemacht). Die 50 Dirham die ich ihm unaufgefordert gegeben habe waren mir die Sache echt wert. In Fes sind wir dann einen Tag zum Gucken und Einkaufen geblieben. Danach gings über Ceuta, Algeciras, Santander und Portsmouth wieder nach Hause.
Auf dem Hinweg hatte Angela noch gesagt, dass wir unbedingt mal Urlaub in Spanien machen müssten. Auf dem Rückweg sagte sie: Spain is boring! Also werden wir wohl definitiv wieder nach Marokko müssen
Ich habe die letzten anderthalb Wochen damit verbracht, die 1500 mitgebrachten Fotos auf die 200 besten zu reduzieren. Diese habe ich nun auf Flickr hochgeladen: http://www.flickr.com/photos/25563204@N ... 100423658/
Viel Spass beim Angucken und lasst mich wissen, wie sie Euch gefallen.
Danke nochmal an Andrea und Maik für Alles!
Andreas und Angela




