Agentur und Tips für China

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Wolf DK
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Agentur und Tips für China

Beitrag von Wolf DK »

Hallo Overlander

Vor dem Hintergrund geposteter schlechter Erfahrungen mit Vietnam- und BirmaSenses posten wir unsere guten Erfahrungen mit Erlebnisreisen Tibet nach 39 Tagen durch China im Herbst 2016. Wir sind mit 2 Fahrzeugen/4 Pax von Osh/Kirgistan kommend auf der Seidenstraße über Kashgar teilweise durch Taklamakan und Gobi bis zum Ende der Großen Mauer nach Osten gefahren. Dann sind wir nach Süden abgebogen und über Dunhuang nach Lhasa, weiter über Osttibet nach Yunnan und auf der Teestraße nach Laos, insgesamt 10.000 km. Ein ausführlicher Bericht findet sich auf http://www.truck-the-world.com.

Es ist bekannt, dass China-Reisen mit eigenem Fahrzeug - nicht aus Anreinerstatten – aufwendig und teurer sind. Sie erfordern vorab Übersetzungen der Führer- und Kfz-Scheine, Versicherungen für Fahrzeuge und Reisende sowie Nummernschilder. Außerdem werden die Reisenden 24 h/7 Tage die Woche von einem zugelassenen Führer begleitet. Da China das FIA-Carnet de Passage nicht akzeptiert, müssen Kautionen im Wert der Fahrzeuge hinterlegt werden, 6.000€ sind ein Start, 30.000 € häufig.

Für den Transit durch Tibet und Xinjiang verlangen zivile, polizeiliche und militärische Behörden detaillierte Tourenpläne auf täglicher Basis und eine Liste der Hotels. Die Beschaffung aller Papiere, Dokumente und Permits erfordert mindestens 2 Monate vor Grenzübertritt China, 3 Monate sind angeraten. Im Vergleich dazu kommen chinesische Visa vergleichsweise zügig, aber nur im Heimatland. Sie benötigen Touren- ud Zeitplan mit Hotelliste sowie einen Brief, in dem der Reisende erklärt, warum und wie er in China reisen will. Das Visum wird standardgemäß für 30 Tage erteilt, gut begründet gibt es mehr.

All dies kann nur eine in China akkreditierte Agentur leisten. Sie erstellt alle Zeitpläne, besorgt die Permits, schließt Versicherungen ab, besorgt Fahrzeugpapiere, Nummernschilder und Führerscheine und stellt die Führer. Die teureren Agenturen stellen auch die Kautionen für die Fahrzeuge und zahlen dafür pro Jahr pauschal 100.000 € und mehr treuhänderisch an die Zollbehörde. Es gab Ende 2016 insgesamt 6 für Reisen durch China, Tibet und Xinjiang akkreditierte Agenturen. Deutlich mehr Agenturen bieten dies zwar an, müssen nach Vertragsabschluss aber bei den oben genannten Agenturen einkaufen. Das verteuert die Sache für den Kunden deutlich.

Ein Preisbeispiel: Agenturen rufen für eine 40-tägige Reise für 2 Fahrzeuge mit je 2 Pax zwischen 8.000 und 20.000 € auf, Verhandlungsspielraum relativ gering, wir haben pro Fahrzeug knapp 4.500 € bezahlt. Die Preise verringern sich für größere Gruppen nicht analog zur Teilnehmerzahl, da viele individuelle Dokumente, wie Führerscheine, Versicherungen erforderlich sind. Empfehlung: Übernachtungen und Mahlzeiten für die Führer pauschal einschließen. Wir haben mit allen akkreditierten und anderen Agenturen verhandelt und uns für Adventuretours/Erlebnisreisen Tibet und Shang, einen der 3 Bosse, entschieden und eine 6er sowie eine 2er Gruppe mit unterschiedlichen Routen organisiert. Unsere Erfahrung hat bestätigt: Immer freundlich, professionell und kooperativ mit gutem Organisationstalent. Englisch und sogar Deutschkenntnisse gut. Spezielle Wünsche oder Planänderungen waren kein Problem, müssen in der Gruppe aber ausgehandelt werden.

Aus unserer Sicht sind gut bezahlte, freundliche, kooperative und informierte Führer mit guten Englischkenntnissen genauso wichtig für das Gelingen der Tour. Wir hatten insgesamt 4 Guides und waren mit allen zufrieden, die Auswahl verdanken wir Shang, der selbst 14 Tage durch Xinjiang unser Führer war. Ein Rat besonders, wenn die Führer im Auto mitfahren: Begegnet man ihnen freundlich und zuvorkommend, dann verhalten sie sich ebenso. Andernfalls wird ein Führer schnell zum unanagenehmen Wachhund, seine Aufgabe aus Sicht der Behörden. Es ist aus Kostengründen üblich, in Gruppen durch China zu fahren. Dieselbe Gruppe muss mit allen Fahrzeugen ein- und ausreisen. Das gilt auch im Falle von Defekten, Unfällen, Krankheiten. Andernfalls müssen auf Kosten der Reisenden neue Permits beantragt werden.

Der erste Guide empfing an der Grenze zu Kirgistan, Irkeshtam, der letzte lieferte in Mohan, Laos, ab. Erste Aufgabe ist, uns durch gefühlte 10 Kontrollen bis Kashgar ins Hotel zu begleiten, dauert ca 1 Tag. Der nächste Führer erwartet uns im Hotel. Der folgende Tag ist mit Paperwork und einer strengen, TÜV-ähnlichen Fahrzeugabnahme komplett ausgefüllt. Bei der Fahrzeugabnahme sollte das Fahrzeug in gutem optischen und technischen Zustand sein. Das Procedere wird erschwert, weil die Grenzen Chinas an Wochenenden und Feiertagen sowie vor 9h und nach 17h geschlossen sind. De Ausreise in Mohan dauert lediglich eine Stunde, keine Zollkontrolle, keine Inspektion.

Die Nächte verbringt man im "Hotel des Führers" oder im Wagen auf dem Hotelparkplatz. Freies Campen ist möglich, wenn der Führer zustimmt und entsprechend ausgerüstet ist, einer unserer Guides hat dies aus persönlichen Gründen abgelehnt. In Tibet muss der Führer die Reisenden registrieren, sobald eine Bezirksgrenze überbefahren wird. Die lokale Polizei empfängt die Reisenden dann im für internationale Gäste vorgeschriebenen Hotel. Polizeikontrollen sind in Xinjiang und Tibet sehr häufig, Einfahrten in Städte und Tankstellen erfordern spezielle Pass- oder Fahrzeugkontrollen. Sehr zeitaufwendig, wenn die Kommunikation nicht optimal ist.

Straßenzustand und Verkehrssicherheit sind in Tibet fürchterlich, wir haben auf bis zu 5.000m hohen Pässen Tage im Stau verbracht. Dennoch langsam und situationsorientiert fahren, Regeln bedeuten nichts und Vorfahrt überlässt man sicherheitshalber Mopeds, Fußgängern, Hühnern oder Einbiegern. All dies kostet Zeit und ruiniert jeden Zeitplan, aber keine Agentur wird dies je zugeben. Dies gilt auch für unerhört hohe Autobahngebühren und Eintritte: Kosten ein Vermögen. Eine Fahrt durch Osttibet nach Yunnan sollte erst ab Juni 2017 angetreten werden, dann ist der neue Expressway angeblich fertig.

Also fahrt nach China, ein sicheres Reiseland, Straßenzustand landes-weit ansonsten sehr gut. Wunderschöne Landschaften und sehr freundliche Leute, spannend. Auch wenn kaum einer Englisch versteht, so wird doch jeder versuchen zu helfen, irgendwie. Niemals wird ein chinesischer Beamter oder Polizist Touristen um Geld, Bakschisch, angehen. Chinesen werden sich stattdessen in Dein Auto setzen ohne zu fragen, sich anschauen, was es da zu sehen gibt und unendliche Fragen stellen, auf chinesisch natürlich. Sie werden Dir das Buch aus der Hand nehmen, das Du gerade liest, und im Vorbeigehen von Deinem Tisch probieren: Chinesen sind neugierig und interessiert an Allem.

Fragen werden jederzeit gern beantwortet,

Wolf DK
CaptainMathi
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Re: Agentur und Tips für China

Beitrag von CaptainMathi »

Sehr gute Zusammenfassung Wolf!

Ich selber war Teil der 6er Gruppe durch Tibet und wir waren auch sehr zufrieden. Unserer Guide hat selbst bei -5 Grad im Zelt gecampt, was wir allerdings selbst zur Verfügung gestellt hatten. Sein Kommentar am nächsten Morgen war nur dass es etwas frisch gewesen wäre ^^

Die Südroute entlang des Kailash und Everest Basecamp ist ausgezeichnet ausgebaut. Kaum Verkehr. Kein Stau. Einfach unglaubliche Panoramen.

Auch für meinem zweiten China-Transit vom KKH Pakistan zum Torugart in Kirgistan haben wir auf Erlebnisreisen gesetzt. Günstigste Agentur von allen und auch alles super gelaufen. Eine Planänderung einschließlich Hotelumbuchungen aufgrund längerer Wartezeiten am Zoll wurde ohne Zögerung von der Agentur vorgenommen.

Fazit: Sehr gute Erfahrung und klare Empfehlung auch von mir.

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