Bilharziose - Schistosomiasis
Verfasst: Mi 5. Sep 2007, 20:30
Quelle: echo onlineDie Gefahr aus tropischem Süßwasser
Schwere Organschäden teils bis zum Tod drohen
14.08.2007
Die Tropenkrankheit Bilharziose bedroht Einheimische in Afrika, Südamerika und Asien – und auch Touristen, die in dortigen Ländern in Naturgewässern baden, oder auch nur die Füße kühlen. Denn die Erreger tummeln sich dort in Flüssen und Seen: Zunächst dringen die Larven der Pärchenegel (Schistosma) binnen Minuten durch die Haut in den menschlichen Körper ein. Dabei bildet das Männchen mit den Seitenrändern seines Körpers eine Art Rinne, in der die fadenförmigen Weibchen eingeschlossen werden.
Die Saugwürmer gelangen durch Blut- und Lymphgefäße in die Leber. Inzwischen auf zehn bis 20 Millimeter Länge angewachsen, paaren sich die Parasiten, die sich im Menschen von den roten Blutkörperchen ernähren. Einen Teil der dabei entstehenden Eier scheidet der Befallene durch Urin und Kot aus. Da aber nicht alle Eier den Körper verlassen, kann es zu Komplikationen kommen. Das Leiden fängt oft harmlos an: Jucken und Errötung an den Hautstellen, wo die Larven eingedrungen sind – diese Symptome klingen nach einigen Tagen ab. Doch nach drei- bis zehnwöchiger Inkubationszeit beginnt die akute Phase der Bilharziose. Die Betroffenen leiden unter Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Husten sowie Juckreiz. Zudem schwellen Leber, Milz und Lymphknoten an. Nach Monaten, sogar noch nach Jahren können sich allmählich chronische Schäden an den Organen zeigen, beispielsweise als Leberzirrhose.
Die vom deutschen Arzt Theodor Bilharz (1825-1862) entdeckte Krankheit ist in den Industriestaaten nicht verbreitet. Bilharziose gilt als typische Geißel der Entwicklungsländer. Wie Statistiken zeigen, führt dort die dauerhafte Ablagerung von Wurmeiern auch zu Epilepsie, Erblindung und Krebs. So hat etwa das Krebsforschungsinstitut „International Agency for Reasearch of Cancer“ ermittelt, dass die Erkrankungsrate an Blasenkrebs in einigen Gebieten Afrikas dreiundzwanzigmal höher ist als in den USA. Bilharziose gilt nach Malaria als die häufigste Tropenkrankheit. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind etwa 200 Millionen Menschen mit Bilharziose infiziert. Davon betroffen sind besonders junge Menschen. In Gebieten mit hohen Infektionsraten sind es Personen bis zu einem Alter von 35 Jahre, die am häufigsten erkranken. Zu den Risikogruppen gehören Schwangere, Bauern und Fischer. Da eine Vielzahl von Erreger-Formen existiert, gilt eine Impfung bisher als kaum praktikabel.
Unbehandelt kann Bilharziose bis zum Tod führen. Etwa 15 000 Betroffene sterben jährlich an den Folgen der Infektion. Gute Heilungschancen bestehen, wenn die Krankheit rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Einige Wochen nach Kontakt mit den Larven lassen sich Wurmeier in den Exkrementen nachweisen. Auch in Gewebsproben (Biopsien) aus der Darm- oder Harnblasenwand können Eier ermittelt werden. Endgültige Gewissheit liefert eine Blutanalyse, die untersucht, ob das Immunsystem Antikörper gegen die Schistosomen gebildet hat.
Als wirksames Mittel gegen den Schistosma-Befall hat sich seit den Achtzigern das Medikament Praziquantel bewährt. Die darin enthaltenen Wirkstoffe verursachen bei Pärchenegeln spastische Lähmungen – dadurch getötete Würmer werden mit dem Stuhl ausgeschieden. Einwände, wonach Praziquantel gegen junge Würmer in den ersten Wochen nach der Infektion noch nicht helfe, kontert Andreas Ruppel, Professor am Institut für Tropenhygiene des Klinikums der Universität Heidelberg: „Schistosma-Parasiten werden meist nicht unmittelbar nach der Infektion entdeckt, sie reifen erst“. Deshalb sei der Einsatz von Praziquantel „absolut empfehlenswert“.
Für Menschen aus Industrieländern sei „die beste Maßnahme gegen die Krankheit“ Aufklärung über die Infektionsrisiken, sagt Ruppel. Dies betreffe besonders „all die Last-Minute-Urlauber, die spontan und oft zu sorglos in gefährdete Gebiete aufbrechen“. Für sie wie für Bewohner der Dritten Welt gilt die Devise: Nicht in Naturgewässern baden, Wasser vor Gebrauch stets abkochen. Mit chemischen Mitteln den Zwischenwirt der Pärchenegel, eine Süßwasserschneckenart, zu bekämpfen ist eine weitere, eher langfristige Maßnahme.
Das Darmstädter Pharma-Unternehmen Merck, Hersteller des praxisbewährten Medikaments Praziquantel, hat der WHO zugesagt, in den kommenden zehn Jahren kostenlos 200 Millionen Praziquantel-Tabletten nach Afrika zu liefern, weil die Bilharziose „eine der größten Gesundheitsgefahren für den Kontinent darstellt“, sagt Elmar Schnee vom Konzernvorstand.