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Tansania | Umsiedlung Massai wegen Jagdrevier

Verfasst: Mi 19. Nov 2014, 00:55
von christian aus Freiburg
Hallo!

An schlechten Nachrichten aus Tansania besteht ja kein Mangel, aber das ist mir neu:

Spiegel: Zehntausende Masai sollen für Jagdrevier ihre Heimat verlassen

Wer hat hier genauere Infos?

Besten Gruß aus Alagoas/Brasil

Christian

Re: Umsiedlung Masai wegen Jagdrevier

Verfasst: Mi 19. Nov 2014, 10:37
von Hazi
Da fand ich einen Bericht bei Google aus dem Jahr 2010
Scheint wohl eine Wiederholungstat zu sein.
http://www.gfbv.de/pressemit.php?id=2383

Abzuheften unter "Geld regiert die Welt" - was sind da schon 40.000 Massai :-(

Re: Umsiedlung Masai wegen Jagdrevier

Verfasst: Mi 19. Nov 2014, 11:24
von Guido3
Hallo,
Hazi hat geschrieben:
Mi 19. Nov 2014, 10:37
Da fand ich einen Bericht bei Google aus dem Jahr 2010
Es ist jetzt zumindest wieder exakt die gleiche Firma (Ortello aus Dubai). Ansonsten ist die Faktenlage noch sehr dünn und es ist schwer, sich ein Urteil zu bilden. Manchmal bauschen ja auch NGOs oder sonstige Interessierte Dinge abstrus auf.

Was einem dabei eventuell noch Sorgen machen darf: Zuletzt fielen Jagdveranstalter aus den Emiraten in Tansania vor allem durch Grausamkeiten gegenüber Tieren und eine völlig fehlende Jagdethik auf. Siehe Vorgänge um Green Mile Safari.

Beste Grüße

Guido

Re: Umsiedlung Masai wegen Jagdrevier

Verfasst: Mi 19. Nov 2014, 12:25
von Lothar
/Zynismus ON

Hallo Freunde Afrikas,

... na das ist doch eine gute Nachricht für den Wildtierbestand dort.

In Jagdgebieten kümmert man sich doch rührend um die Nachhaltigkeit des Tierbestands und schützt ihn vor der Ausrottung durch Wilderei, das ist doch „allgemeiner Konsens“ - oder ?

Gerade bei den saudischen Grosswildjägern haben der Naturschutzgedanke und die Jagdethik eine hohe Priorität.

Für die Massai dort ist das doch auch eine tolle Nachricht. Sie dürfen in „schöne“ angrenzende Gebiete umziehen und bekommen endlich Manyattas mit festem Blechdach und Blechwänden, und als Ersatz für den Verlust ihrer Weideflächen erhalten sie umsonst Überschussweizen aus Kanada.
Die den Massai so lästige Rinderhaltung entfällt auch, weil einmal pro Woche ein LKW das gejagte „Bushmeat“ vor die Hütte kippt.

Ja, und eine Schule wird wohl auch gebaut werden, damit die Region endlich die dringend gesuchten, gut ausgebildeten Arbeitskräfte erhält: Jagdgehilfen, Fahrer und Putzpersonal für die Überseegäste.

Wer keinen Job erhält, kann seinen Tagesablauf frei gestalten und kann jeden Tag das süsse Leben der Dorfgemeinschaft geniessen.

Endlich mal wieder gute Nachrichten

Gruss
Lothar

//Zynismus OFF

Re: Umsiedlung Masai wegen Jagdrevier

Verfasst: Mi 19. Nov 2014, 14:05
von Ralf Kiefer
Hallo!

Beim Guardian fand sich am Sonntag wohl der Aufhänger für den Bericht im Spiegel

Tanzania accused of backtracking over sale of Masai’s ancestral land

Gruß, Ralf

Re: Umsiedlung Masai wegen Jagdrevier

Verfasst: Mi 19. Nov 2014, 18:20
von landcruiser.
Lothar, wieso "aus Übersee"?
Gabs eine Verschiebung der Platten? [emoji1]

Re: Umsiedlung Masai wegen Jagdrevier

Verfasst: Mi 19. Nov 2014, 19:26
von Lothar
.... nee, wenn du es so genau nimmst - es gibt 'ne Plattenverschiebung, wonach SAE echt "Übersee" werden, aber "Übersee" steht natürlich für "nicht Kontinentalafrika". Zudem glaube ich, dass im Windschatten der Saudies noch andere Landsleute mitjagen dürfen.

Re: Umsiedlung Masai wegen Jagdrevier

Verfasst: Mi 19. Nov 2014, 19:36
von Mischa Prey
Hallo Leute,

damit Ihr wißt was damals so los war schaut Euch a) mal dieses Video an:

YouTube - Green Mile Safari das war von einer Saudi-Reisegesellschaft. Wegen diesem Video wurden denen alle Jaglizenzen entzogen, und b) googelt mal "Green Mile Safari" dann werdet Ihr sehen wie respektlos die Saudis mit Tieren umgehen.

Gruß

Mischa

Re: Umsiedlung Masai wegen Jagdrevier

Verfasst: Mi 19. Nov 2014, 20:35
von Lothar
Mischa Prey hat geschrieben:
Mi 19. Nov 2014, 19:36
wie respektlos die Saudis mit Tieren umgehen
ich fürchte, dieser respektlose Umgang ist nicht saudi-typisch, sondern ein grundsätzliches Problem solcher Jagdveranstaltungen, aber was in dem Video zu sehen ist, kann einem schon den Magen umdrehen.

Aber na ja, es heisst ja, mit dem Jagderlös werden Schulen gebaut ......

Re: Umsiedlung Masai wegen Jagdrevier

Verfasst: Mi 19. Nov 2014, 21:43
von AnnArbor
Der Spiegel-Artikel bezieht sich auf Avaaz - die meisten kennen diese Organisation, die tatsächlich mit ihren Kampagnen schon Erfolge erzielen konnte.
Den Artikel "Stehen wir den Maasai zur Seite" findet Ihr hier: https://secure.avaaz.org/de/stand_with_ ... fb&v=48654

Mehr Infos hier: https://www.n-tv.de/panorama/Tansania-s ... 87616.html
Die Vorgeschichte zum leider wieder aktuellen Thema kann man teilweise kritisch auch hier nachlesen:

https://www.theguardian.com/world/2013/ ... g-tanzania
http://www.tourism-watch.de/content/jag ... ngt-massai
https://allafrica.com/stories/201303290873.html
http://www.gfbv.de/inhaltsDok.php?id=2011
https://www.theguardian.com/world/2012/ ... uae-royals

Es wird gern auch mal ein Bezug zu den "Reichen Royals aus UAE" hergestellt.

Diese Jagdgesellschaften, die man sich schön bei youtube geben kann, kotzen mich echt an!

Grüße - annarbor

Re: Umsiedlung Masai wegen Jagdrevier

Verfasst: Mi 19. Nov 2014, 22:45
von Hazi
Das Video ist ja wohl ätzend. Das ist doch keine Jagd, sondern einfach nur eine Abknallerei. Die werden ja noch schön nah ran gefahren, damit sie auch ja treffen u. die Füße nicht schmerzen. Dann noch ein Kind dabei, dem man schon gleich Respektlosigkeit vor Tieren beibringt.
Geld bedeutet nicht gleich Bildung und Verstand.

Re: Umsiedlung Masai wegen Jagdrevier

Verfasst: Mi 19. Nov 2014, 23:13
von Guido3
Avaaz ist vor allem eine Windmachmaschine. Die verfolgen keine langfristigen Ziele und man kann das permanente Windmachen durchaus kritisch sehen. Für die permanente Erregungsgesellschaft in den Sozialen Netzwerken ist Avaaz das perfekte Werkzeug und Ventil um sich "zu engagieren". Man kann in 2 Sekunden von der Couch aus eine Petition zeichnen. Ein solches "Engagement" ist maximal bequem, verpflichtet zu nichts und ist vor allem kostenlos. Mal schnell irgendwo klicken. Fertig. Sich toll fühlen. Vergessen. Ein derartiges "Engagement" ist aber auch weitgehend belang- und wirkungslos. Außer Wind kommt häufig aber auch nichts bei heraus.

Trophäenjagden im Stil von Green Mile Safaris sind zum Kotzen. Die Massai sind im Allgemeinen aber auch nicht gerade als die allerbesten Naturschützer bekannt. Der Mittelpunkt im Leben des traditionellen Massai ist immer noch seine Rinderherde. Die Zahl der Rinder in Tanzania hat sich in den letzten 10 Jahren deutlich erhöht. Die brauchen ebenso wie die wachsende Bevölkerung mehr Fläche, was dann zwangsweise weniger Land für Wildtiere bedeutet.

Wie schon vorher geschrieben, ist die Faktenlage meines Erachtens noch etwas dünn, um sich da ein Urteil zu bilden. Ein "Hier die guten, edlen Massai und da die bösen Jagdveranstalter" drängt sich zunächst auf, aber das Gesamtbild stellt sich möglicherweise etwas komplexer dar.

Beste Grüße

Guido

Re: Umsiedlung Masai wegen Jagdrevier

Verfasst: Do 20. Nov 2014, 00:10
von Hazi
In meinem letzten Posting waren die Massai gar nicht in meinen Gedanken fällt mir gerade auf. Mir geht es um die Art und Weise der "Jagd". Alleine schon die "Tarnanzüge" für die Gewehre. Krieg spielen gegen Tiere ohne jegliche Gefahr für sich selbst.
Diese Leute wären sicher auch bereit Menschen abzuknallen, wenn es erlaubt wäre, einfach aus Spaß an der Freude. Natürlich dürften diese Menschen dann keine Waffen haben, damit den Jägern selbst nichts passieren kann.
Jagd ist für mich was anderes.
Erinnert mich an die Bisonherden im Wilden Westen. Nur moderner.

Re: Umsiedlung Masai wegen Jagdrevier

Verfasst: Do 20. Nov 2014, 08:44
von landcruiser.
Hazi hat geschrieben:
Do 20. Nov 2014, 00:10
Diese Leute wären sicher auch bereit Menschen abzuknallen, wenn es erlaubt wäre, einfach aus Spaß an der Freude.
Bei allem Verständnis für die persönliche Betroffenheit würde ich mir solche Unterstellungen doch eher verkneifen.

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Einheimische aus ihrer Heimat zu vertreiben, um dort ein Jagdrevier einzurichten, egal für wen und egal was die Einheimischen dort veranstalten, ist für mich geradezu pervers.

Vermutlich zeigt es aber nur den Grad der Korruption und die Macht des Geldes.

Die hiesigen Maßstäbe einer verantwortungsvollen Jagd oder die der sog. "Deutschen Waidgererechtigkeit" darf man schon in Europa nicht überall als gegeben annehmen (ums mal ganz vorsichtig auszudrücken).

Die Achtung vor den Mitgeschöpfen auf der blauen Kugel ist stark unterschiedlich ausgeprägt.

Re: Umsiedlung Masai wegen Jagdrevier

Verfasst: Do 20. Nov 2014, 11:19
von Lothar
Guido3 hat geschrieben:
Mi 19. Nov 2014, 23:13
Für die permanente Erregungsgesellschaft in den Sozialen Netzwerken ist Avaaz das perfekte Werkzeug und Ventil um sich "zu engagieren". ...... Ein solches "Engagement" ist maximal bequem, verpflichtet zu nichts und ist vor allem kostenlos. Mal schnell irgendwo klicken. Fertig. Sich toll fühlen. Vergessen. Ein derartiges "Engagement" ist aber auch weitgehend belang- und wirkungslos. Außer Wind kommt häufig aber auch nichts bei heraus.

„DU engagierst dich wenigstens vor Ort“, hättest du gerne noch hinzugefügt - oder ?

Mir ist es lieber, wenn sich jemand ÜBERHAUPT engagiert oder sich Gedanken macht, auch wenn dabei nicht so viel herauskommt, wie bei DIR. (Wobei das noch nicht einmal bedeutet, dass deine Ziele auch erstrebenswert und immer die richtigen sind.)

Guido3 hat geschrieben:
Mi 19. Nov 2014, 23:13
Ein "Hier die guten, edlen Massai und da die bösen Jagdveranstalter" drängt sich zunächst auf, aber das Gesamtbild stellt sich möglicherweise etwas komplexer dar.
Alles auf dieser Welt stellt sich mit der entsprechenden Fragestellung als sehr komplex dar, selbst die beste Methode des morgendlichen Zäheputzens kann sich als nicht lösbar erweisen, aber damit ist der Sinn des Zähneputzens noch nicht in Frage gestellt


Dein Hinweis auf die möglicherweise höhere Komplexität des Themas „„Jagdgebiete/Massailand“ und die implizierte Abdeutung, die bisherigen Beiträge und Meinungen werden dieser Komplexität nicht gerecht, halte ich eher für einen Versuch, die Diskussion zu verwässern.

Für mich stellen sich jenseits aller Komplexität zwei Fragen:

1. Ist es zulässig (rechtliche/ethische Bedenken), den Massais ihr Land abzukaufen und sie dabei (wahrscheinlich bewusst) zu übervorteilen.

2. Ist es nicht angesichts solcher Jagdexzesse dringend erforderlich, solche Veranstaltungen zu stoppen und die Jagdlizensen einzuziehen.


Gruss

Lothar