Hallo allerseits,
ich hatte Euch hier vor einem halben Jahr nach Informationen zum Turkana-See gefragt und habe eine Menge interessante und hilfreiche Antworten bekommen. Ganz offensichtlich gibt es etliche Leute, die die Region kennen. Und mögen.
Jetzt, nachdem wir wieder zurück in Deutschland sind, wollte ich Euch deshalb ein kurzes Feedback geben, auch für die, die in Kürze selber dorthin wollen (viele Touristen trifft man ja nicht mehr in Kenya).
Eins vorweg: es war wunderbar! Wir haben jeden einzelnen Tag genossen (aber nicht jeden einzelnen Kilometer

) und werden uns auch in 20 Jahren noch an viele Details erinnern.
Wir sind die Strecke gegen den Uhrzeigersinn gefahren, also Isiolo-Marsabit-North Horr-Loyangalani-Maralal, weil wir vorher unseren Bus im Meru Nationalpark noch im Schlamm versenken mussten

. Da war der Weg über Isiolo naheliegend.
An sich wollten wir wieder im Womens Camp in Archers Post übernachten. Brauchten wir aber nicht, da die Strecke nach Marsabit ja zur Hälfte asphaltiert ist und am Rest heftig gebaut wird, wir also in einem Tag durch waren. Zum Übernachten in Marsabit hatten wir von Euch einige Tipps bekommen, sind aber am Ende auf einem ganz anderen Camp gelandet („Henrys Camp“, gleich am Ortseingang von Marsabit nach links). Und das war ein wahrer Glückstreffer, weil es nicht nur ein sehr schönes und sauberes Camp ist, sondern weil wir dort auch einige nette Leute aus North Horr kennen gelernt haben.
Dank der Einladung nach North Horr sind wir einige Tage später in einem Rutsch dorthin gefahren. Da es viel geregnet hatte, war der direkte Weg durch die Wüste nicht passierbar, aber die Einheimischen hatten uns eine Alternative beschrieben. Wir haben am ganzen Tag nur eine Hand voll Autos getroffen, aber die Piste an sich war kein Problem. Lediglich einige knietiefe Furten haben wir vorher abwaten müssen.
In North Horr sind wir eine ganze Woche geblieben, unter anderem, weil uns die dortigen Missionare zu einer Kircheneinweihung oben an der äthiopischen Grenze eingeladen hatten. Weder meine Frau noch ich sind in der Kirche, doch was die katholischen Missionare in North Horr tun, das hat uns schwer beeindruckt. Es hat unser Bild von Missionsarbeit gründlich auf den Kopf gestellt. Das hat eigentlich nichts mit christlicher Missionierung, so wie wir sie uns immer vorgestellt haben, zu tun, sondern ist humanitäre Hilfe im besten Sinne. Nicht nur, was sie tun, sondern auch, wie sie es tun. Wir haben selten so offene Diskussionen wie hier erlebt, egal, ob es um Zölibat, Homosexualität, Scheidung, Verhütung oder Sex vor der Ehe ging. Rom ist weit weg! Und die deutsche Amtskirche auch.
Als wir in Marsabit waren, wurden nur ein paar hundert Kilometer entfernt 80 Christen von Al Shabab Terroristen erschossen. Trotzdem: wie Ihr auch schon geschrieben hattet, war die Sicherheitslage nie ein Problem. Ganz im Gegenteil, wir haben die Bevölkerung als sehr freundlich kennen gelernt (wir sind ja auch keine Rinder und in unserem Bus haben sie auch keine vermutet

). Trotzdem ist es ein wenig befremdlich, wenn uns die Hirten im Vorbeifahren mit ihren Kalashnikows zuwinkten.
Die Piste nach Loyangalani war schwer, weil es in den Tagen davor mächtig geregnet hatte. Vor allem die Furten waren schwierig, nicht wegen der Wassertiefe, sondern weil der Untergrund butterweicher Schlamm war.
In Loyangalani sind wir zunächst zur Oasis Lodge gefahren - und waren entsetzt! Keine Gäste und ein nicht ansprechbarer Besitzer. Details möchte ich mir an dieser Stelle ersparen. Wir sind dann im wirklich guten Palm Shade Camp gelandet.
Einige Tage später war auch die Strecke nach Maralal wieder passierbar (dort Camel Camp) und wir sind problemlos zurück in die Zivilisation gekommen.
Unseren Plan, dann weiter nach Uganda zu fahren, hatten wir inzwischen geändert. Wir waren sechs Wochen länger als geplant in Mombasa und wollten jetzt allmählich wieder runter nach Südafrika.
@dietmar.peter
Ich habe Deinen letzten Post erst gelesen, als wir vom Turkana schon wieder zurück waren und musste schmunzeln, da Du uns genau die Missionsstation empfohlen hast, auf der wir dank anderer Zufälle ebenfalls gelandet waren. Den Schlenker über Äthiopien haben wir dieses Mal nicht gemacht, aber wir werden sicher noch mal in dieser Gegend aufkreuzen.
Danke Euch allen nochmals
Wolfgang