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Neue Autobahn in Äquatorialguinea!
Verfasst: So 24. Nov 2013, 14:52
von Achim Vogt
Äquatorialguinea ist eines der unbekanntesten Länder Afrikas - und war lange auch eines der ärmsten, zudem eine üble Diktatur. Inzwischen wurde Öl gefunden und die meisten Menschen sind weiter sehr arm, die Diktatur ist geblieben und hat sich enorm bereichert. Aber in Sachen Infrastruktur hat sich einiges getan: Während es bei unserem Besuch in Malabo und Luba auf der Insel Bioko 1989 so gut wie keine Hotels oder gar Restaurants gab (der Club Nautico war ganz nett in Malabo), gibt es nun nicht nur auf der Insel, sondern auch auf dem Festlandteil einige gute bis sehr gute Hotels, teilweise sogar im Landesinnern.
Und per Zufall bin ich auf diese ganz aktuellen Fotos gestoßen, die den Bau einer Autobahn von Bata, dem Hauptort des Festlandteils, zur gabunischen Grenze zeigen. Wenn mensch sich andere Fotos der Straßen und Orte dieses Landes anschaut, wirkt diese Autobahn wie vom anderen Stern:
Autobahn Bata - Grenze Gabun
Zu bereisen ist das Land allerdings schwierig: Visa werden offenbar - wie in anderen Ländern Afrikas auch - nur noch im Heimatland, sprich z.B. bei der Botschaft Äquatorialguineas in Berlin - ausgestellt.
Viele Grüße
Achim
Re: Neue Autobahn in Äquatorialguinea!
Verfasst: Mo 4. Jan 2021, 23:07
von Norik
Bei der Recherche für eine Afrika Umrundung mit dem eigenen Fahrzeug bin ich eben darauf gestoßen, dass es in Äquatorialguinea inzwischen eine mehrere hundert Kilometer lange Autobahn durch den Festlandteil gibt.
Wenn ich das mit meiner Reise von 1995 vergleiche bei der ich eine Afrika Durchquerung von West nach Ost u.a. durch Äquatorialguinea über Land mit öffentlichen Verkehrsmitteln (meist Taxi Brousse oder hinten auf dem Pickup) gemacht habe scheinen hier Jahrhunderte dazwischen zu liegen.
Damals kam ich nach tagelanger Fahrt auf dem Pick Up über wirklich üble Pisten durch Kamerun an die Grenze bei Ebbebiyin. Die Grenzer wussten schon seit Tagen von meiner bevorstehenden Ankunft, das Radio Tamtam hat gut funktioniert! Die Frage die ich immer wieder schon seit Tagen hörte, war, ob ich meinen Bruder besuchen komme. Damit meinten sie den einzigen anderen Weissen im Umkreis von mehreren hundert Kilometern, einen Missionar in der Nähe von Ebebiyin. An der Grenze musste ich bei etwa 3stündigen Einladung durch die Grenzer zu Essen und Bier (da sie sich über so seltene Abwechslung freuten) erklären, was das Wort "Tourist" in meinem Tourist Visum bedeutet (das übrigens damals ganz problemlos zu besorgen war). Nach mehreren Tagen Warten bei einer sehr gastfreundlichen Familie in Ebebiyin, das damals nur aus einer Kirche, ein paar Häusern und höchstens 500 m asphaltierter Strasse (mit mehr Schlaglöchern als Asphalt) mit nur 2 mehr oder weniger fahrbereiten Autos bestand, ergab es sich endlich, dass sich eines der beiden Fahrzeuge (Mitsubishi L200 Pickup) mit Ladung und ca. 20 Fahrgästen auf den Weg nach Bata machte. Es ging mitten in der Nacht los, da man mit mindestens15 h Fahrzeit rechnete.
Und was soll ich sagen. Diese Piste hat all das geboten was man als junger Mensch in Afrika an Abenteuer sucht und die Pisten in Kamerun in Sachen Herausforderungen für Geländewagen bei weitem übertroffen: nicht enden wollende Schlammlöcher bis zum Kabinenfenster tief, Flußdurchfahrten, übelste Brücken nur aus ein paar Baumstämmen oder Ästen, metertiefe Spurrillen, nicht enden wollender Regenwald ... Und das war damals eine der wichtigsten Verbindungen des östlichen Landesteils nach Bata! Es war eines der besten Erlebnisse zwischen Ghana und Zaire auf dieser Reise!
Spät in der nächsten Nacht kamen wir dann endlich in Bata an. Dort war ich dann noch mehrere Tage bei der Familie eines anderen Passagiers eingeladen. Bata hatte damals nur ein paar Kilometer asphaltierte Strasse und bestand hptsl. aus heruntergekommenen Hütten und alten Kolonialbauten. Am Strassenrand stand ausser ein paar Autowracks nichts. Allerdings gab es sogar ein paar andere Weiße: hauptsächlich Libanesen die im Holz-Business tätig waren. Mein Gastgeber hat mir dann noch einen Termin beim Konsul von Gabun organisiert. Wir haben ihn Sonntagmittag zu Hause beim Mittagessen besucht, wo er mir völlig unbürokratisch das Visum für Gabun, das nächste Land auf meiner Route, in den Pass gestempelt hat. Dadurch habe ich mir eine 2-wöchige Reise mit dem Schiff in die damalige Hauptstadt Malabo auf einer Insel vor Kamerun gespart - das Schiff fuhr nur 1x/Woche!
Alles in allem war Äquatorialguinea eines der absoluten Highlights dieser Reise: Afrika wie zu Livingstons Zeiten, eine unglaubliche Gastfreundschaft, kein einziger anderer Traveller, nicht enden wollender Dschungel, übelste Schlammpisten ...
Kaum zu glauben dass es dort heute Autobahnen gibt!
Re: Neue Autobahn in Äquatorialguinea!
Verfasst: Mo 4. Jan 2021, 23:39
von Achim Vogt
Hallo Norik,
vielen Dank für Deine stimmungsvollen Erinnerungen! Sie sprechen mir aus der Seele (siehe Posting oben). Leider gibt es die Webseite "Panoramio", zu der der Link führte, gar nicht mehr. Deshalb hier ein Eindruck, wie sich das Land verändert hat

- Foto von der Webseite der Baufirma Bouygues Construction
Viele Grüße
Achim
Re: Neue Autobahn in Äquatorialguinea!
Verfasst: Fr 8. Jan 2021, 12:35
von Surfy
Manchmal lese ich zwischen den Zeilen doch immer heraus, dass die guten alten Zeiten vorbei sind.
Nur weil es eine Autobahn gibt heist es ja nicht dass wir diese nehmen müssen.
Wir können höchsten über uns selber weinen, dasss wir die vorhandene Autobahn nehmen und nicht die Ursprünglicheit des Hinterlandes erfahren, die Herzlichkeit der Locals kennenlernen, und uns selber vor untouristischen Erlebnissen im Wege stehen.
Und das wäre wenn - wirklich zum heulen
Ja, die Welt ändert sich rasch. Aber doch ganz langsam, wenn man urbanierte und erschlossene Gegenden hinter sich lässt.
Jetzt stellt sich nur die frage worauf wir uns fokussieren wollen, die rasche Entwicklung in urbanen Gebieten, den Stillstand in abgelegen Gebieten oder unser unvermögen beides oder auch nur eines von beiden zu geniessen.
@Norik: danke für deine Zeilen - dass ist spannend beschrieben!
Surfy