Schön, meinen vor über vier Jahren gestarteten Faden wiederzusehen! Nur kurz zur Info: unsere geplante Reise nach Syrien hat leider nie stattgefunden. Maßgeblich an der Entscheidung beteiligt war die Entführung zweier Bekannter mit ihren beiden Schäferhunden in Tunesien (wurde ja des langen und breiten hier diskutiert), wobei die Hunde auf grausame Weise erdrosselt worden sind. Das hat meine Freude an Reisen nach Nordafrika und den Nahen Osten etwas abgekühlt, wobei die Situation als Ganzes seither ja auch für die zweibeinigen Reisenden immer gefährlicher geworden ist. So werden Bosnien und die Türkei bis auf weiteres wohl die einzigen muslimischen Länder sein, die wir auf absehbare Zeit mit Hund bereisen werden; und da habe ich hinsichtlich meiner im Ursprungspost geäußerten Unsicherheiten doch weniger Bedenken.
Nun möchte ich aber auf muffmaffs Frage(n) antworten:
1) Die Chippflicht galt schon seit etlichen Jahren für das Reisen mit Hund innerhalb der Europäischen Union. Ohne Chip darf ein Hund nicht den Heimatstaat verlassen. Das Chippen ist eine einfache und an sich schmerzlose Angelegenheit: Der Chip befindet sich in einer unzerbrechlichen Glasphiole, die etwas größer als ein Reiskorn ist. Sie wird mit einer Spritze unter die Haut platziert, normalerweise bei der linken Schulter.
2) Ablesung: Auf den Chips ist eine Nummer gespeichert, die stets mit einem Ländercode für das Heimatland des Hundes beginnt. Abgelesen wird der Chip mit einem Lesegerät, sieht aus wie ein Metalldetektor, wie ihn die Beamten am Flughafen verwenden. Bedauerlicherweise gibt es für die Chips und Lesegeräte verschiedene technische Standards, so sind z.B. viele englische Lesegeräte nicht mit kontinental-europäischen Chips kompatibel. Multi-Standardgeräte sind nicht überall verfügbar.
Die dem Ländercode folgende Nummer gibt im Idealfall Auskunft über den Besitzer nebst Adresse und Kontaktmöglichkeit (Telefon, e-mail), aber nur, wenn sie in einer Datenbank registriert wurde. Sinnigerweise ist zwar die Pflicht normiert, den Hund zu chippen, nicht jedoch, die Nummer auch in einer Datenbank registrieren zu lassen. Der eigentliche Sinn des Chips liegt im Nachweis, dass der konkrete Hund mit jenem, auf welchen der europäische Reisepass ausgestellt ist, identisch ist. Damit soll verhindert werden, dass (kranke) Hunde aus dem Ausland eingeführt werden, indem man sie mit einem für einen anderen Hund ausgestellten, regulären Pass ausweist.
Ärgerlicherweise gibt es in ganz Europa keine einheitliche Standard-Datenbank, die von allen Mitgliedsstaaten der EU abgefragt wird. Es gibt mehrere Datenbanken (in Deutschland bekannt ist die von Tasso e.V.,
http://www.tasso.net/), die wieder zusammen mit einer Meta-Suchmaschine verbunden sind, aber: schon in Frankreich besteht ein eigenes System, französische Tierärzte bzw. Behörden kennen die betreffenden Suchmaschinen nicht einmal!
Das heißt: Die Chipnummer gewährleistet im Verlustfall im Ausland nur selten eine korrekte Identifikation und Rückführung.
WICHTIG: Nur wenige Grenzübergänge haben Lesegeräte zur Verfügung (in denen dann auch noch Batterien sind ...), sodass es passieren kann, dass man gezwungen wird, einen Tierarzt aufzusuchen. Wenn der erst in zwei Tagen wieder da ist ... Pech. Auf jeden Fall sollte man mit dem Hund das Ablesen-Lassen üben; nciht jeder Hund mag es, wenn ein gestresster Fremder mit einem Plastikding an ihm herumfuhrwerkt. UND:
Vor der Implantierung des Chips soll der Tierarzt mit dem Lesegerät testen, ob er auch fun ktioniert. Bei dem ohnehin winzigen Sheltie meiner Schwiegereltern mussten gleich zwei Chips eingesetzt werden, weil der erste nicht funktionierte, man das aber erst nach der Implantierung bemerkte. Zuletzt: Immer mal wieder den Sitz des Chips nachprüfen. Bei unserem Groenendael (der aus dem Bild weiter oben) ist der Chip über den Rücken auf die andere Seite gewandert ...
3.) Was kann ohne Chip passieren: Theoretisch kann ein nicht geschippter Hund, bei dem Versuch der Einreise in die Europäische Union eingezogen und für verfallen erklärt werden. Das heißt konkret: Beschlagnahme und Einschläferung. Ich kenne keinen belegten Fall davon, aber es kann passieren. Schon mehrmals sind Mitteleuropäer in den letzten jahren Opfer der Tollwut geworden, weil sie versucht haben, einen armen Streuner von Nordafrika mit nach Hause zu nehmen. Es muss nur mal wieder so ein Fall durch die Presse geistern, damit eine Dienstanweisung an die Grenzorgane scharfes Durchgreifen nach sich zieht. Ich würde also diesbezüglich kein Risiko eingehen.
4.) Tollwutimpfung: Innerhalb der Europäischen Union ist eine ununterbrochene Kette an Tollwutimpfungen vorgeschrieben; normalerweise geschieht dies jährlich. Es gibt aber jetzt Impfstoffe, die vom Hersteller für zweijährige Impfintervalle freigegeben wurden. In dem Fall muss eine mehrsprachige Bestätigung des Impfstoffherstellers mit dem Pass mitgeführt werden.
Beim Verlassen der EU gilt: Es muss die Effizienz der Tollwutimpfungen mit dem sogenannten Titer der Antikörper nachgewiesen werden. Dazu wird dem Hund Blut abgenommen und dies in ein vorgeschriebenes Labor zur Überprüfung geschickt. Der EU-Titer ist niedriger als jener, den England bis zu diesem Jahr verlangt hat. Dennoch: es gibt Hunde, die trotz normaler Impfungen über Jahre hinweg den Titer nicht erreichen. In diesem Falle bleibt nur: daheimbleiben - entweder der Hund oder gleich alle. Oder nur innerhalb der EU verreisen.
Es gibt Nicht-EU-Länder, die aufgrund von Verträgen diesen in Sachen Haustierreisefreiheit gleichgestellt sind. Diese "gelisteten Drittländer" sind z.B. die Schweiz und Norwegen und Kroatien, nicht aber die Türkei. Für die vorigen Drittländer gilt: Haustierpass (Chip) und gültige Tollwutimpfung reichen, Titerbestimmung ist nciht nötig. ABER: Nicht überall hat sich die Sache von den zweijährigen Impfungen herumgesprochen, die Grenzer schauen nur auf die Daten der Impfungen und kümmern sich wenig um die Erklärungen der Tierbesitzer, vor allem, wenn sie diese nicht verstehen. deshalb: Wir verbleiben nach wie vor bei jährlichen Impfintervallen, das macht das Reisen einfacher.
So, ich denke, das war's. Wenn Du noch Fragen hast, versuche ich gerne, zu helfen.
Marcus