Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen: Reiseberichte zum Informieren und Träumen, fotografisch dokumentiert. In diesem Forum findet ihr Reiseberichte als "Fotostreckenführer" zu interessanten Reisewegen.
Schön, was meine Bilder ausgelöst haben - Danke! - Echt interessant, von all den Erlebnissen zu hören und zu sehen. Ich bin ja selber auch von Ende 1974 bis Mitte 1975 mit dem T2 nach RSA gefahren. Auch mein Gefährt wurde auf jener Reise zweimal am Herzen operiert. Ich kann richtig mitfühlen .
wirklich cool dein Bericht.Ich habe meine letze große Tour im Sahel 2007 gemacht.Die Freiheiten die wir früher hatten, werden wir nie wieder bekommen,da braucht man sich keine Illusionen machen.
Im Folgenden stelle ich ein paar Bilder ein, die ich auf der Strecke Filingué (NIG) - Agadèz (NIG) machte.
Frauen in der Nähe von Filingué tragen in Kalabassen Wasser nach Hause. Auch in dieser Gegend wird wohl heute der Kunststoff viele einheimische Produkte verdrängt haben.
Weiter geht's Richtung Tahoua. Es wird immer trockener und Ziegen nehmen den Platz der Kühe ein.
Noch begegnen wir auch dunkelhäutigen Bewohnern in der Umgebung von Tahoua. Aber sie machen immer mehr heller häutigen Menschen Platz.
Ein Übernachtungsplatz wie wir in lieben: Unter einer Akazie, sonst aufgelockert Vegetation, am Abend das Gurren der Tauben und am Morgen des Gezwitscher der Vögel.
... und beim Eindunkeln kommt manchmal noch der eine oder andere Gast langs des Weges.
Eindrücklich, wie schon Kinder ganz natürlich Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister übernehmen.
Wir nähern uns Agadèz. Nicht nur die Hautfarbe wird immer heller auch die Gesichtszüge ähneln den unsrigen immer mehr.
Am Rande der Wüste ist die Gesellschaft müslimisch geprägt. Auch die jungen Frauen zeigen sich gegenüber Fremden kaum noch mit entblöstem Haupt.
Typisch in der Sahara sind die von den Kolonialherren errichteten Forts (Bild Nähe In Gall). Vielerorts sind sie am Zerfallen.
Mitte Januar (1978) erreichen wir Agadèz mit der markanten, aus Lehm errichteten Moschee. Ihre Anfänge gehen auf das Jahr 1515 zurück.
Das Ortsbild von Agadèz wird geprägt von den blau gewandeten Tuareg und ihren Handelspartnern, den dunkelhäutigen Haussa.
Ca 7 km ausserhalb der Stadt Agadèz liegt der von einem Franzosen geführte Camping-Platz. Er befindet sich am Ufer des grossen Oued, welches aus nordöstlicher Richtung vom Aïr-Gebirge her Richtung Agadèz fliesst.
Das Mädchen auf dem Camping-Platz von Agadèz kann schon ohne Mühe aus lokalen Fasern schöne Matten flechten.
Agadèz ist der Sammelpunkt für die Wüstenfahrer, die entweder die Hoggar-Piste oder die Ténéré-Sandpiste in Angriff nehmen wollen. Wir haben vor, die Ténéré zu durchqueren und dann weiter nach Libyen zu fahren.
Doch bevor es los gehen kann, ist ein auf dem schwarzen Kontinent häufig präsentes Problem zu lösen: Treibstoff tanken für die langen Etappen. Endlich ist in Agadèz das lang ersehnte Gut eingetroffen. Über eine Woche haben wir darauf gewartet!
Endlich können wir die Strecke Agadèz-Fachi-Bilma angehen (28. Jan. 1978). Der erste Teil ist leicht zu befahren. Aber wir sind von den Weiten der Ténéré und vor den Schwierigkeiten, sich zu orientieren gewarnt worden (GPS: damals unbekannt). Wir haben deshalb einen Touareg als Führer an Bord. Für 37'000 CFA wird er uns bis Bilma begleiten.
Wir haben Agadèz verlassen und verbringen die erste Nacht auf unserer ca. 600 km langen Fahrt nach der Oase Bilma. Ein einziger Ort liegt auf der Strecke: Fachi. Wie so oft taucht am Abend unerwarteter Besuch auf. Wie aus dem Nichts ist er plötzlich da ...
Am Morgen geht's weiter auf ebener Kiesfläche Richtung Fachi. Noch ist die Orientierung einfach - kleine Erhebungen und Berge machen's möglich.
Ganz allmählich wird's sandig
Der "Arbre du Ténéré" existiert bei unserer Durchfahrt (29. Jan. 1978) schon nicht mehr. Der Baum wurde fünf Jahre zuvor von einem Lastwagenfahrer absichtlich umgefahren. Ein Kunstgebilde aus Metall soll an ihn erinnern bis ...... eine der kleinen Akazien, die in der Ummauerung von jemandem angepflanzt wurden, seine Nachfolge antreten kann. Auf einem Schild wird jeder Durchreisende gebeten, die jungen Bäumchen mit etwas Wasser zu versorgen. Wir befolgen diese Aufforderung. Ich bezweifle allerdings, dass eines der Bäumchen bis heute überlebt hat. Weiss jemand mehr darüber ?
Kurz nach dem "Arbre du Ténéré" treffen wir auf dieses Schild. Wir halten uns also rechts
Ungefähr 70 km nach dem "Arbre du Ténéré" stossen wir auf ein kleines Depot von Säcken gefüllt mit vertrockneten Datteln und Salzstöcken. Unser Führer erzählt uns folgende Geschichte: "Im September 1977 macht sich ein Lastwagen beladen mit Datteln auf den Weg von der Oase Fachi nach Agadèz. Aber nicht nur Datteln hat er geladen. Unter den Datteln verborgen liegen Salzstöcke. Das ist eine illegale Fracht, denn es gibt ein Gesetz im Niger, das den Transport von Salz per Lastwagen verbietet. Mit diesem Gesetz will man das Einkommen für die nomadisierenden Touareg sichern. Der Karawanenhandel der Touareg soll unterstützt werden. Doch es gibt eben auch schwarze Schafe, die dieses Gesetz zu umgehen suchen. Niemand soll vom erwähnten illegalen Transport erfahren. Deshalb meldet sich die Lastwagen-Crew bei der Gendarmerie in Fachi nicht, wie eigentlich vorgeschrieben, für die Fahrt nach Agadèz ab. Ca. 70 km vor dem "Arbre du Ténéré" bleibt er wegen einer Panne liegen. Wie sich später herausstellte, versucht die Mannschaft eine Reparatur - erfolglos. Zwei Wochen bleiben sie beim Fahrzeug und hoffen, dass jemand vorbei kommt - vergebens. Die Behörden in Agdèz wissen nichts von dieser Fahrt und können daher auch nicht Alarm schlagen, was sie sonst tun würden, wenn ein gemeldetes Fahrzeug nicht eintrifft. Es ist die Hölle auf Erden für die sechs Männer in dieser schattenlosen Gegend (Bemerkung: mittlere Maxima in Fachi im September: 42 °C). Das Wasser, das sie mitführen, geht zur Neige. Sie entscheiden, sich zu Fuss auf den Weg Richtung "Arbre du Ténéré" zu machen, denn dort gibt es einen Brunnen. -- Wochen später entdeckt man die Leichen der sechs Männer. Alle liegen auf einer Linie zwischen dem Pannenfahrzeug und dem "Arbre du Ténéré". Sie haben alle die richtige Richtung eingeschlagen, aber einem nach dem andern geht die Kraft aus. So wird das Häufchen immer kleiner. Der stärkste unter ihnen schafft es bis 10 km vor den Brunnen, dann bricht auch er zusammen." Uns ist nicht mehr wohl in dieser Umgebung. Aber wir müssen hier in der Nähe unser Nachtlager aufschlagen. Die Stimmung ist gedrückt.
Als am andern Morgen die beiden Motoren ohne jegliches Zögern anspringen, sind wir erleichtert und langsam sind wir wieder im Stande, die Schönheit der Ténéré zu geniessen.
Souverän lotst uns unser Führer durch die "Gassi", ohne zu sprechen, nur mit der rechten Hand, die er nicht erhebt, sondern auf seiner Schoss ruhen lässt, nach links oder rechts deutend, wenn wir eine Richtungsänderung vornehmen sollen.
Nur selten sanden wir ein, doch es kommt natürlich auch vor. In solchen Situationen hält sich unser Führer vornehm zurück. Verständlich, sind wir in seinen Augen wohl noch halbe Buben.
Zwei Mal kreuzen wir auf unserem Weg zwischen Agadèz und Fachi eine Salzkarawane.
Als wir die Oase an der Falaise de Fachi erreichen, verlässt gerade eine dritte Karawane den urtümlichen Ort.
Die Oase beindruckt uns durch ihrer Abgeschiedenheit und dem fast archaischen Leben, das die Eingeborenen hier führen.
Die Kamela warten vor den schon in Strohmatten verpackten Salzkegeln. Bald müssen sie diese auf ihrem Rücken Richtung Agadèz tragen.
Natürlich sind wir für eine Zeitlang Mittelpunkt auf dem Rastplatz vor dem aus Lehmbauten bestehenden Dorf.
Die Salzkegel werden für den Transport mit dem Kamel in handgeflochtene Strohmatten verpackt.
Was nicht alles mit muss auf die Reise: Säcke, Gerbas, Strohseile, Strohmatten, Kamelfutter, Krüge für Nahrungsmittel der Mannschaft, Holzstangen etc
Wir besichtigen die Orte in der Oase, wo das Salz hergestellt und gelagert wird.
Eine Kanuri bei ihrer Arbeit in der Salzgewinnungsstätte.
Vor unserer Abfahrt nach Bilma müssen wir uns noch mit "frischem" Trinkwasser aus dem einzigen Brunnen von Fachi versorgen. Das gekochte Wasser haben wir später auch getrunken - und wir blieben gesund ...
Die Sommerpause ist vorüber und die Reise geht weiter. Zur Erinnerung: der letzte Beitrag endete mitten in der Ténéré, in der Oase Fachi.
Zwischen den Oasen Fachi und Bilma gilt es es ein wahres Meer von Sand zu durchqueren. Hier sind wir wirklich froh einen ortskundigen Führer bei uns zu haben. Souverän dirigiert er uns durch die Dünen.
Nichts als Sand - ? Nein; wenn man genau hinschaut; gibt es auch hier Leben.
Ab und zu müssen wir eine Düne überqueren. Meistens ging's gut, aber nicht immer. Dann müssen wir einander helfen.
Und dann am Abend die schönsten Momente: Camp in der unendlich weiten Dünenlandschaft.
Nach einigen hundert Kilometern gelbem Sand erscheint uns das Grün der Oase Bilma fast unwirklich.
Auch hier gehört die sesshafte Bevölkerung dem dunkelhäutigen Stamm der Kanuri an.
Wie in Fachi lebt die sesshafte Bevölkerung, die Kanuri, in Bilma vornehmlich von der Salzproduktion.
Wir geniessen einige Tage die Landschaft und die Oasen zwischen Bilma und Seguedine. Entlang der Falaise ist sehr grün und wir stossen immer wieder auf kleine Gemüsegärten.
Das Wasser, das an einigen Stellen bis an die Oberfläche vordringt, dient zur Bewässerung der kleinen Gärten.
Von Dirkou fahren wir zuerst nordwärts. Wir wollen unbedingt das zerfallene Djado sehen.
Die Landsschaft ist sehr abwechslungsreich: Sandige Ebenen, mit Büschen bewachsene Wadis, Inselberge, scharfkantige Felshänge. Hier schlagen wir unser Nachtlager auf.
Bilma liegt hinter uns. Es geht Richtung Libyen! - Aber davor machen wir noch einen Abstecher zur historischen Festung Djado.
Wir passieren die Balise 13 (Februar 1978) der 1960 stattgefundenen Berliet-Mission. Steht das Schild wohl noch ?
Dieses Bild beweist (kopiert aus "www.fondationberliet.org/"); dass das Schild in oben gezeigter Aufnahme noch am ursprünglichen Ort steht.
Wir nähern uns dem Plateau von Djado, im Hintergrund als dunkler Gebirgszug zu erkennen.
Dann erreichen wir die verlassene, befestigte Stadt am Rande des gleichnamigen Plateaus.
Die uralten Ruinen laden zum Entdecken ein. Sie solllen zum legendären vorkolonialen Königreich Kanem-Bornu gehört haben.
Auf einer Seite der Stadtburg liegt ein kleiner See, der die Brutstätte für Tausende von blutsaugenden Plagegeister ist. Im Hintergrund der Rand des Djado-Plateaus.
Für das Festhalten der einmaligen Szenerie wird keine Mühe gescheut ...
Als der Abend langsam hereinbricht, werden die Farben weich und sanft
Eigentlich sollten die Bilder schon lange nicht mehr unter der Rubrik "Sahel und südliche Anrainern" gepostet werden. Aber ich glaube es macht wenig Sinn, jetzt für die restlichen paar Aufnahmen noch ein neues Thema zu eröffnen.
Am nächsten Tag holt uns die Realität wieder ein: in Dirkou müssen wir dem Treibstoff hinterher rennen. Es war gar nicht so einfach, welchen zu bekommen. Der libysche Händler wusste ganz genau, dass wir bei den Preisverhandlungen klar am kürzeren Hebel waren.
Kanuri-Frauen warten auf eine Gelegenheit, um mit einem Laster nach Bilma zu gelangen.
Langweilig wird uns auf dem Weg Richtung Madama nie: unerwartete Felsformationen mitten in der steinigen Ebene.
Dieser Touri hat es offenbar nicht ganz geschafft. Was von dem Fahrzeug noch irgend wie zu gebrauchen war, ist schon demontiert und abtransportiert worden.
Ab und zu kreuzen wir einen libyschen Lastwagen, meistens der Marke Fiat. Diese Waren- und Personentransporter pendeln zwischen dem Fezzan und Agadèz.
Fotostopp kurz vor Madama. In Madama befindet sich der letzte nigrische Kontrollposten vor Libyen.
In Madama besteht auch die letzte Möglichkeit, auf nigrischem Gebiet den Wasservorrat aufzufüllen.
Zwischen Madama und der libyschen Grenze müssen wir einen sandigen, aber mit Felsbrocken durchsetzten Abhang hinauffahren.
Ein LandRover bleibt mitten im Hang stecken. Ein erster Anfahrversuch: geht nicht. Ein zweiter Anfahrversuch, diesmal ein wenig forscher: ein metallischer, heller Knall ertönt. Wir wissen sofort, was es geschlagen hat: die Hinterachse ist entzwei !
Die folgenden paar Stunden verbringen wir mit "Schrauben". Wir hatten Glück im Unglück: das kurze, abgedrehte Achsenstück, das noch im Differential steckt, schaut noch einen halben Zentimeter heraus, so dass wir es schliesslich mit einer Zange herausziehen können. Wäre es anders gewesen, dann wäre eine Reparatur vor Ort ungemein schwieriger, wenn nicht unmöglich gewesen. So können wir die Ersatzachse, die wir glücklicherweise bei uns hatten, mühelos einbauen.
Mit halbwegs sauberen Kleidern und Händen posieren wir nach getaner Arbeit für den Fotografen (Stativ). Das "Corpus delicti" in der Mitte.
hallo hans,
herrliche bilder wieder, ...
und diese schlaghosen, selbst auch getragen, aber nicht in der sahara, da waren BWW-hosen angesagt.
aber der bericht stimmt auch traurig, was heute alles nicht mehr geht, trotz allseits besserer ausrüstung
vielen dank und viele grüße
uwe
Danke für die netten Rückmeldungen! Ja, es ist leider richtig, dass das Reisen in dieser Region, so wie es für uns möglich war, in der Zukunft, will sagen, zu unseren Lebzeiten, nicht mehr realisierbar sein wird. Trotzdem, wir dürfen zufrieden sein, mehr noch, uns glücklich schätzen, dass wir dieses Privileg hatten.