Ich bin schon unterwegs, als der Morgen anbricht. Nur noch zwei Tage bis zum Vollmond. Der Mond geht auf, wenn ich in den Schlafsack krieche und geht unter, wenn der Tag anbricht. Die Nacht wird zum Tag und die notwendige Nachtruhe kehrt nicht wirklich ein. Die Angina hat sich auch verschlechtert. Also warum nicht die morgendliche Frische nutzen und ein paar Kilometer marschieren.



Der Wind bläst wieder aus dem Norden. Die Temperaturen steigen bald wieder rapide an.
Ich spüre, wie das Fieber wieder ansteigt. Bald erreicht die Hitze ihren Höchststand und ich verspüre den Drang, eine Wasserflasche auf einen Zug auszutrinken. Aber das Schlucken schmerzt, sodass ich diese warme Flüssigkeit nur schluckweise trinken kann. Irgendwann wird das Wasser so warm, dass ich nur noch einen Teebeutel benötigt hätte, um mir ohne Kocher einen Tee zuzubereiten.

Gegen 10:30 Uhr lege ich wieder meine obligatorische Pause ein. Diese Pause wird bis zum Abend dauern. Eine Militärpatrouille mit Gewehren auf dem Dach rast hupend an mir in gebührender Entfernung vorbei. Einer der Fahrer streckt den Daumen in der Waagrechtenten aus dem Fenster. Als ich meinen Daumen in die Höhe strecke weiß er, dass alles ok ist.
Gegen Mittag erreichen die Temperaturen wieder ihre Höchststände von 62 Grad. Immer wieder richte ich die Karre neu aus, um möglichst viel Schatten zu haben. Während ich so im Sand liege, mache ich mir darüber Gedanken, wie es weiter gehen soll.
Es gab einige unumstößliche Fakten. Ich hatte Angina und Fieber und überflüssigerweise gesellte sich auch noch eine Erkältung dazu und ich fing an, den Schleim aus den Lungen zu Husten. Ich bekam während der größten Hitze Schwindelanfälle und ich spürte deutlich, wie die Kräfte nachließen. Bei dem derzeitigen Wasserverbrauch war es unmöglich, das nächste Wasserdepot zu erreichen. Selbst wenn ich eine Abkürzung nehmen würde, wäre das Wasser zu Ende, bevor ich am Depot ankommen würde.
In Situationen wie diese muß man die Fakten sorgfältig abwägen. Falscher Stolz und Fehleinschätzung der Lage, der Resourcen und der eigenen Leistungsfähigkeit sind fehl am Platz. Auch wenn man noch so viel Zeit und Energie in die Vorbereitung gesteckt hat wird man nicht umhinkommen und die schmerzvolle aber notwendige Entscheidung zu treffen: Abbruch!
Es gab keinen Grund zur Sorge oder gar Panik. Selbst in einer kritischeren Situation sollte man einen kühlen Kopf bewahren. Ich hatte noch Wasser für mindestens vier Tage. Man könnte mich locker in zwei Tagen abholen. Im äußersten Notfall sogar schneller.
Ich greife zu meinem Satellitentelefon und wähle die Nummer von Shambu, meinem Kontaktmann für alle Fälle. Das Telefon gibt das Signal und ich warte...
Shambu meldet sich auf der anderen Seite. Hallo Shambu, ich bins, Alex. Hallo, hallo... Er legt wieder auf...
Ich versuche es nochmal. Gleiches Ergebnis. Hallo, hallo... und er legt wieder auf.
Ich überlege scharf. Ich komme bei Shambu nicht an. Ich brauche aber eine Möglichkeit, um mit ihm zu kommunizieren, um ihm meine Lage zu schildern. Ich schreibe Shambu eine SMS und schildere ihm die Lage und die Vermutung, dass er mich nicht hören kann. Ich schreibe ihm auch, dass ich ihn nochmals anrufen werde und er, auch wenn er mich nicht verstehen kann mir bestätigen soll, dass er meine SMS erhalten und verstanden hat. Ich sende die SMS ab...
Ca. 15 Minuten später rufe ich Shambu wieder an. Hallo, hallo... Alex? I reveived your message! Bingo! Es hat geklappt. Ich schicke noch einige SMS und lasse mir den Erhalt durch einen Anruf bestätigen.
Während ich in meiner Tasche krame, fällt mir das Headset meines Satellitentelefons in die Hände. Hmmmm.... Was wäre, wenn nur die Sprecheinheit des SatPhones defekt wäre. Dann müßte es theoretisch mit dem Headset funktionieren. Ich stecke den Stecker meines Headsets in das Satellitentelefon und drücke auf die Wahlwiederholung. Ungeduldig warte ich, bis Shambu das Gespräch annimmt.
Hello Shambu, it's me. Hello Alex... Wir hatten wieder Zweiwegekommunikation
Schnell wurden die notwendigen Informationen ausgetauscht. Die Abholung erforderte keine Eile, da ich noch genügend Wasser hatte. In zwei Tagen würde Shambu Issam aus Muscat vorbeischicken.

Was hat hier eine gläserne Coca Cola Flasche zu suchen?


Ein Satellitentelefon ist nur so gut wie die Person, die ich am anderen Ende erreichen kann. Es nützt nichts, zuhause einen guten Onkel oder einen netten Bekannten sitzen zu haben, der im Notfall erreichbar ist. Ich mußte schon häufig feststellen, dass ein Satellitentelefon eine falsche Sicherheit vermittelt. Was nützt mir ein Telefon, mit dem ich so lange telefonieren kann, bis die Akkus leer sind, ich aber keine kompetente und vor allem schnelle Hilfe bekommen kann. Mit diesen Gedanken beschließe ich den Tag






















































