Libyen / Touareg
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Kuno
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Libyen / Touareg
Schon wieder eine Frage meinerseits:
Kann mir vielleicht jemand darstellen, welches - vor allem in LY- die Siedlungsgebiete der Touareg sind bzw. waren.
Soviel ich weiss konzentriert sich alles etwa auf das Gebiet Akakus/Ghat. Und auch dort sind wohl viele erst zugewandert, als sie Anfang des 20.Jh. den Franzosen ausweichen mussten.
Im Osten kommt ja dann schnell ein Mal das Tibbu-Gebiet, so ab der "Linie" Murzuk-Gatroun. Wie weit geht/ging es denn nach Norden? Bis und mit Wadi Adjal oder eventuell auch über die Oubari-Sandsee hinaus?
Kann mir vielleicht jemand darstellen, welches - vor allem in LY- die Siedlungsgebiete der Touareg sind bzw. waren.
Soviel ich weiss konzentriert sich alles etwa auf das Gebiet Akakus/Ghat. Und auch dort sind wohl viele erst zugewandert, als sie Anfang des 20.Jh. den Franzosen ausweichen mussten.
Im Osten kommt ja dann schnell ein Mal das Tibbu-Gebiet, so ab der "Linie" Murzuk-Gatroun. Wie weit geht/ging es denn nach Norden? Bis und mit Wadi Adjal oder eventuell auch über die Oubari-Sandsee hinaus?
Libyen/ Touareg
Kleiner Lesetipp:
INES KOHL :Tuareg in Libyen---Identitäten zwischen Grenzen
Dietrich Reimer Verlag Berlin 2007
ISBN:978-3-496-02799-7
Gruß vom Wilhelm
INES KOHL :Tuareg in Libyen---Identitäten zwischen Grenzen
Dietrich Reimer Verlag Berlin 2007
ISBN:978-3-496-02799-7
Gruß vom Wilhelm
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Gerhard Göttler
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Re: Libyen / Touareg
Hi Kuno!
Die Tuareg in Libyen konzentrieren sich tatsächlich auf den Südwesten des Landes. Die gesamten Bergregionen des Ajjer und des Akakus werden von ihnen jedoch schon seit vielen Jahrhunderten besiedelt. Schon im 10. Jh. werden die Stammesnamen der Kel Ajjer ungefähr dort genannt, wo sie auch heute noch leben. Nach Norden zu (bis Ghadames) leben auch Kel Iforas (Mano Dayak z.B. ist ein Iforas; die meisten von ihnen leben jedoch im malischen Adrar, eben dem Iforas-Adrar). Eines ihrer Zentren ist der kleine Ort Tuneen (etwas nw von Ghadames). Über ihre eigentlichen Lebensräume hinaus wurden Karawanen durchgeführt; von den Kel Ajjer wurden dabei auch immer Ochsen als Lasttiere verwendet. Auf der Piste "Aurettene Tandjellul" (siehe Militärkarte/IGN Blatt Fort Charlet) ging es dabei am Südrand des Ubari-Ergs nach Osten bis zu den Mandara-Seen, wo sie von den Daouadas den berühmten dud (die Salinenkrebschen) und Natron ouksem erhandelten.
Ich habe vor etlichen Jahren mal versucht, die Aurettene Tandjellul ausfindig zu machen. Der Zufall brachte es mit sich, dass in den dortigen Regionen (vor allem im Westen) viel Regen gefallen war. So zog sich der Karawanenweg wie ein grünes Band durch die Dünen! Im Dung der Tiere, die hier vor Jahrzehnten unterwegs waren, fanden sich Samen, die jetzt aus dem Sand sprossen. Innerhalb der Dünen (überraschenderweise verläuft der Weg durch die Dünen nicht, wie auf der Karte vermerkt, an deren Südrand und außerhalb) war der Weg sehr gut zu verfolgen. In den dünenfreien Senken, dayas, wurde es schwieriger: Hier fehlten die Pflanzen. Also galt es zu suchen. Da die Hauptrichtung Osten war, suchten wir natürlich zunächst die Ostseiten ab und dort, wo Düneneinschnitte ein günstiges Vorwärtskommen erwarten ließen. Tatsächlich waren diese "Einstiege" immer recht gut zu finden; dort wurde offensichtlich vor einer neuen anstrengenden Dünenquerung gelagert, d.h. der Dungeintrag war wesentlich höher und damit auch der grüne Bewuchs! Leider hatte es nur ungefähr bis 11°E geregnet und so verloren sich alle Spuren weiter im Osten in den dort teilweise wunderschönen, roten und sehr hohen murzuk-erg-ähnlichen Dünen.
Dass auch die beiden Messak-Tafeln (Msak) altes Tuareg-Gebiet sind, zeigen schon die Tamaschek-Namen: Settafet = schwarz, mellet = weiß. Wenn Du dort mal gereist bist, erschließen sich die Namen ohne weiteres. Murzuk war dann eher ein für sie wichtiger Marktplatz, aber außerhalb ihres Siedlungsgebietes gelegen (viele Tuareg-Gruppen sind Euch Schweizern ähnlich: Sie sind Bergler!). Wenn Du von Germa aus eine nach W gebogene Linie hoch nach Ghadames ziehst, dürftest Du damit ziemlich genau die östliche Grenze des Tuareggebietes erfassen. Am "Grabmal der Prinzessin Lucilla" finden sich die vermutlich östlichsten Tifinar-Inschriften - und dies gepaart mit römischen Ziffern!
Der Gerhard
Die Tuareg in Libyen konzentrieren sich tatsächlich auf den Südwesten des Landes. Die gesamten Bergregionen des Ajjer und des Akakus werden von ihnen jedoch schon seit vielen Jahrhunderten besiedelt. Schon im 10. Jh. werden die Stammesnamen der Kel Ajjer ungefähr dort genannt, wo sie auch heute noch leben. Nach Norden zu (bis Ghadames) leben auch Kel Iforas (Mano Dayak z.B. ist ein Iforas; die meisten von ihnen leben jedoch im malischen Adrar, eben dem Iforas-Adrar). Eines ihrer Zentren ist der kleine Ort Tuneen (etwas nw von Ghadames). Über ihre eigentlichen Lebensräume hinaus wurden Karawanen durchgeführt; von den Kel Ajjer wurden dabei auch immer Ochsen als Lasttiere verwendet. Auf der Piste "Aurettene Tandjellul" (siehe Militärkarte/IGN Blatt Fort Charlet) ging es dabei am Südrand des Ubari-Ergs nach Osten bis zu den Mandara-Seen, wo sie von den Daouadas den berühmten dud (die Salinenkrebschen) und Natron ouksem erhandelten.
Ich habe vor etlichen Jahren mal versucht, die Aurettene Tandjellul ausfindig zu machen. Der Zufall brachte es mit sich, dass in den dortigen Regionen (vor allem im Westen) viel Regen gefallen war. So zog sich der Karawanenweg wie ein grünes Band durch die Dünen! Im Dung der Tiere, die hier vor Jahrzehnten unterwegs waren, fanden sich Samen, die jetzt aus dem Sand sprossen. Innerhalb der Dünen (überraschenderweise verläuft der Weg durch die Dünen nicht, wie auf der Karte vermerkt, an deren Südrand und außerhalb) war der Weg sehr gut zu verfolgen. In den dünenfreien Senken, dayas, wurde es schwieriger: Hier fehlten die Pflanzen. Also galt es zu suchen. Da die Hauptrichtung Osten war, suchten wir natürlich zunächst die Ostseiten ab und dort, wo Düneneinschnitte ein günstiges Vorwärtskommen erwarten ließen. Tatsächlich waren diese "Einstiege" immer recht gut zu finden; dort wurde offensichtlich vor einer neuen anstrengenden Dünenquerung gelagert, d.h. der Dungeintrag war wesentlich höher und damit auch der grüne Bewuchs! Leider hatte es nur ungefähr bis 11°E geregnet und so verloren sich alle Spuren weiter im Osten in den dort teilweise wunderschönen, roten und sehr hohen murzuk-erg-ähnlichen Dünen.
Dass auch die beiden Messak-Tafeln (Msak) altes Tuareg-Gebiet sind, zeigen schon die Tamaschek-Namen: Settafet = schwarz, mellet = weiß. Wenn Du dort mal gereist bist, erschließen sich die Namen ohne weiteres. Murzuk war dann eher ein für sie wichtiger Marktplatz, aber außerhalb ihres Siedlungsgebietes gelegen (viele Tuareg-Gruppen sind Euch Schweizern ähnlich: Sie sind Bergler!). Wenn Du von Germa aus eine nach W gebogene Linie hoch nach Ghadames ziehst, dürftest Du damit ziemlich genau die östliche Grenze des Tuareggebietes erfassen. Am "Grabmal der Prinzessin Lucilla" finden sich die vermutlich östlichsten Tifinar-Inschriften - und dies gepaart mit römischen Ziffern!
Der Gerhard
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Kuno
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Re: Libyen / Touareg
Sehr ausführlich. Dankeschön, Gerhard. Wie weit östlich ist denn die Lucilla beerdigt worden?
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Kuno
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Re: Libyen / Touareg
Nicht weiter nach den Koordis suchen, Gerhard. Habe eben in einem Büchlein eines gewissen Göttler nachgeschaut: Ist bei Germa, die Lucilla.
Die Gravuren, die ich hier in einem anderen Thread eingestellt habe wären dann mit ihren Touareg Schriftzeichen (sind es überhaupt solche) noch etwas weiter östlich
Die Gravuren, die ich hier in einem anderen Thread eingestellt habe wären dann mit ihren Touareg Schriftzeichen (sind es überhaupt solche) noch etwas weiter östlich
Tuareg und ihre Vorfahren in Libyen
hallo Kuno - so vom Fauteuil aus glaube ich zwar auch, dass die Kritzeleien jüngeren Datums sind.
Ausser der Giraffe. Aber wer weiss...
Die Vorfahren der Tuareg waren die Garamanten, ihr Reich ging fast bis ans Mittelmeer.
Die Leute in Siwa sprechen zum Teil heute noch Tamazight, eine Berbersprache
Ihre Schrift, das Tifinagh hat sich aus der libyschen Schrift entwickelt, welche aus dem phönizischen Alphabeth
entstanden sein soll. Und die Phönizier sind ja ganz schön im Mittelmeer rumgekommen
Wie ähnlich die Schriftzeichen zwischen dem Indus und dem Hoggar sind/waren
Grüsse
Ursula
Ausser der Giraffe. Aber wer weiss...
Die Vorfahren der Tuareg waren die Garamanten, ihr Reich ging fast bis ans Mittelmeer.
Die Leute in Siwa sprechen zum Teil heute noch Tamazight, eine Berbersprache
Ihre Schrift, das Tifinagh hat sich aus der libyschen Schrift entwickelt, welche aus dem phönizischen Alphabeth
entstanden sein soll. Und die Phönizier sind ja ganz schön im Mittelmeer rumgekommen
Wie ähnlich die Schriftzeichen zwischen dem Indus und dem Hoggar sind/waren
Grüsse
Ursula
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Kuno
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Re: Libyen / Touareg
Bin jetzt etwas erstaunt über deine obige Karte, Ursula. Da liest man ganz oben "Ostrom" und dann unten offensichtlich ein riesiges Garamantenreich bis an den Atlantik - die Garamanten hatten sich doch aber nie so weit ausgedehnt bzw. waren zZt. Ostroms nicht mehr aktiv am Weltgeschehen beteiligt; oder doch?
Libyen Garamanten
hu Kuno, die Karte ist aus http://en.wikipedia.org/wiki/Garamantes
vielleicht wussten die einfach nicht, wer zu dieser Zeit da links noch lebte?
Gähn - guetnachtwou
Ursula
vielleicht wussten die einfach nicht, wer zu dieser Zeit da links noch lebte?
Gähn - guetnachtwou
Ursula
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Gerhard Göttler
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Re: Libyen / Touareg
Hallo Ursula!
Ob nun die Garamanten die Vorfahren der heutigen Tuareg waren, ist noch immer nicht unumstritten. Und Kuno, ähnliche Schriftzeichenvergleiche werden z.B. auch mit den früheren Bewohnern der Kanarischen Inseln angestellt; die Alt-Kanarier-Forschung ist geradezu berühmt-(m.E.)berüchtigt für solche. Und Berber in Siwa, klar, wie in allen "rückwärtigen" Regionen Nordafrikas, wohin die ursprünglichen Bewohner des Mittelmeersüdrandes, eben die Berber, von den von Osten her eindringenden Arabern verdrängt wurden. Im Namen Tamazight steckt ja wieder diese Wortwurzel MZG, daraus vermutlich auch das heutige Wort für Tuareg = Imascheren und das bedeutet halt nichts anderes als "Freie", im Sinne von "Recht zum Plündern", zur "Macht über andere", hat also durchaus einen aggressiven Beiklang. Um diesen Beiklang zu vermeiden, verwenden viele Tuareg auch das Wort Ilellan, was dann für "Vornehme" stünde. Besonders häufig ist mir diese Wortwahl gerade bei den genannten Iforas begegnet. Und so sehen sich diese auch als die Adligen unter den Adligen und werden auch so von anderen Tuareg-Gruppen mindestens betrachtet, wenn nicht sogar akzeptiert. Mano Dayak ist so gesehen geradezu eine Führer-Persönlichkeit per Abstammung, per natura, und eben kein Emporkömmling. Wo war ich stehengeblieben ... ?
Von den Arabern verdrängt - ja, und diese Rivalität, eher Gegnerschaft wirkt bis heute, das darf man nicht übersehen. Dass die Terroristen (egal welcher Schattierung) sich gerade im berberischen Milieu so gut "verbergen" können hat - so jedenfalls meine Sicht der Dinge -weniger damit zu tun, dass die Berber selber sich diesen zugehörig fühlen als damit, dass diese sie nie an die arabischen Behörden verraten würden. Bei den Entführungen 2003 zeigte sich dies besonders deutlich; die Tuareg vor Ort wussten doch längst, wo die Geiseln festgehalten wurden, hätten sich aber wahrscheinlich lieber die Zunge gebrochen, als dies an die suchenden Militärs zu verraten. Was im Norden der Gegensatz Araber-Berber bewirkt, ist im Süden der zwischen Weißen und Schwarzen. Nicht umsonst galten die Hetzjagden z.B. in Gao nicht nur den Tuareg sondern auch den "weißen Mauren". Ethnische Gegensätze, Feinschaften, Rivalitäten, Auseinandersetzungen ... prägen das Leben in der Sahara mehr, als es uns Außenstehenden erkenntlich ist. Wo war ich stehengeblieben ... ?
Der Gerhard
Ob nun die Garamanten die Vorfahren der heutigen Tuareg waren, ist noch immer nicht unumstritten. Und Kuno, ähnliche Schriftzeichenvergleiche werden z.B. auch mit den früheren Bewohnern der Kanarischen Inseln angestellt; die Alt-Kanarier-Forschung ist geradezu berühmt-(m.E.)berüchtigt für solche. Und Berber in Siwa, klar, wie in allen "rückwärtigen" Regionen Nordafrikas, wohin die ursprünglichen Bewohner des Mittelmeersüdrandes, eben die Berber, von den von Osten her eindringenden Arabern verdrängt wurden. Im Namen Tamazight steckt ja wieder diese Wortwurzel MZG, daraus vermutlich auch das heutige Wort für Tuareg = Imascheren und das bedeutet halt nichts anderes als "Freie", im Sinne von "Recht zum Plündern", zur "Macht über andere", hat also durchaus einen aggressiven Beiklang. Um diesen Beiklang zu vermeiden, verwenden viele Tuareg auch das Wort Ilellan, was dann für "Vornehme" stünde. Besonders häufig ist mir diese Wortwahl gerade bei den genannten Iforas begegnet. Und so sehen sich diese auch als die Adligen unter den Adligen und werden auch so von anderen Tuareg-Gruppen mindestens betrachtet, wenn nicht sogar akzeptiert. Mano Dayak ist so gesehen geradezu eine Führer-Persönlichkeit per Abstammung, per natura, und eben kein Emporkömmling. Wo war ich stehengeblieben ... ?
Von den Arabern verdrängt - ja, und diese Rivalität, eher Gegnerschaft wirkt bis heute, das darf man nicht übersehen. Dass die Terroristen (egal welcher Schattierung) sich gerade im berberischen Milieu so gut "verbergen" können hat - so jedenfalls meine Sicht der Dinge -weniger damit zu tun, dass die Berber selber sich diesen zugehörig fühlen als damit, dass diese sie nie an die arabischen Behörden verraten würden. Bei den Entführungen 2003 zeigte sich dies besonders deutlich; die Tuareg vor Ort wussten doch längst, wo die Geiseln festgehalten wurden, hätten sich aber wahrscheinlich lieber die Zunge gebrochen, als dies an die suchenden Militärs zu verraten. Was im Norden der Gegensatz Araber-Berber bewirkt, ist im Süden der zwischen Weißen und Schwarzen. Nicht umsonst galten die Hetzjagden z.B. in Gao nicht nur den Tuareg sondern auch den "weißen Mauren". Ethnische Gegensätze, Feinschaften, Rivalitäten, Auseinandersetzungen ... prägen das Leben in der Sahara mehr, als es uns Außenstehenden erkenntlich ist. Wo war ich stehengeblieben ... ?
Der Gerhard
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Kuno
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Re: Libyen / Touareg
....jetzt habe ich eigentlich nur noch gewartet, bis du anfängst von den "edlen blauen Rittern der unendlichen Wüste und ihrer gehinisvollen Philosphie" zu schreiben 
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Roger-Tecumseh
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Re: Libyen / Touareg
Gerhard Göttler hat geschrieben: Ob nun die Garamanten die Vorfahren der heutigen Tuareg waren, ist noch immer nicht unumstritten. Gerhard
Und wird es wohl auch bleiben! Ich glaube z.B. nicht an diese Abstammungslinie, da historisch außer Vermutungen wenig dafür spricht. Aus dem ähnlichen Siedlungsraum beider Populationen, auf eine direkte Verwandtschaft zu schließen, erscheint mir fragwürdig. Zu unterschiedlich waren die Zivilisationen, ihre Aktionradien, wenn wir deren Überreste betrachten.
Vielleicht gibt es zwischen dem Gestern und dem Heute hier einen ähnlichen (unüberbrückbare) Graben, wie z.B. in Simbabwe (ich spreche hier von der namensgebenden Stätte!).
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Kuno
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Re: Libyen / Touareg
Ich gehe da mit Roger-Tecumseh einig. Ohne jetzt die Abstammungstheorie zu kennen, die sich die Touareg selber zrechtgelegt haben und selbst WENN in ihrem Blut noch ein paar Tröpfchen von den Garamanten fliessen würden ist es wahrscheinlich eher der Wunschtram der "Touaregliebhaber" in Europa, von einem geheimnisvollen Volk die Linie zum nächsten zu ziehen als dass es da eine echte Relation gäbe.
Es käme ja auch niemand auf die Idee, ernsthaft die Theorie zu vertreten, die heutigen Italiener hätten auch nur Ansatzweise etwas mit dem damaligen Römischen Reich zu tun - die meisten Reiche / Kulturen / Zivilisationen gründen nämlch nicht auf "reinem Blut" sondern entstehen viel öfter aus einer Art Zweckgemeinschaft oder aus dem Machtanspruch einer relativ kleinen Gruppe bzw. sogar Einzelpersonen. Die Lehre von der Abstammung bzw. die Rechtfertigung für solche Machtansprüche wird dann aber gerne über das "Blut" hergeleitet...
Es käme ja auch niemand auf die Idee, ernsthaft die Theorie zu vertreten, die heutigen Italiener hätten auch nur Ansatzweise etwas mit dem damaligen Römischen Reich zu tun - die meisten Reiche / Kulturen / Zivilisationen gründen nämlch nicht auf "reinem Blut" sondern entstehen viel öfter aus einer Art Zweckgemeinschaft oder aus dem Machtanspruch einer relativ kleinen Gruppe bzw. sogar Einzelpersonen. Die Lehre von der Abstammung bzw. die Rechtfertigung für solche Machtansprüche wird dann aber gerne über das "Blut" hergeleitet...
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Gerhard Göttler
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Re: Libyen / Touareg
Hallo Kuno!
Wenn man sich mit diesen Leuten mal näher beschäftigt hat, bekommt man schon so viel Hochachtung, dass man geneigt ist, von "edlen Rittern" zu sprechen. Was nicht gleich bedeutet, dass sie nicht auch sehr viel martialisches, rassistisches, eben unangenehmes an sich haben können. So kam ich zu meinem Interesse an den Tuareg (ich fasse mich so kurz es geht): Abendessen im Hotel Tahat in Tam; eine Gruppe feiert ihren letzten Tag nach erfolgreicher Tour zusammen mit ihrem Führer; fast alle trinken Wein, nur der Führer enthält sich; Stimmung steigt, Lautpegel ebenso, dummes Zeug wird geschwatzt; der Führer wird immer ruhiger, betrachtet seine Ex-Schützlinge mit Verwunderung - und verabschiedet sich ganz freundlich und höflich! Ich war fasziniert - und hab danach nie einen Tuareg getroffen, der alkoholische Getränke zu sich nahm, von einem einzigen mal abgesehen, und später natürlich von solchen, die nach Europa ausgewandert waren. Aber wenn ich jetzt so weitermache (Wo war ich stehengeblieben?), komme ich tatsächlich fast ins Schwärmen!
Ja, Roger,
hinsichtlich dieser Abstammung halte ich es mit den Garamanten wie Du: Ich sehe da eine parallele Linie, keine Deszendenz. Zu unterschiedlich die beiden Zivilisationen und gerade die wären aus meiner Sicht das Kriterium. Aber auch hier: Ein fast endloses Thema.
Der Gerhard
Wenn man sich mit diesen Leuten mal näher beschäftigt hat, bekommt man schon so viel Hochachtung, dass man geneigt ist, von "edlen Rittern" zu sprechen. Was nicht gleich bedeutet, dass sie nicht auch sehr viel martialisches, rassistisches, eben unangenehmes an sich haben können. So kam ich zu meinem Interesse an den Tuareg (ich fasse mich so kurz es geht): Abendessen im Hotel Tahat in Tam; eine Gruppe feiert ihren letzten Tag nach erfolgreicher Tour zusammen mit ihrem Führer; fast alle trinken Wein, nur der Führer enthält sich; Stimmung steigt, Lautpegel ebenso, dummes Zeug wird geschwatzt; der Führer wird immer ruhiger, betrachtet seine Ex-Schützlinge mit Verwunderung - und verabschiedet sich ganz freundlich und höflich! Ich war fasziniert - und hab danach nie einen Tuareg getroffen, der alkoholische Getränke zu sich nahm, von einem einzigen mal abgesehen, und später natürlich von solchen, die nach Europa ausgewandert waren. Aber wenn ich jetzt so weitermache (Wo war ich stehengeblieben?), komme ich tatsächlich fast ins Schwärmen!
Ja, Roger,
hinsichtlich dieser Abstammung halte ich es mit den Garamanten wie Du: Ich sehe da eine parallele Linie, keine Deszendenz. Zu unterschiedlich die beiden Zivilisationen und gerade die wären aus meiner Sicht das Kriterium. Aber auch hier: Ein fast endloses Thema.
Der Gerhard
die Tuareg
Guten Mooorgen
ja, ein endloses Thema!
schön, dass ihr mitmacht, die Vorfahren der Tuareg aufzuspüren
Natürlich konnten die Garamanten die tausende von Jahren alte Felskunst gar nicht erstellt haben.
Hampate Ba hat auf den Felsbildern in der zentralen Sahara einige Parallelen zu den Fulbe/Peulh gefunden,
zB die Art, die Jungtiere nachts anzubinden, die Frisuren der Frauen von Uan Amil und das Lotori im
Tassili N'Ajjer
http://www.metmuseum.org/toah/hd/fula/hd_fula_2.htm
Im Gilf, Uweinat und Ennedi stellte ich Übereinstimmungen mit Bräuchen der Nubas fest, so, wie sie Leni Riefenstahl
vor vielen Jahren noch dokumentieren konnte (Ziernarben, Körperbemalungen, Ringer-Bekleidung)
Zwar handelt es sich dort um keine Tuareg, aber nur zum Zeigen, dass sich die Kulturen gegenseitig beeinflusst
haben, sei es durch Völkerwanderungen, aus welchem Grund auch immer oder Vertreibungen.
Wir sitzen ja auch nicht mehr im Paradies
Grüsse Ursula
zu der libysch-berberischen Schrift gibts eine Fortsetzung unter Gravuren
PS Gerhard. was weisst du denn über die Zivilisation der Tuareg zur Zeit der Garamanten? gibts da Literatur?
ja, ein endloses Thema!
schön, dass ihr mitmacht, die Vorfahren der Tuareg aufzuspüren
Natürlich konnten die Garamanten die tausende von Jahren alte Felskunst gar nicht erstellt haben.
Hampate Ba hat auf den Felsbildern in der zentralen Sahara einige Parallelen zu den Fulbe/Peulh gefunden,
zB die Art, die Jungtiere nachts anzubinden, die Frisuren der Frauen von Uan Amil und das Lotori im
Tassili N'Ajjer
http://www.metmuseum.org/toah/hd/fula/hd_fula_2.htm
Im Gilf, Uweinat und Ennedi stellte ich Übereinstimmungen mit Bräuchen der Nubas fest, so, wie sie Leni Riefenstahl
vor vielen Jahren noch dokumentieren konnte (Ziernarben, Körperbemalungen, Ringer-Bekleidung)
Zwar handelt es sich dort um keine Tuareg, aber nur zum Zeigen, dass sich die Kulturen gegenseitig beeinflusst
haben, sei es durch Völkerwanderungen, aus welchem Grund auch immer oder Vertreibungen.
Wir sitzen ja auch nicht mehr im Paradies
Grüsse Ursula
zu der libysch-berberischen Schrift gibts eine Fortsetzung unter Gravuren
PS Gerhard. was weisst du denn über die Zivilisation der Tuareg zur Zeit der Garamanten? gibts da Literatur?
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Kuno
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Re: Libyen / Touareg
Gerhard; hier muss ich dir widersprechen: Nur weil sich eventuell ein paar Exponenten eines Volkes in deinen Augen "edel" verhalten, kann ich ein Volk trotzdem nicht als "edel" -also anderen Völkern auf irgend eine Art überlegen betrachten. So etwas kann ich für mich nicht akzeptieren.
Bei den Touareg muss man mM. ganz klar sehen, dass sich ihre jahrhundertealte Haupteinkommensquelle, das abzocken und überfallen von Karawanen und der Sklavenhandel ganz klar als meinungsbildendes Element bei ihren Nachbarn südlich der Sahara erwiesen hat. Zudem kommen Bevölkerungsdruck im Süden und Niedergang der Weidewirtschaft hinzu und fördern den Konflikt.
Die Touareg haben sich zwischen Stuhl und Bank gesetzt und die Chance, dass sie als Kultur noch lange existent sind ist äusserst klein (und wahrscheinlich findet sich auch kaum jemand in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, der willens wäre, diese zu erhalten!).
Persönlich habe ich nichts gegen Touareg und es käme MIR auch nicht in den Sinn, die Touareg, die jetzt noch leben für die Taten ihrer Vorfahren verantwortlich zu halten. Jede Kultur, die verschwindet stellt einen Verlust dar.
EDLER als ihre Nachbarn sind die bestimmt nicht. Und selbst wenn sie's noch wären - es nützt ihnen leider nichts. Die mentalen Sympathien, die ihnen die Europäer eventuell noch entgegenbringen helfen ihnen nicht in ihrem Ueberlebenskampf!
Bei den Touareg muss man mM. ganz klar sehen, dass sich ihre jahrhundertealte Haupteinkommensquelle, das abzocken und überfallen von Karawanen und der Sklavenhandel ganz klar als meinungsbildendes Element bei ihren Nachbarn südlich der Sahara erwiesen hat. Zudem kommen Bevölkerungsdruck im Süden und Niedergang der Weidewirtschaft hinzu und fördern den Konflikt.
Die Touareg haben sich zwischen Stuhl und Bank gesetzt und die Chance, dass sie als Kultur noch lange existent sind ist äusserst klein (und wahrscheinlich findet sich auch kaum jemand in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, der willens wäre, diese zu erhalten!).
Persönlich habe ich nichts gegen Touareg und es käme MIR auch nicht in den Sinn, die Touareg, die jetzt noch leben für die Taten ihrer Vorfahren verantwortlich zu halten. Jede Kultur, die verschwindet stellt einen Verlust dar.
EDLER als ihre Nachbarn sind die bestimmt nicht. Und selbst wenn sie's noch wären - es nützt ihnen leider nichts. Die mentalen Sympathien, die ihnen die Europäer eventuell noch entgegenbringen helfen ihnen nicht in ihrem Ueberlebenskampf!




