Anreise 05.05.:
San Bernardino – Schnee
Chiasso – problemlos
Bis Genua – Regen
Fähre – pünktlich bei der Ankunft, verspätet bei der Abfahrt (2 Std.) wegen des Streiks der Hafenarbeiter in Marseille wurden viele Franzosen über Genua abgefertigt.
Papierkram auf der Fähre – chaotisch (wie immer)
Zoll in Tunis – reibungslos (20 Min)
Wetter – traumhaft
Was war nun anders seit meinem letzten Besuch im November 2011?
Von den Leuten an der Straße her sah man keine Veränderung – alle sehr freundlich.
Doch bei einigen Gesprächen mit Bekannten, Freunden und auch Fremden auf der Straße wurde mir einiges erzählt. Neben positiven Dingen doch eine Menge negatives; leider!
Zum positiven: Es kommen wieder mehr Touristen (Hotelurlauber) ins Land, wenn auch nicht mehr so viele wie in den Jahren zuvor. Kaum noch Polizei-Kontrollen (mehr hierzu später).
Nun zum Ernst der Lage wie mir erzählt wurde:
Es fing schon auf der Fähre an. Ein neu kennengelerntes, tunesisches Rentner- Ehepaar (wohnhaft in der Nähe von Köln) aber zu Hause in Kasserine berichteten mir von Ausgangsperren (20 – 06Uhr) in ihrer Gegend und in den Abendstunden mit „dubiosen Gestalten“ auf den Straßen in und um Speitla des halb wurde ihnen tunlichst geraten nur am Tage in ihre Heimatstadt zu fahren. Ein paar Tage später hörte ich, von Einheimischen, dass es südlich einer Linie Speitla – Gafsa – Gabes immer wieder zu Demonstrationen und Ausschreitungen gekommen sei.
Die Leute mit denen ich mich unterhalten habe erzählten mir dass das „neue Regime“ nicht gerade besser sei wie das Alte. Was eigentlich durch die Blume gesagt heißen soll: Ben Ali war schon schlimm, aber die neuen?!!!!.............( zum Teil Mafiamethoden!)
Mein benachbarter Gemüsehändler sagte mir, dass er ein paar Tage zuvor kontrolliert (Polizei) wurde und wie so ein vollbeladener Peugeot 404 oder ein Isuzu aussieht brauch ich nicht erzählen! Wie dem auch sei er wurde kontrolliert (überladen natürlich!). Er wurde aufgefordert soviel Ware von seinem Pick Up abzuladen bis dieser wieder in eine waagrechte Fahrlage gebracht wird oder er zahle dem Polizisten zum „Auge- zudrücken“ 50TND. Und wenn er nichts gesehen haben will, da er ja schließlich 2 Augen hat verdoppelt sich das Ganze, mit der Zusage dass er danach kaum mehr Probleme haben wird. So geschehen zwischen Zaghouan und Hammamet.
Selbst Gerichtsurteile werden geändert oder gefälscht! Meine Nachbarin (Anwältin in Tunis und Hammamet) erzählte mir von solchen Vorfällen. Sie hat einen Freispruch für ihren Mandanten erwirkt, jedoch Dieser wurde nur 2 Tage später wieder inhaftiert (wg. demselben Vergehen). Als meine Nachbarin davon hörte fuhr sie gleich wieder nach Tunis zum Gericht (um Einspruch zu erheben). Zwei Straßenzüge weiter hat sie ihr Auto geparkt. Als sie zurückkam waren die Autotüren verbeult, die Seitenscheiben eingeschlagen und 2 Reifen zerstochen! (Aber nur ihr Auto wurde demoliert – komisch nicht wahr?) Schaden so um die 5000TND. Sie ist eine gläubige Muslima aber sie steht für eine Trennung zwischen Glauben und Staat ein!
Abends in Hammamet:
nach 20Uhr kaum noch Taxis in den Straßen, die Cafés fast menschenleer, Polizei sieht man auch kaum und wenn dann nur schwer bewaffnet (Panzerwagen, MG´s usw.).
Der Grund ist: von den Jungs traut sich keiner mehr auf die Straße weil sie sonst verprügelt werden! Auch mir wurde abgeraten nach 20Uhr Auto zu fahren. Es ereignen sich immer wieder Überfälle. Aber Touristen werden in Ruhe gelassen!
Zur Gesellschaft an und für sich:
Es „brodelt“ ein wenig.
Weiter wurde mir mitgeteilt. Die alten „Hardliner“ des Ben Ali – Regimes haben als erstes nach dem sie erfuhren ihr geliebter „Brötchengeber“ sei geflüchtet und habe sie im Stich gelassen, ihre Uniformen weggeschmissen und einen auf „unschuldig“ gemacht. Jedoch nach der letzten Wahl haben die wieder eine Chance gesehen um wieder mitmischen zu können. War für die ganz easy! Sie wurden von der jetzigen Regierung angeheuert. Zu welchem Zweck? Unruhe zu stiften!! Denen wurde auferlegt sich den Kopf zu scheren, Bärte wachsen zu lassen und „Chelabas“ zu tragen. In abgelegenen Gegenden sorgen diese dann für Unruhe! Sie gehen in die Ortschaften wo sie keiner kennt und „heuern“ männliche Kinder und Jugendliche mit einem simplen Trick zum Steine werfen an. Der geht so: Jungs ihr bekommt pro getroffenem, neuen Auto, 15 - 20 TND, was bei einem nachwievor niedrigen Tageslohn von 15TND eine Menge Geld ist! Neuere Fahrzeuge gibt es genug. Mit anderen Worten, ein Jugendlicher der 4 Autos trifft hat mehr Geld in der Tasche als sein 8-10Stunden arbeitender Vater. Man könnte zu diesen „alten“ Unruhestiftern auch Salafisten sagen, doch diese Machenschaften haben nichts mit dem Glauben zu tun obwohl beim anheuern hasspredigten geführt werden. Meine Nachbarin sagt: am schlimmsten sind die „ Meatheads with long bearts!“ (Kahlköpfige mit langen Bärten)
Pressemitteilungen für das Ausland sind größten Teils gefakt!!!
Ein weiteres Problem wird auf Tunesien zukommen! DROGEN.
Mir wurden keine angeboten. Aber in einer naheliegenden Schule (Gymnasium) haben sich Eltern beschwert dass ihre Kinder zu Hause sich auffällig benahmen, das Essen verweigerten sich wegen Übelkeit vor der Schule drückten oder überhaupt keine Lust mehr hatten. Darauf hin wurde die Schulbehörde beauftragt der Sache nach zu gehen. Razzia an der Schule. Resultat: 70% der Oberstufenschüler nahmen Drogen (Hasch, Extasy und Kokain). Auf Befragung der Schüler woher sie das Zeugs hätten kam immer wieder die gleiche Antwort: Aus dem Süden!
Und aus dem Süden kommt noch einiges Mehr. WAFFEN! Geschmuggelt aus Libyen und Algerien. (billig zu haben. Eine AK 47 mit einer Kiste Munition schon unter 1000TND. Kalaschnikow MP auch mit Munition unter 500TND) Erschreckend.
Erschreckend auch wie ich gesehen habe sind kleine Mädchen die letztes Jahr im November noch in Kleidchen bei uns in der Straße mit ihren Puppen gespielt haben. Und jetzt müssen sie
Junge Buben 8 – 10 Jahre alt werden in Chelabas gesteckt, zuvor trugen sie Fußballtrickots aus aller Herren Länder. Es wird nicht mehr auf den Straßen in Hammamet gespielt, im Hinterland schon noch.
Wirtschaftlich gesehen:
Schleichende Inflation – gut; für uns Touristen war der Wechselkurs super. (1 € = 2TND)
Preise sind gestiegen: Hauptsächlich Obst und Gemüse. Fleisch das eh und jeh schon teuer war ist noch teurer geworden! Grundnahrungsmittel blieben unverändert; selbst Benzin und Diesel haben den gleichen Preis wie im November. Viele kleine Geschäfte sind geschlossen so auch in den Hotelzonen weil die Touristen fehlen. Und zu denen die da sind wird gesagt bleibt lieber im Hotel!
In meine Stammläden wo ich zum einkaufen hin gehe wurde ich wie immer herzlich begrüßt und nach meiner Einschätzung der Lage in Tunesien gefragt.
Demonstrationen überall. 2 Tage vor unserer abreise haben die Lehrer gestreikt die Schulen blieben geschlossen. Personal der SCNF (staatl. Eisenbahngesellschaft) tat das Gleiche. Keine Züge fuhren mehr.
Auf der Rückfahrt
am 18.05. habe ich mich mit einer geführten Motorradgruppe (Tourer) aus Deutschland unterhalten. Für die Gruppe war nichts Auffälliges zu sehen, bis auf ein paar brennende Autoreifen und Militärdraht am Straßenrand. ( lieben Gruß nach Winsen/Luhe und Tettnang!)
Eine Gruppe ist mir aufgefallen. ( Unterwegs mit den „Joghurtbechern“ ) Deren Reiseleiter sinnierte, in seinem alpenländischen Dialekt, beim Abendessen am Nachbartisch in seine Runde: „ 5 Jahre war nicht mehr in Tunesien aber von Demokratie ham die „Deppen“ immer no nix verstanden“. Na ja was will man dazu sagen – am Besten nix!
Man wird sehen wie es mit diesem schönen Land weitergeht. Sagen auch die Leute auf der Straße. Dies jedoch wird sich aber erst im Frühjahr 2013 zeigen da sind neue Wahlen. Entweder es normalisiert sich wieder oder was ich nicht Hoffen will kommt es zu einer weiteren Revolution. Diese wird dann aber wahrscheinlich nicht so friedlich ablaufen wie der so gen. arabische Frühling 2011 der in Tunesien begann.
Fazit:
Was ihr hier lest soll das Land bei Allah nicht schlecht da stehen lassen nein nicht im Geringsten!!
Es sind persönliche Eindrücke die ich aus Gesprächen gewonnen habe
Ich kann nur empfehlen Fahrt nach Tunesien die gewohnt freundlichen Leute werden es euch DANKEN!!
ICH WERDE AUF JEDEN FALL WIEDER IM OKTOBER NACH TUNESIEN FAHREN!
Ihr werdet euch nun fragen warum schreibt er dies 14 Tage nachdem er zurück aus Tunesien ist!
Ganz einfach: Voller Dienstplan und ein abgestürztes Notebook (Betriebssystem und Festplatte)
Grüße
Jürgen




