Mali und Guinea Reisetagebuch

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen: Reiseberichte zum Informieren und Träumen, fotografisch dokumentiert. In diesem Forum findet ihr Reiseberichte als "Fotostreckenführer" zu interessanten Reisewegen.

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Bernhard Heiser
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Mali und Guinea Reisetagebuch

Beitrag von Bernhard Heiser »

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R e i s e t a g e b u c h...M a l i...u n d...G u i n e a

Auf Afrika-Reiseberichte gibt es mehr und grössere Fotos unserer Reise sowie Karten und praktische Reiseinfos.

BildFreitag 8.12.06 - Anreise nach Dakar

Endlich. Den Urlaub habe ich mir nach einem erfolgreichen Jahr wirklich verdient. Meine erste Tour nach Afrika liegt nun schon wieder ein Jahr zurück. Bei der Vorbereitung kam schon viel Freude auf. Diverse Mittagspausen habe ich in dem kleinen Park in Karlsruhe verbracht und Reiseführer und Berichte gelesen, jetzt geht es tatsächlich los. Mit U und S-Bahn von Stuttgart nach Leonberg, wo Volker pünktlich auf mich wartet. Ich bin der einzige Mitfahrer. Ohne Stau geht's nach Mörfelden. Kurz bevor wir ankommen, beginnt es heftig zu regnen, so macht die Abreise noch mehr Spass. Am Flughafen habe ich noch reichlich Zeit, aber nun folgt erstmal das Condor Chaos beim Check-In. Riesige Schlangen, zu wenig Personal.Das Boarding hat schon begonnen, als ich endlich am Gate ankomme. Wir warten noch auf weitere Passagiere und fliegen schliesslich mit einer Stunde Verspätung los. Kleinere Maschine als üblich, daher Tankstop auf Gran Canaria. Dann weiter nach Banjul, alle müssen raus und durch den Transit. Grrrr, eigentlich sollte es ein Direktflug sein. Gegen 0:30 Uhr sind wir in Dakar, die Zollkontrolle dauert ewig. Ab jetzt ist das egal, ich bin in Afrika. Der Vorteil ist, dass Angy kurz nach mir mit dem Flieger aus Lissabon ankommt und wir nun zusammen zum Keur Diame fahren können. Hans aus Kärnten und sein Bike nehmen wir auch mit. Er wird Montag zu einer Fahrradtour durch den Senegal aufbrechen. Es ist relativ frisch in Dakar mit nur 23 Grad. Hundemüde fallen wir ins Bett.

Bild Samstag 9.12.06 - Parcelles Assainies (Dakar)

Erstmal ausschlafen und ein gutes Frühstück im Keur Diame. Angy geht es immer noch schlecht, das fing im Flugzeug plötzlich an. Gegen Mittag brechen wir zu einer Runde durch den Vorort von Dakar auf. Zuerst zum Strand und dann durch die vielnen kleinen Strassen von Parcelles Assainies. Es gibt heute am Samstag einige Hochzeitsgesellschaften mit grossen Zelten quer über die Strassen. Den Nachmittag verbringen wir recht faul mit Lesen und Abhängen auf der Dachterrasse. Um 20 Uhr gibt es Esen. Typisch afrikanisch: Bayerische Bratwurst und Rösti. Dazu grünen Salat und Obstsalat als Dessert. Naja, unsere Gastgeberin Ruth kommt eben aus der Schweiz...

BildSonntag 10.12.06 - Tambacounda

Nach dem Frühstück geht es heute los. Hans startet auch, er will heute 90 km bis Mbour fahren. Wir nehmen ein Taxi bis Pompiers (Busstation) und von dort ein taxi brousse bis nach Tambacounda. Wir sind etwa 10 Stunden unterwegs mit einer längeren Pause in Koungheul, wo am Auto irgendwas geschraubt werden muss. Etwa 2 Stunden sitzen wir an der Dorfkreuzung rum. Zwischendurch ein Stück Baguette mit Fleisch und Zwiebeln und eine Coke. Gegen 18 Uhr sind wir in Tamba, wo wir nach etwas Sucherei das "Bloc Gadec" erreichen, unser Quartier für heute Nacht. Heute am Sonntag macht die Stadt einen sehr ruhigen Eindruck. Nach der langen und staubigen Fahrt haben wir uns jetzt erstmal ein gazelle in der kleinen Bar nebenan verdient. Abendessen im Le Relais du Rail, wo es prima poulet frites gibt. Heute schlafen wir unter Moskitonetzen, im Bad wimmelt es von Mücken. Morgen soll es weiter gehen über die Grenze nach Mali.

BildMontag 11.12.06 - Kayes

Um 5:45 Uhr klingelt der Wecker, kurz danach steht tatsächlich unser Frühstück bereit. Für 300 CFA nehmen wir ein Taxi zum gare routiere. Ein 7-place fährt von dort nach Kidira, dem kleinen Grenzort. Heute haben wir eine fast neue Strasse, auf den 180 km bis zur Grenze gibt es kein einziges Schlagloch! In Kidira halten wir an der Polizeistation, wo es den Ausreisestempel gibt. Zu Fuss gehen wir weiter noch etwa 2 km zum Fluss und dann links über die Brücke. Der Fluss markiert die Grenze zwischen Senegal und Mali. Auf der Brücke kommen uns einzelne Männer auf Fahrrädern sowie eine Ziegenherde entgegen. Bienvenue au Mali! Diboli ist ein ganz kleines Örtchen auf der anderen Seite der Brücke. Gegenüber vom Bahnhof finden wir die winzige Polizeistation. Alles wirkt hier ein wenig wie die Kulisse in einem drittklassigen Western... Die Uniform des Zöllners besteht aus einem alten blauen Wintermantel, sieht aber cool aus. Er fragt nach Pass und Stift und bekommt einen Kuli als cadeau. Unsere Daten werden mit viel Sorgfalt in ein riesiges, altes Buch eingetragen. Ich darf sogar ein Foto von ihm machen, aber das gibt später etwas Stress mit seinem Chef. Trotzdem fühlen wir uns hier sehr sympathisch willkommen, alles andere als Massenabfertigung. Zurück an der Hauptstrasse finden wir den kleinen gare routiere. In einer Bretterbude werden an einem alten Holztisch Tickets verkauft. Um den Tisch herum steht eine Traube von Menschen, alles ist sehr hektisch. Die letzten Plätze im Bus Richtung Kayes gehen wohl gerade weg. Ok, wir nehmen also ein 7-place, was dann auch bald losfährt. Eigentlich müsste es hier 9-place heissen, viel Platz haben wir wirklich nicht... Nach wenigen hundert Metern halten wir an einem Checkpoint.
Hier werden unsere Pässe nochmal kurz kontrolliert, die anderen Passagiere müssen in ein kleines Gebäude neben der Strasse. Zeit für ein paar Fotos an den Essensständen und Verkaufsbuden hier. Ein hübsches junges Mädchen erlaubt mir ein Portrait. Die Frau aus Kamerun aus unserem Taxi und 2 weitere steigen in einen Reisebus um, der auch hier wartete. Jetzt haben wir deutlich mehr Platz im Auto. Die alten Ölfässer werden zur Seite geschoben und wir können weiterfahren. Jetzt noch 90 km bis Kayes, auch hier eine gute Strasse. Gegen 14 Uhr sind wir dort. Wir waren heute 7 Stunden sehr angenehm unterwegs mit etwas Fussmarsch und viel Abwechslung zwischendurch. Das "Relais de centenaire" finden wir ohne Umwege und nehmen dort ein schönes Zimmer. Am Fluss entlang gehen wir in die Stadt. Auf der linken Seite, noch vor der Brücke, finden wir einen interessanten Markt. Dort kommen wir mit einigen Marktfrauen ins Gespräch, haben viel Spass mit den kleinen Kindern und starten die erste Ü-Eier-Aktion mit Fotosession. Genial, was kleine Geschenke und eine Digitalkamera alles bewirken können. Bis in die Abenddämmerung ziehen wir durch die Strassen von Kayes. Viele gute Fotomotive, aber die meisten sind problematisch, da Fotografieren hier eher nicht so gern gesehen wird. Da müssen wir uns in Mali drauf einstellen. Entweder man braucht sehr viel Zeit um mit Leuten erstmal ins Gespräch zu kommen, oder die Fotos müssen irgendwie unbemerkt entstehen, was mit einer kleinen Kamera noch halbwegs machbar ist. Auf dem Rückweg Einkehr auf der Terrasse des Hotel Khasso. Bei kühlem Bier und poulet frites kommen wir mit einigen anderen Travelern aus Neuseeland, England und Holland ins Gespräch.

BildDienstag 12.12.06 - Kayes

Schon wieder früh raus heute. Frühstück gibt es hier um sechs Uhr noch nicht. Wir ziehen gleich los zum Bahnhof. Auf halber Strecke finden wir noch ein Taxi. Am Bahnhof ist noch absolut nichts los. Kein Wunder, heute fährt nämlich doch kein Zug nach Bamako. Erst morgen mittag wieder, na toll. Gegenüber auf dem Platz gibts aber nette Frühstücksbuden, also erstmal Omelett, Baguette und süssen Kaffee. Auf der anderen Seite vom Senegal Fluss soll ein gare routiere sein.
An der alten Furt durch den Fluss gibts viel zu sehen. Frauen waschen Wäsche im Fluss, Eselskarren kommen uns entgegen. Am anderen Ufer überqueren wir einen kleinen Ziegenmarkt, wo Tuareg-ähnliche Männer ihre Viecher verkaufen, nachdem sie einzeln im Fluss gewaschen wurden. Wir wollen versuchen nach Kita zu fahren, um von dort morgen den Zug zu erwischen. Ein grosser Bus fährt eine andere Strecke nach Bamako, den wollen wir nicht nehmen. Schliesslich fahren wir nach langer Warterei gegen Mittag mit einem zum Bus umgebauten Truck bis Diangoute-Kamara, wo wir gegen 16 Uhr ankommen. Zu spät, um auf der kleinen Nebenstrecke mit einem LKW nach Kita weiterzukommen. Wir sagen einem Jungen, dass wir ein Zimmer suchen. Er führt uns zunächst durch eine Schule und dann zum Haus des Bürgermeisters. Der Sekretär empfängt uns im Innenhof und bietet uns zwei Stühle an. Ein wenig Smalltalk und Fotos aus der Heimat zeigen bis der Chef kommt. Wir werden in eine Art Garage einquartiert, wo er sein Motorrad drin geparkt hat. Eine Bastmatte auf den Steinboden und fertig ist unser Bett. Der "Gärtner" ist ab sofort für unsere Sicherheit und unser Wohlbefinden verantwortlich. Mit ihm als Guide folgt eine Runde durch das Dorf. Es ist größer als erwartet und wunderschön. Es gibt verschiedene Viertel mit palabre, Brunnen und unzähligen Lehmhütten mit runden Strohdächern. Ausserdem sehen wir viele Speicherhäuschen, die wir schon von den Fotos aus dem Dogonland kennen. Schon bald haben wir eine bunte Kinderschar hinter uns und es gibt wieder einige lustige Fotos. Zum Schluss besuchen wir kurz die Familie des Gärtners. Für die Kids der Familie haben wir kleine NOtizbücher und Stifte dabei. Dann kurze Eimerdusche hinter der Garage, dann zur Strasse um etwas zu essen. Im Licht einer Petroleumlampe gibts Reis mit Sauce und Millet. Danch noch ein Kaffee und gut. Die Nacht auf dem Fussboden wird relativ hart, aber es ist warm und eigentlich ganz ok.

BildMittwoch 13.12.06 - Warten auf den Truck

Wir packen unser Zeug zusammen und verabschieden uns von unseren Gastgebern. Die Übernachtung kostet nichts, noch nicht mal nach einem cadeau werden wir gefragt. An der Strasse gibts Kaffee und Baguette und wir schaun was um uns herum passiert. Nach kurzer Zeit kommt der "Bürgermeister" auf seinem Motorrad und stellt uns den Chef der Transport-Kooperative vor. Der soll nun herausfinden, ob es einen Truck nach Kita gibt heute. Gegen Mittag verlegen wir unseren Warteplatz in eine kleine Hütte, langsam wird es heiss.
Es kommen einige grosse Busse nach Bamako vorbei, aber kein einziges Fahrzeug biegt auf die Lateritpiste nach Kita ein. Auch so ist es ein interessanter Tag, einfach mal das Leben auf der Strasse beobachten. Wir sehen mindestens acht der riesigen, neuen Tanklastzüge von Ben & Co., die vermutlich Sprit aus dem Senegal liefern. Gegen 14:00 hat sich immer noch nichts getan, langsam wird es für die geplante Strecke zu spät. Also wechseln wir die Strassenseite, um den nächsten Bus nach Bamako zu nehmen. Die grossen Busse sind wohl heute alle schon durch. Schliesslich kommt ein klappriger grüner Transporter und weg sind wir. Schon im nächsten Dorf muss jemand mit dem Kanister loslaufen um irgendwo Diesel zu besorgen. Nach weiteren 30 km erreichen wir einen staubigen Platz an der Abzweigung nach Diema. Nun haben wir das erste Mal Glück heute. Es sind nur noch 5 Passagiere übrig nach Bamako, wir steigen um in einen privaten Toyota Landcruiser, welch ein Luxus. Ist wohl so eine Art Mitfahrgelegenheit, die der Transporterfahrer organisiert und bezahlt hat. Zunächst ist die Strasse noch super, dann gibts Split und später eine Baustelle. Wir fahren auf der alten Piste nebenan weiter und können den Allrad so richtig ausnutzen. Manchmal tuts einen harten Schlag, wenn unser Fahrer eins von den riesigen Schlaglöchern übersehen hat. Merde! Der Staub bleibt dank Klimaanlage draussen und auch die malische Musik vom Tape ist perfekt. Es wird dunkel, und noch keine Hauptstadt in Sicht. Gegen 21:30 sind wir schliesslich am Ziel und steigen in der Nähe vom Bahnhof aus. Von hier sind es nur ein paar Schritte zur Mission Libanaise, die wir uns als Domizil auserkoren haben. Wir laufen zunächst vorbei, an der verrosteten alten Eisentür in der dunklen Nebenstrasse gibts kein Schild. Wir bekommen ein grosses Doppelzimmer in einem Gebäude mit Wellblechdach im Innenhof. Es sieht hier etwas wild aus, überall wächst Unkraut und kleine Sträucher. In dem Hof stehen die alten Zugmaschinen von zwei Trucks. Wir sind hungrig. An der Avenue du Fleuve hat noch eine Shawarmabude offen, sonst ist das Viertel wie ausgestorben um diese Zeit.

BildDonnerstag 14.12.06 - Bamako

Erstmal ausschlafen, dann Kaffee mit Baguette in einer belebten Seitenstrasse neben unserer Herberge. Es folgt ein Bummel durch das Viertel rund um die grosse Moschee und durch den marché artisanal. Weiter zum Niger.
Auf einigen Strassen ist wirklich voll das Verkehrschaos, aber die Nebenstrassen sind ganz ok und manchmal sogar kleine grüne Oasen. Am Nachmittag machen wir uns auf zu Eva, einer Cousine von Angie. Mit einem grünen sotrama Minibus fahren wir über die Nigerbrücke und kurz dahinter geht es zu Fuss weiter in ein Viertel mit vielen Hilfsorganisationen und NGO's. Irgendwann finden wir schliesslich die rue17. Bei Eva und ihrem britischen Mann gibt's Filterkaffee und Brot mit fränkischer Leberwurst. Dafür nun die weite Reise? Nach reichlich Smalltalk laufen wir am Niger weiter bis zur westlichen (neuen) Brücke. Schöne Abendstimmung am Fluss, wir kommen durch ein kleines Dorf mit vielen Gemüsegärten. Auf der Brücke ist extremer Smog in der rushhour, aber dafür werden wir mit einem schönen Sonnenuntergang über dem Niger entschädigt. Den Abend verbringen wir im Quartier Hippodrome, wo es viele Kneipen und Restaurants geben soll. Wir essen im Le Relax. Im Nightclub nebenan ist wohl eher am Wochenende was los. Mit einem Taxi fahren wir für 1000 CFA zurück.

BildFreitag 15.12.06 - Bamako

Wir beschliessen, doch noch einen Tag länger in der Hauptstadt zu bleiben und schon jetzt das Visum für Guinea zu besorgen. Anrufen beim Konsulat klappt mit dem Handy nicht, also nochmal über die Brücke fahren und nach ca. 2 km links. Heute finden wir unser Ziel gut. Nach etwa einer Stunde sind wir an der etwas versteckten Botschaft, die wir an der Fahne auf dem Dach erkennen. Hier werden wir freundlich und zuvorkommend bedient. Schon gegen Mittag können wir wiederkommen und die Pässe abholen.
Stolzer Preis für ein Visum: 46.500 CFA. In der Zwischenzeit besuchen wir ein Internetcafe in der Nähe. Auf dem Rückweg nach Hause besuchen wir noch den Fetischmarkt. Das sind eigentlich nur ein paar Stände, wo es alle möglichen Knochen, Tierschädel, getrocknete Chamäleons, Schlangenhäute etc. zu kaufen gibt. Wir brauchen heute gerade nichts davon und verbringen den Nachmittag mit Wäsche waschen und relaxen im Hinterhof. Zum Abendessen in den "African Grill", es gibt heute plat du jour Senegalais mit Yassa Poulet. Sehr angenehm hier. Nun wird es Zeit für etwas Musik. Wir nehmen ein Taxi zum Hogon Kulturclub, der ein Stück westlich vom Bahnhof liegt. Gute Stimmung hier unter freiem Himmel, viele Einheimische und Expats. Die Livemusik ist genial, wir bleiben bis zwei Uhr nachts.

BildSamstag 16.12.06 - Weiterreise nach Segou

Wir verlassen die Hauptstadt, zum Schluss fanden wir es immer sympathischer hier. Bamako ist sehr "afrikanisch", keine protzige Stadt mit riesigen Hochhäusern und Slums direkt nebenan. Ich empfinde es als wesentlich angenehmer als Dakar zum Beispiel. Gegen 10 Uhr sind wir am gare routiere auf der anderen Seite des Niger. Wir kaufen Tickets bei Daou Transport für den Bus nach Segou um 11 Uhr. Das war ein Fehler... Aber erstmal das übliche Frühstück an einem kleinen Snackstand. Auch der Tee wir gerne mit der süssen Milch getrunken, mhhhh. Gegen 11 gehen wir zurück zum Bus, aber hier gibts noch keine Anzeichen von Aktivität, was uns zunächst nicht weiter beunruhigt. Der Busbahnhof ist ein ziemliches Drecksloch und es gibt nur wenige schattige Plätze hier. Überall wuseln fliegende Händler rum. Es wird 12 Uhr, 13 Uhr. Schliesslich wird der alte Bus beladen und sogar unsere Rucksäcke finden noch Platz im Gepäckraum. Jetzt sollten eigentlich die Namen der Passagiere aufgerufen werden, damit es irgendwann mal losgeht. Aber nichts. Die Belgischen Musiker mit ihren Rasselkugeln rasten langsam komplett aus und fangen eine erregte Diskussion mit dem Ticketverkäufer an. Es gibt ein Problem. Eine gut gekleidete Schwarze hat die Polizei geholt, weil der Bus hinten Öl verliert, das sei doch sehr gefährlich. Alles wird wieder ausgeladen und in einen anderen Bus gepackt, der auch nicht wirklich besser aussieht. Um 14:30 geht es dann los, hurra. Mit einigen Pausen brauchen wir 5 Stunden bis Segou. Der Anlass für die Pausen ist meist die Gebetszeit, aber es gibt neben der Strasse immer einige Snacks und Wasser zu kaufen. An einer riesigen, beleuchteten Strasse steigen wir aus. Ein Taxi bringt uns zur Mission catholique, wo wir übernachten wollen, nach den guten Erfahrungen in der mission libanaise in Bamako. Leider ist die Mission für Gäste bis Dienstag geschlossen, also ziehen wir zu Fuss weiter in den Ort. Im Hotel Djoliba beziehen wir ein wirklich schönes Zimmer für 11.000 CFA. Unten gibts eine schön eingerichtete Bar, auf der Dachterasse qualmt der Pizzaofen. Wir essen nebenan im "L'Auberge". Flag, Merguez und Pommes, sehr gut. Segou macht einen guten Eindruck, wir freuen uns auf den halben Tag, den wir hier morgen noch hier verbringen werden.

Bild BildSonntag 17.12.06 - Segou

Schon früh sind wir heute unterwegs. Wir wohnen ja nicht weit vom NIger entfernt und geniessen nun hier die Morgensonne. Schade, dass wir heute schon weiter müssen, da morgen der berühmte Montagsmarkt in Djenné ist. Den wollen wir auf keinen Fall verpassen. Am Ufer sehen wir einige Fischer ihre Boote be- und entladen. Wir gehen weiter am Fluss entlang und sehen viele kleine Töpfereien, Segou ist berühmt für seine Töpferwaren. Wir haben einige kurze Einblicke in sehr idyllische Innenhöfe. Am Sonntagmorgen ist es noch sehr ruhig und alles erwacht erst sehr langsam zum Leben. Segou gefällt uns sehr gut, es gibt hier auch fast keine aufdringlichen Guides, vielleicht schlafen die auch alle noch. In einer kleinen Bretterbude, die um einen Baum herum gebaut ist, nehmen wir ein leckeres Frühstück ein. Wir checken aus und gehen zu Fuss zum Wasserturm, wo der gare routiere für die Strama Busse liegt. Erst um 13 Uhr gibts hier einen Bus, also laufen wir weiter zur Station von Bittar. Perfekt, in 30 Minuten gehts los. Unglaublich, unser Bus heute ist pünktlich, sauber, schnell und nicht überfüllt. Sind wir nicht mehr in Afrika? Um 15 Uhr sind wir an der Abzweigung nach Djenné. Von dort können wir nach einer halben Stunde mit einem uralten Peugeot Pickup weiterfahren.
Es sind noch etwa 30 km bis zum Niger, wo wir mit einer relativ modernen Fähre übersetzen. Perfektes Fotolicht jetzt. Einige hübsche Kids verkaufen am Ufer genauso schöne Colliers, aber wir werden uns beim Preis noch nicht einig. Nach kurzer Weiterfahrt an einem Kanal entlang sind wir auf dem großen Platz vor der Moschee in Djenné! Ein beeindruckendes Bauwerk, das werden wir uns morgen genauer ansehen. Im Kita Kourou finden wir ein Bett im dormitoire, das wir ganz für uns haben werden. In der Abenddämmerung ziehen wir nochmal los durch die verwinkelten Gassen zwischen den schönen Lehmhäusern. Wir ereichen wieder den Flussarm. Djenné scheint ganz von Wasser umgeben zu sein. Schnell noch ein paar Fotos im letzten Sonnenlicht von einigen Kutschen die den Flussarm durchfahren, dann geht es zum Essen in das Restaurant in unserer Herberge. Es gibt poulet tion-tion, auch nicht viel anders wie yassa poulet. Unseren selbsternannten Guide Mohammed schicken wir erstmal wieder weg. Morgen werden wir ihn wohl nicht brauchen, da wir den Tag für den Markt reserviert haben. Ich liege noch lange wach und höre Musik vom MP3 Handy.

Bild BildMontag 18.12.06 - Djenné

Heute ist es soweit, der berühmte Montagsmakrkt in Djenné erwartet uns. Um 7:30 Uhr ist zwar schon einiges los hier, aber an vielen Stellen wird noch aufgebaut und es sind noch nicht so viele Besucher da. Wir nutzen die Zeit für ein paar Fotos von der Moschee. Für einen kleinen Obulus dürfen wir auf ein Hausdach steigen von wir einen sehr guten Blick auf Moschee und Marktplatz haben. Anschliessend bieten uns die geschäftstüchtigen Jungs an, einen Blick in die Moschee zu werfen. Eigentlich ist dies nur Moslems vorbehalten und für andere Besucher streng verboten, seitdem sich einige Amerikaner etwas danebenbenommen haben. Aber die Regeln haben sich wohl wieder ein wenig gelockert. Jetzt betet wohl gerade niemand und wir huschen durch eine Hintertür im richtigen Moment hinein. Allzu beeindruckend ist es eigentlich nicht drinnen, der Anblick von aussen verspricht irgendwie mehr. Wir bedanken uns und stürzen uns nun einzeln in das Marktgetümmel. Es ist wirklich alles sehr farbenfroh und lebendig. Das wirklich Interessante sind meiner Meinung nach die Leute in ihren tollen Gewändern, weniger die Waren an sich. Die Atmosphäre hier ist schon ganz besonders, es ist nicht irgendein Markt. Manchmal bekomme ich die Erlaubnis für ein Foto vom Marktstand oder für ein Portrait, aber meistens geht es nicht so einfach. Manchmal ein einfaches "non", oder ich soll Geld dafür zahlen. Das lehne ich ab, dafür biete ich manchnmal ein kleines cadeau an. Die Parfum- und Shampooproben stossen meist bei den Frauen auf grosses Interesse. In jedem Fall ist erst ein wenig Smalltalk erforderlich, und dazu hat hier auch jeder Zeit. Ich treffe mich mit Angy gegen Mittag zu einem kleinen Snack. Es gibt 1 cm lange Spaghetti und verschiedene Teigstückchen in roter Sosse aus einer kleinen Plastiktüte. Jetzt zur Mittagszeit erreicht der Markt trotz sengender Hitze seinen Höhepunkt. Weiter geht's. Ich habe zwar eigentlich schon alles einmal gesehen, aber ich entdecke immer noch neue interessante Dinge und komme mit vielen Leuten ins Gespräch. Zum Beispiel mit einem Haushaltswarenverkäufer (so würde man das wohl bei uns nennen), an dessen Stand ich kurz stehenbleibe um einem Koraspieler zuzuhören. Ich setze mich zu ihm auf die Bank und erzählt mir von seinem Business. Später frage ich einen Mann in einem blauen Gewand mit einem bunten Turban, ob ich ein Foto machen darf von ihm. Er lacht und schlägt vor, dass ich ihn dafür zu einem Tee einlade. Perfekt! Zwei Stände weiter hocken wir uns unter eine Plane in den Schatten und ich kaufe grünen Tee und Zucker. Eine Teekanne bekommen wir auch (die des Verkäufers), und nun beginnt mein neuer Feund Boubacar den Tee zuzubereiten.
In der folgenden Dreiviertelstunde erfahre ich viele interessante Dinge, z.B. dass er hier ist um Ziegen für das Tabaskifest einzukaufen, die dann per Lkw in sein Dorf Niafunké gebracht werden. Er ist auch wie wir auf grosser Reise und jetzt auf dem Weg von Tiombouctou nach Bamako. Die letzte Nacht hat er auf einem kleinen Boot auf dem Niger verbracht und es war seht kalt. (Ich weiss jetzt noch nicht, dass uns das auch noch erwartet) Ab 16:00 Uhr machen Angy und ich noch eine Runde durch den Ort. Schöne Abendstimmung jetzt, Sonnenuntergang am Nigerufer, wo Pinassen Besucher vom Markt übersetzen oder auf dem Fluss bis in ihr Dorf bringen. Auf dem Rückweg zum Kita Kourou treffen wir den Belgier mit seiner süssen Malischen Freundin wieder und verabreden uns zum Abendessen. Sie studiert in Bamako und hat ihn im Zug nach Kayes kennengelernt, wo ihre Eltern leben. Später gehen wir ins Restaurant du Fleuve, wo wir zwei weitere Bekannte treffen. Es sind zwei Franzosen, die in Bamako ihre Vesparoller verkauft haben. Wir warten lange auf unser Essen, aber unterhalten uns gut in mindestens drei Sprachen. Der Fisch mit Couscous ist hervorragend.

BildDienstag 19.12.06 - Sirimou und Senossa

Nach einer angenehmen und nicht zu kalten Nacht geht's heute schon wieder früh los. Wir haben beschlossen, noch einen Tag in Djenné zu bleiben, auch um den Ort mal in Ruhe und ohne Markt zu sehen. Pünktlich um sieben wartet unser Guide Noo auf uns und wir ziehen ohne Frühstück los. Zu Fuss marschieren wir Richtung Westen zum Dorf Sirimou, ein Bozo-Dorf auf einer Insel. Die Sonne geht hinter uns auf, aber es ist immer noch sehr kalt. Nach etwa 1,5 Stunden erreichen wir das Dorf und lassen uns mit einer Piroge übersetzen. Die Moschee sieht der in Djenné recht ähnlich, aber sie ist nicht so gross. Wir dürfen in das Haus eines Bakannten von Noo. Ein schöner, sonnendurchfluteter Innenhof liegt zwischen dem Wohnhaus und einer Schmiedewerkstatt. Im überdachten Teil des Hofes befindet sich die Küche, das heisst eine offene Feuerstelle, eine Art Ofen sowie einige Regale mit Geschirr. Wir passieren mehrere Plätze. An einem arbeiten Frausen mit Mörsern, andere sind Treffpunkt für Jugendliche oder ältere Männer. Die Lehmhäuser sind ähnlich konstruiert wie in Djenné und meistens sehr gepflegt. Aus einer kleinen Koranschule dringt lautes Gemurmel von Kindern beim Rezitieren der Verse.
Es gibt keine andere Schule, das heisst in Fächern wie Mathematik werden die Kinder hier nicht unterrichtet. Wir fahren wieder zurück aufs Festland und weiter geht es zu Fuss noch eine gute halbe Stunde bis zum Peul-Dorf Senossa. Dieses ist etwas grösser und liegt auf einem flachen Hügel. In der Regenzeit ist das Dorf komplett von Wasser umschlossen. Es gibt zwei Moscheen hier, die aber etwas schlichter sind. Endlich Zeit für ein Frühstück. In einem kleinen Laden gibts Kaffee und Baguette. Das dauert etwas, da erst Holzkohle geholt werden muss. Wir haben als vor dem Frühstück noch Zeit für eine Runde durchs Dorf zum Fotografieren. Die Ladenbesitzerin und die vielen kleinen Kinder freuen sich über unsere kleinen cadeaux. Eigentlich war nun die Rückfahrt mit einer charette (Pferdewagen) vorgesehen, aber irgendwas hat bei Noo's Planung wohl nicht so geklappt. Jetzt wirkt er etwas hilflos und schlägt vor, den ganzen Weg in der Mittagshitze wieder zu Fuss zu machen. Oder will er nur seine Ausgaben etwas reduzieren? Nach einigen erfolglosen Telefonaten von ihm beschliessen wir den Preis zu reduzieren und gehen zu Fuss. Er trottet hinter uns her, jetzt sind wir die guides! Später am Ortsrand von Djenné bezahlen wir ihn. Er akzeptiert das so und wir sind wieder versöhnt. Am Marktplatz treffen wir den Belgier und seine Kleine wieder. Wir holen unsere Sachen aus dem guesthouse und nehmen ein sept-place bis nach Sevaré, wo wir kurz nach Einbruch der Dunkelheit ankommen. Die 7-places Peugeots müssten hier eigentlich 11-places heissen... Unterwegs gibt es immer wieder kurze Stops an den Checkpoints. Wir nutzen jede Gelegneheit, um kurz aus dem Auto herauszukommen. Im Hotel Oasis gibts gute, aber wenig charmante Zimmer für 11.000 CFA. Dafür haben wir ein prima Abendessen im senegalesischen Restaurant Teranga an der Hauptstrasse.

BildMittwoch 20.12.06 - Weiter nach Bandiagara

Heute ist so ein Zwischentag, weder richtig hier noch am Ziel, aber auch kein echter Reisetag. Erstmal ausschlafen, dann ziehen wir etwas unentschlossen ohne grossen Rucksack zur Hauptstrasse. Wir wissen noch nicht so recht, ob Sevaré ein interessanter Ort ist oder nicht. Nach dem Frühstück (so wie immer) gehen wir in einen libanesischen Laden und weiter zum gare routiere. Der liegt geschickterweise total weit ausserhalb an der Strasse nach Bandiagara. Gut, jetzt wissen wir, wo er ist und dass heute wahrscheinlich noch irgendein Fahrzeug losfährt. Wir gehen in der Mittagshitze wieder zurück und holen unser Gepäck, dann die gleiche Strecke nochmal.
Ausser Geschäften und ein paar Restaurants hat Sevaré nichts zu bieten. Also schnell weg hier, bevor der ganze Tag vertrödelt ist. Als wir wieder am gare routiere ankommen, steht schon ein Mercedes Transporter bereit und einige Passagire sitzen in einem schattigen Unterstand. Wir kaufen schon mal unsere Tickets, müssen aber mindestens noch eine Stunde warten, bis endlich 18 Passagiere zusammengekommen sind. Währenddessen lernen wir ganz nebenbei unseren Guide für die geplante Tour im Dogonland kennen. Er heisst Adama, ist 38 Jahre alt und hat sogar Freunde in Frankfurt (spricht aber kein Deutsch). Manchmal arbeitet er mit Reisegruppen zusammen. Ein paar Unterlagen und eine kleine Karte hat er auch dabei, zieht aber nicht die aufdringliche Guide-Nummer ab. Wir unterhalten uns über die optimale Route für eine dreitägige Tour. Da wir ihn beide sehr sympathisch und kompetent finden, beschliessen wir die Tour mit ihm zu machen. Ich schreibe unseren Vertrag zweimal in Französisch auf einen kleinen Zettel. Das wird ein schönes Souvenir werden. Wir wollen versuchen, noch zwei weitere Teilnehmer für unsere kleine Expedition zu finden, wenn wir in Bandiagara sind. Adama kommt aus dem Dorf Sanga. Das ist in der Nähe von Bandiagara und dort wollen wir unsere Tour starten. Nach gut 2 Stunden sind wir in Bandiagara, die Strasse dorthin ist in einem perfekten Zustand. Wir übernachten im Hotel "Le Village" in einem klitzekleinen Doppelzimmer. Adamo belegt das Nachbarzimmer. Unsere Suche nach weiteren Teilnehmern bleibt erfolglos. Entweder haben alle schon einen Guide oder die Zeitplanung passt nicht zusammen. Dann werden wir also zu Dritt aufbrechen morgen. In der Auberge Kansaye essen wir Reis mit Artischocken und dazu gibts ein kühles Bier. Schon vorher fühlte ich mich etwas schlapp, aber danach geht es mir gar nicht mehr gut. Ich schleppe mich zurück zum Hotel. Die Nacht verbringe ich mehr auf der Toilette als im Bett, aber gegen Morgen schlafe ich doch noch ein wenig. Mist, ausgerechnet jetzt. Ob wir so ins Dogonland aufbrechen können?

Bild BildDonnerstag 21.12.06 - Sanga

nachdem ich doch noch ein wenig geschlafen habe, bin ich nun erstaunlich fit, als um 8 Uhr ein uralter, klappriger Toyota Landcruiser vor der Tür steht. Zusammen mit einigen Passagieren aus den umliegenden Dörfern geht es los. An einer kleinen Bar halten wir an. Hinter einem Vorhang sitzen einige Männer an einer einfachen Holztheke. Mit einem heissen Lipton Tee mache ich mir einen Elektrolytdrink, das muss mich irgendwie über den Tag retten. Mit fester Nahrung warte ich lieber noch. Wir nehmen noch 2 junge Mädchen mit, die grosse Körbe auf dem Kopf balancieren. Körbe aufs Dach, Mädels hinten reingequetscht, passt schon... Nach 2 Stunden sind wir in Sanga am Marktplatz. Hier ist im Moment nicht viel los. Wir ahnen nicht, dass in Sanga heute der Markttag ist, der alle 5 Tage hier stattfindet. Jetzt sind es noch 2 km zu Fuss bis zu unserer Unterkunft. Meine erste Belastungsprobe heute. Wir laufen hinter dem großen Antennenmast in ein kleines Tal hinunter zum Dorf Bongo, aus dem Adama und seine gesamte Familie stammt. Zwischendurch immer wieder Stops, um Leute mt einer endlosen, fast gesungenen Zeremonie zu begrüßen. Adama scheint wirklich jeden und alle hier gut zu kennen. Das wird die nächsten Tage so weitergehen... Wir beziehen unser Quartier in Adama's Gästehaus. Jetzt ist erstmal Zeit zum Relaxen, bevor es dann Mittagessen gibt. Es gibt Couscous mit leckerer Zwiebelsosse, ich nehme auch ein paar Gabeln davon. Um 14:30 Uhr brechen wir auf zum ersten Teil unserer Tour. Wir werden heute nacht hier schlafen und erst morgen weiterziehen. Am Wegrand entdecken wir einige tables de renard, hier fragen die Dorbewohner nach Rat und ihrem Schicksal.
Holzstöckchen und Muster im Sand werden nachts von Füchsen durchlaufen und die Veränderungen werden dann "gelesen". Weiter geht es zurück nach Sanga auf den Markt. Hier ist jetzt ein unglaubliches Gewusel. Es gibt kaum Stände, fast alles spielt sich auf dem Boden ab. Das Fotografieren strengt zusätzlich an, richtig fit bin ich noch nicht. Weiter geht es durch die Ortsteile Ogolae du haut und Ogolae du bas. Wir kommen an zwei Togunas vorbei, den offenen Versammlungshäusern für die Dorfältesten. Das Grundstück eines maison sacreé dürfen wir nicht betreten. Adama erklärt etwas über Reinkarnation und irgendwelche Colliers die dort für Verstorbene hinterlegt werden. Im Restaurant an der Strasse gibts noch eine kühle Cola für meinen Magen, bevor wir noch eine Runde durch Bongo machen. Vom höher gelegenen Teil des Dorfes hat man einen super Ausblick. Ich stehe mit einem Fuss direkt am Abgrund. Tief unter mir liegt im Schatten das Dorf Banani. Im letzten Sonnenlicht duschen wir, das heisst wir leeren ein paar Plastikeimer Brunnenwasser über uns aus. Die Felsen oberhalb unseres Hauses sind der ideale sunset point. Hier gibt es keine blaue, sondern eher eine rote Stunde. Ein magisches Licht überstömt uns. Nach einer Zwiebelsuppe auf der Terrasse im Licht der Petroleumlampe bewundern wir nun den grandiosen Sternenhimmel über uns. Er reicht bis zum Horizont herunter, Luftverschmutzung ist hier vollkommen unbekannt. Heute schlafe ich draussen, denn im Zimmer sind es auch nach 23 Uhr immer noch 28 Grad bei null Luftbewegung.

Bild BildFreitag 22.12.06 - Pays Dogon I

Nach einem prima Frühstück mit Marmelade und 2 Tassen Tee verlassen wir unser Basislager in Bongo. Ich habe für die nächsten 3 Tage nur das Nötigste in den kleinen roten Rucksack gepackt. Für heute sind 17 km geplant. Zuerst kommen wir direkt bei Bongo in ein Tal, in dem Zwiebeln angebaut werden. Hier gibt es Wasser aus einem Fluss und wir sind überwältigt von dem satten Grün der Felder. Frauen balancieren Wasserkrüge auf dem Kopf und bewässern damit die Felder. Weiter gehts über steinige Pfade mit toller Aussicht bis ins Dorf Tiogou. Das Dorf liegt an einer Klippe, wir müssen über die Felsen hinunterklettern. Wir sehen einige geschnitzte Holztüren und -fenster. Adama erklärt uns die einzelnen geschnitzten Figuren, davon gibt es je Fenster eine ganze Menge. Dargestellt ist praktisch die ganze Familiengeschichte. Es gibt eine Frau mit Zwillingen, einen Mann mit ältestem Sohn, Schildkröten, Kaymane, eine Schlange, Meerjungfrauen, einen Fuchs, Masken und Symbole für Regen und Erde. In diesem Dorf sprechen wir scheinbar nicht mit dem Chef, verteilen aber bereits die ersten Colanüsse an ein paar ältere Herrschaften. Wohl bekomms. Wir laufen durch ein Tal mit abgeernteten Hirsefeldern (millet) uns vorbei an umzäunten Gärten mit Zwiebeln und Salat. Nach weiteren 4 km erreichen wir Yendouma, wo wir unsere Mittagspause machen. Yendouma liegt sehr reizvoll am Berghang, das gibt später gute Fotos. Unter unserem schattigen Dach sind es jetzt 32 Grad. Es gibt Reis mit Zwiebelsosse (was sonst) und dazu süsse Kartoffeln. Perfekt! Danach ein kleines Nickerchen im Schatten bevor es weitergeht.
Im Halbschlaf höre ich die Geräusche aus dem Dorf, schreiende und spielende Kinder, tratschende Frauen und das dumpfe, stampfende Geräusch der Mörser. Nach weiteren 3 km über einen kleinen Berg erreichen wir Yendouma-Ato. Am Dorfeingang der Dorfwächter, eine mit Lehm und Farbe beschichteter Stein in Form einens grossen Fingerhutes. Dieses Dorf ist eine weitere Steigerung. Die eckigen Speicherhäuschen mit den runden Strohmützen ziehen sich weit den Berghang hinauf. Oben wohnen die Alten. An einen kleinen Platz treffen wir dei alte Männer und verteilen Colanüsse. Wir müsen sehr aufpassen, dass wir keine heiligen Stätten betreten oder die verkehrten Hauswände berühren. Hier geht es ohne Guide wirklich nicht. Die Erklärungen von Adama sind gut verständlich ohne dass er allzusehr ins Detail geht. Auf einen Felsen stehen mehrere Häuser einer Familie, das sieht von unten wie eine kleine Burg aus. Herrliches Fotolicht jetzt. Beim Einbruch der Dämmerung sind wir wieder zurück in Yendouma wo wir unser Nachtlager im Freien aufschlagen. Abendessem mit Nudeln, poulet, sauce onion, pastis. Im Dorf sind rhytmische Trommelklänge zu hören. Trotz Dogon-Wolldecke wird es in der Nacht ziemlich frisch hier, aber es ist windstill. Mein Thermometer fällt am Morgen bis auf 19 Grad!

Bild BildSamstag 23.12.06 - Pays Dogon II


Zum Frühstück gab es heute auch leckere Krapfen, so nennen wir sie mal. Kurz nacht acht gehts los, die zweite Trekking-Etappe. Die Überquerung der Falaise und der Besuch der drei Yougana-Dörfer stehen heute auf unserem Programm. Wir durchqueren das breite Tal, es geht auf einer sehr sandigen Piste leicht bergauf. Dann klettern wir wie die Ziegen die Felsen hoch auf die Falaise. Nach einer ganzen Weile ereichen wir das erste Dorf, Yougana-Piri. Wow, das Kliff mit den Überhängen ist gewaltig und überall sind kleine Tellem-Häuser und Höhlen eingebaut. Diese wurden seit dem 13. Jahrhundert nicht mehr zum Wohnen genutzt und sind zum Teil noch sehr gut erhalten. Ein alter Mann am Weg scheint Adama so eine Art Predigt zu halten. Er hört ihm brav zu und antwortet ab und zu lautstark. Er ist wohl etwas schwerhörig. Am Ende drücken wir ihm noch zwei Nüsse in die Hand, wofür er sich freundlich bedankt. Jetzt wird der Weg durch die Felsen richtig schön, als wir bis zum höchsten Punkt der Falaise hochklettern. Oben laufen wir auf einer Art Mondlandschaft bis zu einer steilen Klippe. Toller Ausblick, das wäre auch ein genialer Klippenstart fürs Drachenfliegen. Aber wo ist die Seilbahn zum hochtransportieren?? Auf dem Weg nach unten gelangen wir an eine gigantische Felsspalte. Über eine Dogon-Leiter steigen wir hinein und klettern vorsichtig weiter runter. In der Spalte ist in der Regenzeit ein Fluss, jetzt gibt es nur ein paar halbgefüllte Staubecken am unteren Ende der Spalte. Daran schliest sich direkt das nächste Dorf an: Yougana-Dogourou. Auf dem Versammlungsplatz sitzen wir gemeinsam mit einer Frau und vielen kleinen Kindern. Adama erzählt eine lange und komplizierte Geschichte von einer Frau und ihrer Tochter, von Masken, die in irgendwelche heiligen Stätten gebracht werden und die über Nacht verschwinden. In diesem Dorf soll es einen besonderen Maskenkult geben.
Wow, aus diesem Stoff werden Fantasy-Romane gemacht... Wir laufen weiter den Berghang hinunter und gelangen zu einer von Entwicklungshelfern gebauten Pumpe mit Fussantrieb. Angy füllt ihre Wasserflasche auf, die vielen jungen Frauen lassen ihr den Vortritt. Kurz darauf ereichen wir Youga-na. Das Dorf besteht nur aus einer Ansammlung von relativ normalen Hütten, auf den ersten Blick nicht so interessant. Die Mittagssonne brennt jetzt gnadenlos und wir machen hier im Tal unsere Pause. Am Nachmittag gehts weiter durch die Ebene nach Koundou, ein Dorf mit schöner Toguna. Über sandige Piste laufen wir weiter bis Ibi, wo heute der Markt stattfindet. Auf dem Weg kommen uns schon viele Leute mit allerlei Lasten und Schüsseln auf dem Kopf entgegen. Darunter sind auch ein paar seltsam gekleidete Männer, einige kennen Adama. Einer trägt einen grünen "Bademantel" und dazu eine völlig fertige, uralte Ledertasche. Echt cool. Der Markt in Ibi liegt sehr schön unter alten Fromager Bäumen im Schatten. Wir beziehen unser Nachtlager. Um einen grossen, sandigen Innenhof sind die Gebäude der Familie angeordnet. Eine Lehmtreppe mit sehr krummen und ungleichmässigen Stufen führt auf ein Hausdach. Aus dünnen Ästen. Baumstämmen und Stroh ist ein Sonnendach gebaut. Von hier kann man prima das Dorfleben und die Vorbereitungen in der Küche beobachten. Als nach dem Essen bald die batteriebetrieben Lampe auf dem Hof ausgeht, sitze ich mit Adama noch lange im stockdunklen Hof und wir unterhalten uns über seine Deutschlandreise im nächsten Jahr. Auch spät in der Nacht weht noch ein heisser Wüstenwind, also schlafe ich draussen vor meinem Zimmer.

Bild BildSonntag 24.12.06 - Pays Dogon III

Schon früh bin ich wach und kann nicht mehr schlafen. Die aufgehende Sonne beleuchtet sehr schön die Tellem Behausungen in dem Felsüberhang an der Klippe. Nach dem üblichen Frühstück brechen wir auf zu unserer letzten Etappe durch Dogon-Wunderland. Wir kraxeln eine Runde durch Ibi. Der schönere Teil dws Dorfes befindet sich oben am Berg. Ein sehr schönes Haus ist der Wohnsitz des Hogon, ein alter weiser Mann mit besonderer religiöser Bedeutung. Der alten Frau, die in der Tür sitzt, überreicht Angy zwei Cocanüsse für ihn (Angy ist unsere offizielle Nuss-Managerin). Nach einigen Fotos geht es wieder runter ins Tal und weiter nach Nini. Der Ort besteht aus zwei Teilen und liegt etwas oberhalb am Berg. Sehr schön, wir benutzen so eine Art Höhenwanderweg durch das Dorf. Am Eingang eines Seitentals liegt Banani, das wir schon von ganz oben von Bongo aus gesehen haben. Langsam schliesst sich der Kreis. In Banani wimmelt von 4x4 Fahrzeugen, Souvenirverkäufern und leicht nervenden Kids. Monsier, donne-moi bic, chemise, bonbon.... Nichts wie weg hier. Wir kommen an der Schildkrötengrotte vorbei. Wenn jemand im Dorf gestorben ist, verschwindet sie darin und ist für eine Weile nicht mehr zu sehen. An einer weiteren heiligen Stätte sehen wir auf einem kleinen Erdhügel zwei tote Hühner innerhalb von zwei Steinringen liegen. Hierher werden Diebe geführt und sie müssen von der Erde essen. Falls sie schuldig sind, sterben sie noch am selben Tag. Wenn sie sich vorher schuldig bekennen, bekommen sie ein "Gegengift" und alle wissen über den Diebstahl Bescheid. Unsere Mittagspause haben wir heute in Ireli. Hier sind einige Touristen unterwegs, aber eher die Sorte Tagestour mit Allradfahrzeug.
Unser Essen wird heute nach Wunsch zubereitet: Eine grosse Schüssel mit süssen Kartoffeln und Gemüsesauce. Schmeckt super, gibt aber später gute Blähungen... Danach der letzte Abschnitt unserer Trekkingtour. An der Falaise leicht bergauf erreichen wir die zwei Teile des Dorfes Pegue. Nichts wirklich Neues, aber tolle Motive mit Tellem-Höhlen am Kliff, das mittlerweile im Schatten liegt. An einem kleinen Platz machen wir eine Pause. Adama spricht mit einem alten Mann, von Angy bekommt er 2 Nüsse. Ich schenke meine leere Wasserflasche einem kleinen Jungen, der damit begeistert davonzieht. Nun folgt der Aufstieg auf das Plateau, wieder durch eine enge Felsspalte. Die Kletterei ist jetzt angenehm, alles liegt schon im Schatten. Oben wieder die wunderbare Felslandschaft mit tollen Ausblicken über das Tal mit den Sanddünen auf der anderen Seite. Was für eine Tour! Noch ein paar Schritte und wir sind zurück an Adamas Gästehaus, wo wir noch eine Nacht bleiben werden. Die Anderen erwarten uns schon. Nach grosser Begrüssung beziehen wir wieder unser Zimmer. Nach den Spaghetti zum Abendessen geht Adama zurück zu seiner Familie im Dorf. Wir bleiben allein zurück. Es ist finstere Nacht, kaum Geräusche aus dem Dorf. Es ist Heiligabend. Wir zünden zwei Wunderkerzen an...

Bild BildMontag 25.12.06 - Von Sanga nach Hombori

Die Nacht bei offener Tür war angenehm, diesmal habe ich nicht draussen geschlafen. Am Morgen zeigt mein kleines Thermometer immer noch 26 Grad an. Wir packen unsere Sachen zusammen und warten um sieben Uhr wie vereinbart auf Adama. Um halb acht ist er immer noch nicht da, also schaut Angy doch mal im Haus gegenüber nach, das auch ihm gehört. Und siehe da, er liegt dort auf dem Boden und schlägft fest wie ein Stein. Nur mit viel Mühe können wir ihn wecken. Schliesslich kommt noch unser Koch von gestern hinzu und hilft uns dabei. Adama ist völlig fertig, hat wohl gestern zu viel gesoffen. Es ist hier üblich, dass man auch als Muslim mit den (hier relativ vielen) Christen im Dorf Weihnachten feiert, sprich sich ordentlich einen hinter die Binde giesst. Nun gibt es doch noch ein üppiges Frühstück mit Tee und Fettgebäck. Wir tauschen die Adressen aus und verabschieden uns. Einer seiner Jungs begleitet uns nach Sanga zum Marktplatz, wo irgendwann bis mittags unser 4x4 aufkreuzen soll. Wir sind völlig erstaunt, als schon nach 10 Minuten ein Landcruiser vorfährt. Die Rückfahrt zu viert nach Bandiagara macht viel Spass. Wir fahren an vielen schwer bepackten Frauen vorbei, die auf dem Weg zum Markt in Bandiagara sind. Unsere beiden Fahrer sind auf dem Weg nach Sevaré, wie praktisch. Für insgesamt 5000 CFA fahren wir gleich weiter mit. Super, so sind wir schon um zwölf am gare routiere und kaufen 2 Tickets für den Bus nach Hombori. Der Bus von Maiga Transport soll um 15 Uhr losfahren, inshallah. Im Restaurant nebenan gibt es sehr schmackhaftes Essen. Reis, grüne Sauce, Zwiebeln, Gemüse, Piment mit Mouton, für 2 Personen zahlen wir 3000. Schnell verschicke ich noch ein paar Weihnachts-SMS, seit Tagen hat mein Handy hier mal wieder Empfang. Eine komische Sache bei 32 Grad im Schatten. Vik ist grade auf dem Schiff nach Finnland, bei ihr sind es -5. Nach einem endlosen Hin und Her beim Beladen des Busses verlassen wir gut eine Stunde später als geplant den gare routiere.
Soweit wäre das ja völlig ok, aber nun gibt es noch mindestens drei Stops im Ort, wo weitere Leute zusteigen und das Gepäck nochmal komplett neu sortiert wird. Können die ihren Arsch nicht auch zum gare routiere bewegen wie alle anderen?? Langsam füllt sich nun auch der Gang und meine Beinfreiheit (!) ist dahin. Dafür haben wir Sevaré immer noch nicht verlassen. Gegen 23 Uhr erreichen wir Hombori. Die "Main de Fatima", die berühmte Felsformation, haben wir in der Dunkelheit nicht gesehen. Jetzt heisst es erstmal ein Plätzchen für die Nacht zu finden. Ganz Hombori ist stockdunkel und scheint zu schlafen. Das Magnou Bagni ist voll, für die Schlafplätze auf dem Dach gibt es keine Decken. Der patron ist auch nicht gerade entzückt über unsere späte Ankunft, er döste schon in seinem Stuhl vor der Tür. Besonders freundlich ist er auch nicht, daher verzichten wir gern auf diese Herberge und folgen den beiden Jungs zu zwei weiteren Möglichkeiten. Wir landen schliesslich bei der Auberge Lelele, hier ist noch jemand wach. Wir bekommen eine nette kleine Rundhütte mit Doppelbett und Moskitonetz. Die Nacht ist relativ kühl hier, wir haben jetzt den östlichsten Punkt unserer Reise am Wüstenrand erreicht.

Bild BildDienstag 26.12.06 - Hombori


Nach dem Frühstück mit süssem Milchkaffee an der Strasse erfahren wir, dass heute Markttag mit grossem Viehmarkt ist. Erstmal erkunden wir ein wenig den Ort und steigen die Felsen hinauf zum oberen Teil von Hombori. Viele einfache Steinhäuser, aber nichts Spektakuläres hier oben ausser dem Blick auf die benachbarten Bergmassive. Ein Paradies für Kletterer. Die Kinder nerven hier ganz schön und kommen mit den Fragen nach cadeaux direkt zur Sache. Ich beginne, als kleine Erziehungsmassnahme kleine Steine zu verschenken. Wir gehen wieder runter an die Strasse, dort ist mittlerweile der Markt in vollem Gange. Ich mache noch einige Fotos, z.B. von den Salzplattenverkäufern und von einigen Tuareg mit ihren blauen Gewändern, Turbanen und Säbeln. Richtig interessant wird es auf dem von einer grossen Mauer umgebenen Viehmarkt. Wir handeln den Eintrittspreis auf 1000 CFA runter. Drinnen gibt es Schafe, Kamele, Ziegen und Rinder, die in kleinen Gruppen zusammenstehen und von ihren Besitzern betreut werden. Hier ist die Tuaregdichte wesentlich höher. Oft sieht man kleine Gruppen von Männern verhandeln, dann werden die Geschäfte mit Handschlag besiegelt. Jetzt noch zur Main de Fatima aufzubrechen ist in der Mittagshitze zu Fuss sicher nicht so toll, mit dem Transport dorthin ist es auch nicht einfach. Ich plädiere für einen faulen Nachmittag im Campement mit duschen und Mittagessen. Angy hat keinen Hunger, also speise ich allein auf der kleinen Terrasse des einzigartigen case etage im Campement.
Gegen 16 Uhr unternehmen wir mit unserem patron und zwei Kanadierinnen noch eine kleine Wanderung zur Düne. Hier oben ist der ideale sunset point, wir sehen die Sonne genau hinter der Main de Fatima untergehen. So bekommen wir sie also in etwa 10 km Entfernung doch noch zu sehen. Wir trinken noch einen leckeren Tee auf der Düne und beobachten die versinkende Sonne. Ein sehr leckeres Abendessen auf der Terrasse im Licht einer Petroleumlampe beschliesst diesen erholsamen Tag. Es gibt Couscous mit Gemüsesauce, anschliessend Wassermelone. Wir schreiben noch etwas Tagebuch auf der Terrasse und dann gibts im Bett noch etwas afrikanische Musik vom Handy.


Bild BildMittwoch 27.12.06 - Hombori-Douentza-Niger

Heute geht es weiter. Mal sehen, ob wir es in einem Tag bis Timbuktu schaffen. Die sagenumwobene Stadt, für deren Entdeckung durch westliche Abenteurer und Forscher soviele Versuche nötig waren. Ob wir es heute einfacher haben? Zwischen acht und neun soll der Bus vorbeikommen, der uns zurück bis Douentza mitnimmt. Wir haben noch nicht das Guesthouse bezahlt, als schon ein Bus kommt. Er ist voll und nimmt niemand mit. Wir laufen vor bis zum checkpoint, bald soll noch ein Bus kommen. Der kommt tatsächlich bald, ist aber auch voll. Die beiden Kanadierinnen bequatschen den Fahrer solange, bis er sie doch mitnimmt. Sie müssen morgen wieder in Bamako arbeiten. Alle anderen bleiben stehen, vielleicht soll ja eventuell irgendwann später noch ein Bus kommen. Das klingt jetzt schon nicht mehr so optimistisch.
Laut Bradt Reiseführer fährt in Gao um 10 und um 13 Uhr noch einer los, aber bis der hier mal ankommt...Egal, andere Fahrzeuge gibt es nicht oder sie fahren nur bis zum nächsten Dorf. Wir brauchen aber etwa 160 km auf dieser Strasse. Also Rucksack als Rückenlehne in den Schatten und erstmal ein Nickerchen. Wir sind ja in Afrika, wo Zeit keine Rolle spielt. Gegen 11 werde ich aus meinen Träumen gerissen, es passiert etwas. Ein Truck ist gekommen, und viele der Wartenden springen auf. Es ist ein weisser Kühl-LkW mit offener Seitentür. Bis auf 8 Ziegen, etwas Sand auf dem Boden und viel Ziegenpisse ist er fast leer. Bis Dountza zahlen wir 2500, das ist günstiger als der Bus. Wir stoppen nur ganz kurz an zwei checkpoints, ansonsten brettern wir mit voller Geschwindigkeit über die gute Strasse. Auf der rechten Seite zieht die Main de Fatima an uns vorbei. Schnell ein Foto durch die Ladeluke, eine Ziege drängelt sich auch mit aufs Bild. Meine Ziege neben mir ist recht brav, dafür verscheuche ich ihr auch ein paar lästige Fliegen. Angy hat weniger Glück mit ihrem Nachbarn, die Ziege scheint sie sehr zu mögen. Nach nur 2 Stunden stehen wir in Douentza vor dem Restaurant Express. Wow, erste Etappe in Rekordzeit. Schnell wird klar, das es heute noch ein 4WD nach Timbuktu geben wird, es fehlen nur noch die Passagiere. Auch beim Preis gibt es noch Korrekturbedarf. Wir reduzieren ihn geringfügig von 25000 auf 15000 CFA pro Person. Während wir in unserem Reis mit Sauce stochern kommen weitere Passagiere für uns mit einem Landcruiser an. Die üblichen Vorbereitungen laufen an, kein Grund zur Hektik. Unser Reisepreis hat immerhin noch für die Vordersitze gereicht, auch nicht schlecht. Es ist schliesslich 16:30 als wir getankt haben und endlich den Ort verlassen. Am checkpoint will der chef de police meinen Pass sehen. Ah, pays de Klinsmann, tres bon.... Recht flott und ohne Pause geht es jetzt zwei Stunden über stellenweise recht sandige Piste weiter. Wir nutzen einige Nebenwege neben der nervigen Wellblechpiste. In einem Dorf hinter Bambara Maoundé halten wir an. Gebets- und Pinkelpause. Kurz vor Sonnenuntergang wird die hügelige Dünenlandschaft in ein zauberhaftes Licht getaucht. Es wird dunkel. Wir haben noch knapp 90 km vor uns.
Die Kilometersteine zählen rückwärts bis "Fleuve Timbuktu". Unser Tuareg Fahrer scheint die Strecke perfekt zu kennen, auch im Scheinwerferlicht hat er alles im Griff. Um 19:30 erreichen wir den Niger. Unser Fahrer flucht kurz und laut und schlägt mit der Hand aufs Lenkrad. War ihm vielleicht nicht klar, dass eine afrikanische Fähre nicht in stockdunkler Nacht fährt? Nach kurzer Diskussion werfen wir den Allrad rein und donnern durch zwei recht tiefe Wasserläufe auf eine schmale Landzunge. Links und rechts tauchen kleine Hütten auf, Lagerfeuer brennen. Wir halten an, Ende. Hier scheint der Ablegepunkt der Fähre zu sein. "On reste ici pour la nuit" lautet die kurze Ansage. Na prima, das wird wieder eine kalte Nacht. Im kleinen Imbiss neben unserem Fahrzeug erstmal was essen. Nebenan hole ich mir nen kalten frittierten Fisch, gar nicht so schlecht. Dann werden für uns Spaghetti mit leckerer Fleischsauce gekocht. Okay, wo nun schlafen? Der Besitzer der Imbissbude bietet uns später sein Nomadenzelt auf der anderen Strassenseite an, er bekommt 5000 CFA dafür. Direkt neben uns schläft seine Frau mit einem Kind unter einem Moskitonetz, wir hören nur ab und zu die Stimmen. Es ist nicht gerade warm, aber komplett angezogen im Leinenschlafsack geht es ganz gut auf der Holzpritsche. Es ist 10 Uhr, ich bin noch nicht müde.

Bild BildDonnerstag 28.12.06 - Timbuktu

Das war unsere spartanischste Übernachtung bisher, aber so schlecht war es nicht. Kurz nach Sonnenaufgang - ich bin noch nicht wirklich wach - beginnt jemand an meinem Fussende ein Feuer anzumachen um heisses Wasser zuzubereiten. Ich glaube, es wird Zeit aufzustehen... Ich gebe ihr ein kleines cadeau und wir bedanken uns für die Übernachtung. An der Fähre tut sich noch nichts, also erstmal einen süssen Kaffee geordert und dazu die letzten Kekse gefuttert. Wir laden die Rucksäcke wieder auf den Toyota und warten wann und wie es wohl weitergeht. Die meisten sehen noch sehr verschlafen und etwas fröstelnd aus. Der riesige umgebaute Feuerwehrwagen mit der Reisegruppe ist inzwischen auch eingetroffen. Neben uns an der Kaffeebude sitzen drei Italiener. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass ausgerechnet dieses verlassene Wüstennest von Timbuktu die höchste Dichte von Toubabous (Ausländer, Touristen) hat. Die Fähre (Baujahr 2002, Mali) kommt nun und es wird leicht hektisch. Mehr oder weniger geschickt werden die Geländefahrzeuge runtermanövriert, eins macht fast den Abgang in den Niger. Wenig später sind die wartenden Wagen auf der Fähre und es geht los. Aus 100 Meter Entfernung sieht unser Nachtlager nur noch ganz winzig in der weiten Wasserlandschaft des Niger aus. Auf der anderen Seite, etwas weiter westlich, liegt der Hafenort Korioumé, von wo aus wir noch etwa 15 km auf einer geteerten Strasse weiterfahren. Endlich erreichen wir den nördlichsten Punkt unserer Reise, das sagenumwobene Timbuktu. Die Stadt der Salzkarawanen und Händler, an der schon so viele Entdecker und Abenteurer gescheitert sind. Auch wir haben es nicht wie geplant gestern abend geschafft... Durch staubige und etwas vermüllte Strassen rollen wir die letzten Meter an schönen Häusern im sudanesischen Stil vorbei zum grande marché. Wir nehmen ein schönes, kühles Zimmer im "Sahara Passion", das etwas abseits der City am Rand der Wüste liegt. Ein sauberer Fussboden ist auch mal wieder schön nach so viel Sand und Staub in den letzten Tagen. Angy duscht kurz, danach überredet uns Ibrahim zu einem kleinen Tee-Frühstück im Haus seiner Schwester. Er ist Tuareg, ein guter Freund des Chefs vom Sahara Passion. Er zeigt uns jede Menge Fotos, unter anderem von den Kamel-Trekkings die er veranstaltet. Und nebenbei gibts auch noch eine kleine Verkaufs-Show für Tuareg Schmuck. Nach zäher Verhandlung entscheiden wir uns doch für einen kleinen Kamelausritt am Nachmittag.
Aber jetzt erstmal die Stadt anschauen, ohne Guide und lästige Anhängsel. Wir streifen durch den petit marché und entdecken dann das schön renovierte maison des artisans, ein Haus mit vielen Kunsthandwerkstätten. Oben ist ein kleiner Teesalon, unten sind um einen Innenhof herum die Werkstätten und Läden angeordnet. Die Tuareg sind wahre Verhandlungskünstler, aber wir schlagen uns tapfer. Ein Armreif, ein Tuareg-passport collier sowie zwei grosse Dolche wechseln die Besitzer. Danach entdecken wir noch einige der Häuser, wo die Entdecker wie René Caillie gelebt haben. Meistens sind dort heute Museen eingerichtet. Viele Häuser haben auch hier schön sanierte Holztüren und Fenster mit den typischen Metallverzierungen. Vorbei am grand marché gehen wir zum Hotel Bouctou, um schon mal nach einer pinasse für den Rückweg zu fragen. Auch hier gibts die Standardauskunft: 25.000 für die 2 Tage auf dem Schiff bis Mopti. Möglicherweise die letzte Möglichkeit vor dem Tabaskifest, also lassen wir das Boot für morgen buchen. Touré vom Sahara Passion kümmert sich drum. Schon wird es Zeit für unseren Ausritt. Ibrahim stellt uns seinen Cousin oder so vor, der uns auf unserem kleinen Wüstentrip begleitet. Okay, wir haben nur die ganz kleine Tour vereinbart, aber meine Befürchtung bestätigt sich. Wir werden nur mit den Kamelen geführt und beim Tee im Tuareg Zelt belagern uns weitere Souvenirverkäufer. Wenigstens auf dem Rückweg kann ich mal etwas Gas geben und den Galopp von meinem vierbeinigen Freund testen. Das geht richtig ab und ich muss mich teuflisch gut festhalten auf dem etwas unbequemen Sattel. Das Abendessen im Restaurant gegenüber vom Sahara Passion ist prima. Für 2.500 gibts einen super Spiess mit grünen Bohnen. Den Rest des Abends verbringen wir gemütlich im Zimmer, den Luxus hatten wir eine Weile nicht. Auch meine Kameraakkus freuen sich über eine frische Ladung Strom.

BildFreitag 29.12.06 - Timbuktu

Morgens ziehen wir los, um ein Frühstück zu finden. Es ist noch sehr ruhig, die meisten Geschäfte rings um den petit marché haben noch geschlossen. Wir finden nichts Passendes und kaufen nur ein frisches Baguette und ein paar Kekse für die Bootstour. Gegen zehn Uhr taucht unser Ticketverkäufer mit einem kleinen roten Peugeot am Sahara Passion auf. Nach einer etwas turbulenten Diskussion mit allen Umherstehenden einigen wir uns schliesslich auf den Taxipreis zum Hafen und los gehts. Dort zahlen wir Touré den restlichen Ticketpreis für das Boot. Er erklärt uns, dass die Fahrt mit der pinasse jetzt doch 3-4 Tage dauern wird, da der Bootsbesitzer unterwegs im Dorf seiner Familie Tabaski feiern will. Wir sind gespannt, was uns da erwartet. Wir kaufen in den kleinen shops am Hafen noch einige Bananen und viele Wasserflaschen für unterwegs. Eine Bastmatte auf den Bambusrohren am Schiffsboden wird unser Nachtlager sein. Gegen 14 Uhr bekommen wir eine grosse Schüssel Reis mit Sauce und einem kleinen Fisch obendrauf. Lecker. Die Bordverpflegung klappt also schon mal. Von anderen Passagieren oder irgendwelchen Vorbereitungen ist aber noch keine Spur. Später kommt noch ein Belgier an Bord, der uns einen leicht verwirrten Eindruck macht. Um 17 Uhr legen wir schliesslich ab, es sind nur eine Handvoll Passagiere an Bord. Die Crew besteht aus dem Steuermann, zwei Bootsjungen sowie dem Küchenteam, das auf zwei offenen Feuerstellen auf dem Holzboot kocht. Die recht grosse pinasse bietet sonst sicher locker für 100 Leute Platz, gar nicht schlecht. So können wir uns ein wenig ausbreiten und ein wenig umherlaufen. Das Wetter ist heute etwas merkwürdig. Seit dem Nachmittag ist hier am Fluss Dunst aufgezogen. Es gibt auch heute keinen Sonnenuntergang zu sehen, alles ist grau. Um 20 Uhr gibt es wieder Reis mit Fisch. Mit den vielen kleinen Gräten muss ich mich ganz schön rumplagen im schwachen Schein meiner kleinen LED-Lampe. Nach dem Essen ist die innere Bordwand mit einem chicen Fischgrätmuster verziert. Das diffuse Mondlicht ermöglicht die Nachtfahrt. Um 23 Uhr legen wir in einem grösseren Ort an, das könnte Diré sein. Einige Leute steigen aus und weiter gehts. Irgendwann später geht der Motor aus und das Boot macht irgendwo fest. Ich liege längst unter einem grossen Berg von meinen Klamotten, um die kalte Nacht halbwegs angenehm zu überstehen. Das klappt auch ganz gut, nur bei jedem Umdrehen gerät alles total durcheinander und es zieht kalt.

BildSamstag 30.12.06 - Gorom I

Langsam wird es hell und auf dem Boot wird es wieder lebendig. Als ich irgendwo das Wort "café" höre, krabbel ich unter meinem Klamottenberg hervor und schaue mich verschlafen um. Ich bekomme auf Wunsch auch eine Tasse Tee und dazu gibts mein restliches Baguette von gestern. Ein Blick über die Bordwand zeigt ein paar Häuser auf einer kleinen Insel. Jetzt bei niedrigem Wasserstand scheint sie mit dem Festland verbunden zu sein. Wir sind in Gorom, das wir auf keiner unserer Karten finden können.
Hier werden wir also nun den ganzen Tag verbringen und abends möglicherweise Tabaski feiern. Die Sonne taucht hinter den Gebäuden auf und ich suche mir eine windgeschützte Ecke an Land zum Aufwärmen. Ich überlege gerade, ob wir uns nicht ein kleines Camp am Ufer einrichten, als ein kleiner Sandsturm beginnt. Das sind sicher die Vorboten des Harmattan. Der feine Staub dringt in alle Ritzen. Langsam wird es richtig heiss, also zurück aufs Boot. Tagebuch schreiben. Nichtstun. Mit den Kids spielen. Musik hören. Mittags gibts den üblichen Reis mit Sauce und Fisch. Wir fühlen uns ein wenig eingesperrt hier. Gefangen auf einem Boot vor einer einsamen Insel, von der niemand weiss, wo sie ist... Dreimal am Tag eine eher spartanische Mahlzeit, meist mit den Worten: "Monsieur, manger". Das Französisch ist hier draussen nur sehr rudimentär. Am Nachmittag machen wir einen Spaziergang am Niger entlang. Es gibt keinen richtigen Weg, also laufen wir durch die Dünen, vorbei an einigen einzelnen Häusern. Ab und zu teffen wir auf Leute, die in den Feldern arbeiten. Eine grosse Rinderherde steht in einer Ebene, die sonst überflutet ist. Sonst gibt es nicht viel zu sehen. Auf dem Rückweg bläst uns der heisse Wind ins Gesicht. Es ist wieder so dunstig heute, kein blauer Himmel. Zurück auf dem Boot beobachten wir verschiedene Vorbereitungen fürs Fest. Plastikstühle und ein Motorrad werden im Fluss gewaschen. Am Abend warten wir vergeblich darauf, dass es beginnt. Nichts passiert, nur das Radio auf dem Nachbarschiff plärrt. Sonst ist nichts zu hören, kein Gesang, keine Trommeln, nichts. Vielleicht ist Tabaski ja ein ganz ruhiges und intimes Familienfest? Abends werden uns die Teller gereicht. "Manger". Der Fisch ist heute gegrillt und schmeckt ausgezeichnet. War das unser Festessen? An Bord finde ich eine riesige, kuschelige Acyldecke, ein Import aus China. Die ist jetzt unsere! Die Nacht wird damit sehr angenehm.

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Zuletzt geändert von Bernhard Heiser am Do 26. Mär 2009, 16:35, insgesamt 1-mal geändert.
Bernhard Heiser
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Re: Mali und Guinea Reisetagebuch

Beitrag von Bernhard Heiser »

Bild BildSonntag 31.12.06 - Gorom II

Um 7:30 gibts heute meinen Tee, dazu esse ich ein paar von den restlichen Keksen. Wann es wohl weitergehen wird? Wir verbringen den Vormittag auf der pinasse mit Lesen und Tagebuch schreiben. Später machen wir eine Runde an Land und schauen mal bei den Bewohnern unseres Mini-Dorfes rein. Das Fest steht wohl doch erst bevor. Wir sehen, dass die Ziegen in eine dunkle Ecke hinter einem Haus geführt werden. Dort wird ihnen die Kehle durchgeschnitten. Später wird ihnen das Fell abgezogen und sie werden von den Männern des Dorfes zerlegt. Damit ist also klar, dass Tabaski erst heute gefeiert wird. Das heisst aber auch, dass wir eine weitere Nacht auf dem Boot schlafen werden, ohne dass es weitergeht. Nach einiger Zeit werden die Gerippe und Keulen in einem 3x4 Meter grossen, offenen "Ofen" aufgestellt. Dieser besteht aus Lehmziegeln, aus denen ein gemauertes Viereck gebaut ist. In der Mitte brennt ein Feuer, dessen Glut immer nach aussen zum Fleisch hin verteilt wird. Mit der Zeit kommt der Ofen richtig auf Touren und nach Einbruch der Dämmerung wird das ein angenehm warmer Platz. Langsam wissen wir, wer wo im Dorf wohnt und zu welchen Familien die Unmengen kleiner Kinder gehören. Von denen werden wir regelrecht bestürmt, als Angy mal wieder eine ihrer Ü-Eier Aktionen startet.
Das ist genial, das ganze Dorf ist damit eine Zeit lang beschäftigt und alle haben ihren Spass. Um 20 Uhr wird das Fleisch eingesammelt und auf die einzelnen Familien verteilt. Wir werden in das Haus des Kapitäns gebeten, wo wir mit ein paar Jungs zusammensitzen. Dieses ist das einzige Haus mit einer Leuchtstofflampe, gespeist aus einer Autobatterie. Auch der Radiorekorder vom Schiff ist jetzt hier. Die beste Musik von den vielen Tapes ist von einer Frau. Klingt ziemlich modern und tanzbar, ich habe das schon vorher irgendwo gehört. Ich frage nach dem Namen, sie heisst Molobali Traoré. Ich muss mir unbedingt später ein Tape von ihr kaufen. Wir spielen mit den Jungs eine Runde Mau Mau, das hier ähnliche Regeln hat wie bei uns. Wir fühlen uns wie beim Warten aufs Christkind. Zwei von den Jungs starten so eine Art Hiphop Tanz, ziemlich cool mit ihren Sonnenbrillen. Dann geht das Festmahl schliesslich los. Wir bekommen eine Tasse mit Reissuppe gereicht. Schmeckt etwas fade, fast wie wässriger Milchreis ohne Zimt und Zucker. Dann kommt eine grosse Metallplatte mit einer riesigen Keule drauf. Die wird in viele Einzelteile zerlegt. Alle sitzen auf dem Boden um diese Platte herum und stürzen sich dann wie die Geier darauf. Einige Stücke schmecken hervorragend, andere sind etwas zäh und haben Sehnen. Ruckzuck ist die ganze Platte verputzt. Erst danach gibt es eine grosse Schüssel mit Reis. Okay, nun hatten wir also doch noch unser Festessen, aber der feierliche Rahmen fehlt etwas. Ich dachte eigentlich, dass es Musik und Tanz gibt und mehr in der Gemeinschaft gefeiert wird. Wir verabschieden uns für heute und gehen wieder an Bord. Heute ist der 31., das war also unser Silvesteressen. Was wird nun aus der Party? Es ist kalt und wir gehen erstmal in unser "Bett". Gegen 1 Uhr werde ich wieder wach. HAPPY NEW YEAR! Wir haben 2007 und etwas mehr als die Hälfte unserer Tour schon hinter uns.

BildMontag 1.1.07 - Gorom III

Als mein Tee fertig ist, krieche ich aus dem Leinenschlafsack. Es ist erst halb acht und immer noch recht kühl. Später taucht Angy mit einem Schälchen süsser Kartoffeln und einem Stück Ziegenfleisch auf. Mmhh, zweites Frühstück. Den Vormittag verbringen wir mit den kleinen Mädchen spielenderweise auf dem Boot. Sie lieben die Digitalkamera und lassen sich gerne fotografieren. Ich zeige ihnen auch das kleine Fotoalbum mit den Bildern von zu Hause. Gegen Mittag schaun wir mal, was sich im Dorf tut. Im Haus des Dorfchefs wird jemand rasiert. Eine Frau kommt vom Nebenhaus und reicht uns einen Teller mit gerösteten Fleischstückchen. Sehr gute Vorspeise. Wir gehen in das mittlere Haus zu den Frauen rüber um zu shen, was es sonst noch Leckeres gibt. Die süsse Kumba rührt in einem grossen Kessel mit Fleisch, hier sind wir richtig. Nach einigen Proben bekommen wir jeder eine Schale mit Reis und Fleisch. Mit so einer Ziege lässt sich eine wesentlich leckerere Sauce herstellen als sonst. - Nachmittag am Strand. Ich verziehe mich mit Wasserflasche, Handtuch und Handy auf die Steuermannsbank auf das Boot. Zwei Stunden "Cyberjam" Radiomitschnitt mit Sonne, Flussblick und "Meeresrauschen", perfekt. Abendessen an Bord, es gibt nur Reis. Am Abend gehen wir wieder ins Dorf. Die Männer sitzen alle im Haus ds Steuermanns und quatschen. Wir sollen uns dazu setzen, okay. Es läuft gute Musik von Ramata Diakité und jetzt wird Tee gekocht. Nach 2 halben Gläsern Tee, also etwa 1 Stunde später, reicht eine Frau eine riesige Platte mit Melonenstückchen herein. Gegen halb zehn zurück aufs Boot.

BildDienstag 2.1.07 - Weiterfahrt auf dem Niger

Wir glauben es kaum, aber wir legen schon um sieben Uhr ab, noch bevor es Tee gibt. Welch herrliches Geräusch, das Stampfen der beiden Diesel wieder zu hören. Wir fahren! Zwei Stunden später legen wir in Tonka an. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass wir wohl erst Mittwoch früh in Mopti sein können, also noch eine Nacht auf dem Boot. Das Schwesterschiff, die "Cisse et freres", hat heute neben uns festgemacht und wir fahren im Verbund. Beide Schiffe sind weiterhin fast leer. Es istimmer noch recht kühl, heute morgen sind es nur 18 Grad an Bord. Den Nachmittag verbringen wir auf dem Dach, von hier aus sieht man einfach mehr. Leider ist es immer noch sehr diesig. Schon gegen 17 Uhr versinkt die Sonne langsam im Dunst und wir klettern wieder nach innen. Wir stoppen kurz in Niafunké und kurz darauf in einem kleinen Dorf gegenüber zum Auffüllen des Brennholzvorrates. Unser Essen wird immer spärlicher. Unser Küchenteam hat irgendwelche grösseren Streitigkeiten, wir wissen nicht so genau um was es geht. Jedenfalls ist die Chefköchin nicht mehr gut drauf und motzt ständig mit allen rum. Um 21 Uhr sind wir in Tonka, also noch weit weg von Mopti. Ab in den Schlafsack. Hoffentlich können wir die ganze Nacht durchfahren.

BildMittwoch 3.1.07 - Mopti - Bamako

Wir fahren tatsächlich die ganze Nacht nonstop durch. Mit den ersten Sonnenstrahlen gehen wir wieder aufs Dach. Einige Fischerboote tauchen auf, aber von Mopti ist noch nichts zu sehen. Wir packen schon mal ein wenig zusammen, bald werden wir unser schwimmendes Zuhause verlassen. 5 Tage sind dann auch wirklich genug. Um 9 Uhr laufen wir in den Hafen von Mopti ein, geschafft. Wir buchen sofort ein Ticket für den Bittar Bus nach Bamako. Es soll auch noch genug Zeit fürs Frühstück sein, also schleift uns der Bittar Mann (tres chic, mit schwarzem Anzug) in eine Patisserie. Wow, die Zivilisation hat uns wieder. Mein Handy hat auch wieder Empfang, eine SMS von Viktoria kommt rein. Sie ist wieder aus Finnland zurück. Nach der langsamen Bootsfahrt fühlen wir uns jetzt wie im Flugzeug und geniessen den Komfort des schnellen Bittar Busses. Die Landschaft fliegt an uns vorbei, wir fahren etwa parallel zum Niger. Es ist immer noch dunstig und relativ kühl. Die üblichen checkpoints, ein kurzer Stop zum Mittagessen und dann halten wir wieder in Segou an der Bittar Station. Segou im Nachmittagslicht ist toll, gerne würde ich jetzt ein paar Fotos von den Geschäften mit den Wandmalereien machen. Beim nächsten Trip auf jeden Fall länger in Segou! Gegen halb neun laufen wir in Bamako ein und nehmen sofort ein sotrama in die Stadt. Es fährt bis zum Artisanat, von dort aus laufen wir zum Carrefour de la Jeunesse. Hier gibt es aber seit einiger Zeit keine Zimmer mehr, also weiter zur Mission Lebanaise, da war es ja nicht schlecht. Wir werden freundlich begrüsst und bekommen diesmal das Nachbarzimmer. Wir treffen Tobias und Mara aus Gütersloh, die ein altes deutsches Taxi in Bamako verkaufen wollen. Ein alter Daimler, Baujahr 90, 750.000 km. Hat in Deutschland 900 Euro gekostet und soll hier mindestens 3000 bringen, damit sich der Trip für die zwei rechnet. Scheint aber diesmal schwierig zu sein mit dem Verkauf. Nun ist es soweit, nach 5 Tagen mal wieder eine Dusche! Ein völlig neues Gefühl so sauber zu sein. Bei unserer Shawarma Bude gegenüber gehen wir noch schnell etwas essen. Wir quatschen noch ziemlich lange und gehen irgendwann nach Mitternacht schlafen. Es ist hier in der Stadt deutlich wärmer, dafür nerven die vielen Mücken etwas.

BildDonnerstag 4.1.07 - Bamako

Prima, heute nochmal ein ganzer Tag in der Hauptstadt und Zeit für diverse Einkäufe. Diesmal fühlen wir uns schon wesentlich vertrauter mit der Stadt und wissen viele Dinge zu schätzen, die uns zu Beginn gar nicht so aufgefallen sind. Nach dem üblichen Frühstück an der rue poincare an der Strassenecke neben der Mission geht es erstmal ans Wäschewaschen im sonnigen Innenhof. Gegen 11 ziehen wir zu Fuss los zum marché de N'Golonina, wo es viel Kunsthandwerk zu relativ günstigen Preisen geben soll. Gnadenloses Feilschen nach Tuareg-Art ist aber auch hier angesagt, sonst wird aus den günstigen Preisen nichts. Am Ende habe ich verschiedene Colliers und einen schönen Armring gekauft. Der Teppichhändler war zum Glück mit seinem Preis nicht flexibel genug, sonst hätte ich den Bogolan auch noch 2 Wochen mit mir rumschleppen müssen. Wir gehen weiter durch den Stadtteil Niarela und zum Hippodrom. Das Hippodrom Quartier zeichnet sich durch gepflasterte, saubere und sehr ordentliche Strassen aus, fast wie eine Fussgängerzone. Hinter dem Bahnübergang bleiben wir an einem kleinen CD-Shop stehen. Nach längerem Probehören wechseln noch zwei CDs den Besitzer, damit sind es heute insgesamt sieben. Nun noch ins Cybercafe, das ist direkt bei uns um die Ecke. Nach zwei Stunden im Netz ist es nun bereits dunkel draussen. Wir duschen kurz und brechen zu unserem etwas verspäteten Weihnachtsessen auf. Wir haben uns das Sukothai im Quartier du Fleuve ausgesucht. Wenn schon Weihnachtsessen in Afrika, dann in einem thailändischen Restaurant in Bamako, das von einem Belgier geführt wird... Wow, schon die Einrichtung ist genial, besonders wenn man wie wir ein paar Tage nur auf einem Boot gelebt hat. Der Eigentümer begrüsst uns persönlich und schon bald beginnen wir zu schlemmen. Mein Curry ist hervorragend und auch die Desserts sind ein Traum. Wir lassen zusammen 27.000 CFA dort, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Zurück in der Mission quatschen wir noch lange mit den Anderen. Eine Japanerin ist gerade angekommen, sie ist allein auf einem rtw Trip, ziemlich cool.

Bild BildFreitag 5.1.07 - Über die Grenze nach Kankan (Guinea)

Heute sind genau 4 Wochen unserer Reise rum und es geht nun weiter nach Guinea. Um sieben Uhr brechen wir auf und nehmen ein sotrama, leider fährt es über die Brücke und wir kommen nicht mehr raus. Zu dumm, es gibt dort einen Stadtteil mit sehr ähnlichem Namen. Also wieder zurück und noch ein Versuch. Diesmal landen wir wie geplant am gare routiere de Djikoroni. Das Timing ist perfekt, wir sind die Fahrgäste 8 und 9 im Peugeot Kombi. Wie wir mittlerweile wissen, bedeutet das noch lange nicht, dass er jetzt voll ist. Die Zeit reicht noch für Kaffee und Baguette, dann quetschen wir uns hinten rein und los geht's. Unser Auto hat bereits ein Kennzeichen aus Guinea. Nach etwa 130 km teils etwas steiniger Piste sind wir an der Grenze. Grosse Teile der Strecke sind schon perfekt asphaltiert, gesponsort von der EU. Nun die üblichen Formalitäten, ausstempeln, diverse Fragen und Papierkram, Visum, Einreisestempel. Mein Impfpass ist tief unten im Rucksack, ich versichere, dass ich einen habe und gut. Das der Ausreisestempel mit dem Datum im Pass fehlt, hat wohl keiner bemerkt. Egal, nun bin ich ja drin. Einer der Guinea-Grenzer will von mir eine Einladung nach Deutschland. Klar, wer will die nicht... Endlich alles fertig, Dach- und Kofferraumpassagiere wieder an Bord und nun nochmal die gleiche Strecke bis Kankan. Wenig spektakuläres, nicht mal eine Panne. Nur mein Rücken schmerzt ein wenig, ich hasse diese Plätze ganz hinten. Um 14 Uhr sind wir in Kankan und finden nach etwas Sucherei das Centre d'Acceuil, wie sich hier die mission catholique nennt. Wir bekommen ein sehr sauberes Zimmer mit Dusche und Waschbecken für 30.000, das sind grade mal 3,70 Euro für uns beide zusammen. Als nächstes ist Geldwechseln angesagt, damit wir unser Zimmer auch bezahlen können.
Die Bank ist nur zwei Strassen weiter und hat heute am Feitag sogar bis 16 Uhr auf, perfekt. An der Grenze haben wir die Angebote der zahlreichen Geldwechsler alle ausgeschlagen, da wir den richtigen Kurs nicht kannten. Die liefen dort alle mit riesigen Geldbündeln auf der Strasse rum. Der beste uns angebotene Kurs war 8000 Guinea Franc für 1 Euro. Hier in der Bank bekommen wir 8190 GF. Wir verlassen die relativ ordentliche Bank mit dicken Bündeln von 5000er und 1000er Banknoten. Ein Gefühl fast wie nach einem Banküberfall. Zusammen sind wir jetzt Millionäre. Im Hotel machen wir noch schnell ein Foto von unserer Beute und brechen dann zu einer ersten Erkundungstour in den Ort auf. Buntes Treiben auf dem Markt, wo es viele kleine Snacks gibt. Uns fällt auf, dass es mehr Auswahl und andere Waren als in Mali gibt. Wir probieren Fleischspiesse, frittierte Bananen-Honig-Bällchen und andere Leckereien. Am Milo-Fluss an der Brücke werden Autos gewaschen. Später komme ich beim Fotografieren mit einigen Schmieden ins Gespräch. Einer aus der Gruppe ist sehr an meiner Digitalkamera interessiert, er hat in Kankan einen kleinen Fotoladen. Duschpause und nächste Runde. Bei Dunkelheit ist Kankan noch sympathischer. Überall gibt es kleine Stände an der Strasse, beleuchtet nur von Petroleumlampen. Die meisten befinden sich in der Nähe der relativ grossen Universität. Wir probieren einen Teller mit Bohnen, Nudelsauce und Zwiebeln. Wir sehen zwar kaum, was wir essen, aber es schmeckt supergut. Kosten umgerechnet 18 Cent. Danach Kartoffeln mit irgendeiner Sauce und noch einen café noir. Beim Essen kommen wir mit zwei Studenten ins Gspräch, die am Nebentisch am Strassenrand sitzen. Wir erfahren, dass es möglicherweise ab dem 10.Januar im ganzen Land einen Generalstreik geben wird, der alles lahmlegt. Schlechte Aussichten, ohne öffentlichen Transport würden wir ziemlich feststecken. Die beiden empfehlen uns einen Besuch auf ihrem Campus, also machen wir das anschliessend. Die meisten Studenten scheinen auf dem Gelände auch zu wohnen. Danach noch ein kurzer Absacker im Hotel Baté. Das Skol-Bier schmeckt widerlich, aber einen Versuch war es wert.

BildSamstag 6.1.07 - Dabola

An einer grossen Kreuzung fahren die Sammeltaxis Richtung Conakry ab. Heute haben wir einen kleinen Toyota mit Schrägheck, der eigentlich für fünf Personen konzipiert ist. Wir sind sieben plus jede Menge Gepäck im Kofferraum und auf dem Dach. Abfahrt gegen neun Uhr, vorher noch Kaffee mit Gummibaguette und warten, bis unser Taxi vom Tanken zurück ist. Es ist eng, aber meinem Rücken geht es auf einem richtigen Sitz heute viel besser. Mit einigen Stops zum Schrauben und Pinkelpausen erreichen wir Dabola gegen 15 Uhr. Wir laufen an der Hauptstrasse entlang bis zum Hotel Tinkisso, benannt nach dem kleinen Fluss hier. Für 50.000 bekommen wir ein Top Zimmer mit Bad, Fliesen, Strom und Doppelbett. Es gibt sogar Seife, ein grosses Duschhandtuch und Klopapier. Jetzt erstmal eine Runde durch den Ort, wozu wir wieder ein Stück zurücklaufen müssen. Wir entdecken einen Markt und viele leckere Sachen an der Strasse. Der alte Bahnhof dient heute als Schreinerei. Unsere Eisenbahnplanung mussten wir schon in Kankan wieder verwerfen, da es auch dort im Bahnhof keinerlei Schienen mehr gibt. Vielleicht sollte das den Kartenverlegern mal jemand sagen? Wir kommen am kleinen Nachtclub vorbei. Dort soll heute abend was gehen, jedenfalls steht das mit Kreide auf die kleine Tafel geschrieben. Am Abend versuchen wir unser Restaurant im Hotel. Das wird allerdings eher eine Lachnummer. Wir bestellen, dann stellt sich raus, dass der Koch gar nicht da ist, aber bestimmt bald kommt. Als dann endlich jemand kommt, ist er scheinbar doch mit unserer Bestellung überfordert. Wir canceln Pfeffersteak und Curry wieder und gehen erneut in den Ort. Im "Te Quiero" gibts Bohnen mit Spaghetti, Mayo und Tomaten. Im Nachtclub Etoile ist nicht viel los, nur ein paar Kids gehen ein und aus. Es läuft wenig ansprechender Hip Hop. Weit hinter unserem Hotel stossen wir noch auf eine open air Party mit Tanz, scheint so eine Art Dorffest zu sein.

BildSonntag 7.1.07 - Dalaba

Aufstehen um 7 Uhr, wir wollen das erste Buschtaxi im Ort erwischen. Die Hotelrechnung bezahle ich mit einem Riesenbündel Geldscheinen, dann gehts los. Die vielen Minibusse, die abfahrtsbereit an der Strasse stehen, fahren nur bis zu einem nahegelegenen Markt. Unser Buschtaxi nach Mamou finden wir aber schnell, es fehlen noch 5 Passagiere. Wir bezahlen pro Person 23.000 GF und gehen erstmal frühstücken. Dazu kaufen wir ein frisches Baguette bei einem Strassenverkäufer, damit wir nicht wieder so ein Gummiteil angedreht bekommen. Danach geht es noch lange nicht los und wir hocken uns an die Strassenecke wo die Autos stehen. Wir beobachten verschiedene Streitereien. Einmal geht es um die Reihenfolge der Taxis. Die Schreierei wird schliesslich ziemlich laut und es gibt beim Reindrängeln in die Lücke ein paar Beulen im Auto, was aber bei dem Auto überhaupt nicht auffällt... Um halb zehn fahren wir dann los. Neuer Rekord: 12 Personen im sept-place Kombi. Die Strecke ist heute wesentlich abwechslungsreicher als gestern, es geht durch die Berge. Mit einem Mitfahrer tausche ich die Email-Adressen aus. Er ist begeistert, als er meine kleine Karte mit der Website über Laos sieht. Er hat einen Freund in Vientiane und war auch mal in Nong Khai. Die Welt ist klein. In Dabola möchte er gerne ein Internet-Cafe eröffnen. Er nennt sich "Funktionär", arbeitet in der Strassenbaubranche und macht irgendwas mit Brückenbau. Von ihm erfahren wir auch, dass der Generalstreik wohl abgesagt ist und beide Seiten sich irgendwie geeinigt haben sollen. Das Umsteigen in Mamou geht ganz fix. Nach einem von unserem neuen Freund organisiertem Deal fahren wir sofort in einem klapprigen Mazda weiter nach Dalaba, unserem heutigen Ziel. Das sind nochmal ca. 50 km mit teilweise heftigen Steigungen. Die kleine Schrottkiste ist mit insgesamt 8 Leuten plus Kind besetzt und schafft einen Berg nicht mehr. Wir steigen aus und laufen eine Weile zu Fuss. Beim nächsten Berg zerreisst es eine Zündkerze und wir bleiben mit einem lauten Knall liegen. Nach Bastelpause und erfolgreicher Weiterfahrt erreichen wir Dalaba um 15 Uhr. Wir wollen zum Hotel Tangama, wohin uns prompt 2 wichtige Männer in einem chicen Auto mitnehmen. Ihre Funktion wird uns nicht ganz klar, scheinen irgendwie für die Regierung zu arbeiten. Wir nehmen ein sehr geräumiges Zimmer mit Bad und zwei Doppelbetten. Kostet 40.000 GF, aber wir haben ja genug von dem Papierzeugs. Mücken scheint es hier oben nicht zu geben, wir sind immerhin auf 1200 m Höhe. Zu Fuss zum Markt, der nur heute am Sonntag ist. Erstmal gebackene Süsskartoffeln mit scharfer Sauce, herrlich. Schnell ein Blick in die riesige Moschee werfen. Angy darf zu ihrem Ärger da nicht rein, obwohl es sogar einen Gebetsraum für Frauen gibt. Ein kleiner Umweg führt uns durch Dörfer und Bananenplantagen zurück zum Hotel. Abendessen heute in einem edlen Restaurant eines Belgiers, es gibt Couscous. Während des einstündigen Stromausfalls wird es dort bei Kerzenschein richtig gemütlich.

Bild BildMontag 8.1.07 - Dalaba

Endlich mal wieder einen ganzen Tag lang am selben Ort. Ich schlafe lange und krieche erst um 9 Uhr unter der Bettdecke hervor. Ein ganz neues Schlafgefühl, richtig gemütlich warm und bei offenem Fenster. Heute wollen wir ein wenig die Umgebung erkunden, deswegen suchen wir erstmal nach dem kleinen Tourist Office. Es ist ganz in der Nähe unserer Unterkunft. Auch heute ist der Chef wieder nicht da, aber es soll bald jemand kommen. Wir ziehen das Frühstück vor und testen das kleine Lädchen gegenüber der Post. Nach ein paar Startschwierigkeiten gibt es doch etwas. Nach einem schnellen Einkauf auf dem Markt bekommen wir Baguette mit Mayo und Omelett, dazu Tee mit Milch und Zucker. Zurück beim Tourist Office erklärt uns nun jemand, dass wir Motorräder am Markt bei den Mechanikern bekommen können. Wir gehen erst noch zum Hotel, um die Karte und die Tourenbeschreibungen zu holen. Irgendwie haben sich unsere Pläne herumgesprochen. Vor dem Hotel bietet uns jemand sein Motorrad an. Wir einigen uns auf den Preis von 85.000 + Benzin. Nach dem Austausch des Hinterrades haben wir nun sogar Profil auf dem Reifen und können um 13 Uhr aufbrechen. Schnell noch 2 Liter in den Tank, dann gehts los auf der Strasse nach Pita. Nach etwa 5 km biegen wir nach rechts ab auf eine kleinere Piste nach Dittin. Die Piste ist relativ gut mit nur wenigen Schlaglöchern. Der kurvenreiche Weg führt uns rauf in die Berge durch eine wunderschöne Waldlandschaft. In Dittin fragen wir nach dem Weg und erfahren, dass wir schon etwas zu weit gefahren sind. Es war doch der kleine Weg am Flusslauf vor dem Ortseingang. Dieser kleine Pfad führt uns immer Richtung Süden, vorbei an zwei kleinen Dörfern. Ganz am Ende erreichen wir einen Zaun. Hier ist Schluss und es geht nur noch zu Fuss weiter. Unser Ziel ist der Wasserfall von Dittin, oder chutes de Dittin. Auf dem Parkplatz warten bereits ein paar Jungs auf uns. Zwei von Ihnen begleiten uns auf dem letzten Stück, die anderen passen auf das Motorrad auf. Wir laufen ein Stück durch den Wald, vorbei an einem ersten, kleineren Wasserfall. Nach etwa 15 Minuten erreichen wir den großen Fall.
Auch jetzt in der Trockenzeit donnert noch recht viel Wasser die etwa 80 m hohe Klippe hinunter und stürzt unten in einen riesigen Pool. Der Wind und die Gischt machen zusammen die perfekte Klimaanlage und wir geniessen die Abkühlung. Eine halbe Stunde und einige Fotos später gehen wir zurück zum Parkplatz. In Dittin tauschen wir und Angy fährt jetzt. Im Prinzip klappt das ganz gut, auch wenn sie die Karre bei jeder Gelegenheit abwürgt. Zurück in Dalaba fahren wir zum viewpoint des Hotel Fouta, wo sich uns durch das leicht dunstige Abendlicht eine fantastische Aussicht in ein Nebental bietet. Noch ein kurzer Stop beim case a palabre, das in einer Feriensiedlung der Regierung steht. Es diente in der Kolonialzeit als Versammlungshaus aller Bezirksverantwortlichen und ist heute wohl nur noch Museum. Man kann noch den kunstvoll verzierten Fussboden und die Muster in den Wänden bestaunen. Die Muster wurden mit einer Erde-Zement-Mischung angelegt und sind noch erstaunlich gut erhalten. Wir bedanken uns und geben dem "Hausmeister" 5000 fürs Aufschliessen. Nach dem Duschen gehen wir heute ins Restaurant Le Musee, das schräg gegenüber vom Belgier liegt. Von aussen sieht es wie ein ganz einfaches Privathaus aus. Drinnen finden wir eine schummrige boite mit grüner Beleuchtung. Wir sind zwar die Einzigen, die hier etwas essen, aber es ist perfekt. Unsere plat du jour besteht aus poulet, spaghetti, frites, salade, piment. Absolut genial.

Bild BildDienstag 9.1.07 - Labé

Die Weiterfahrt klappt problemlos. Wir sind die ersten Passagiere im zweiten Auto heute. Das kann also noch ein wenig dauern. Wir nutzen wie immer die Wartezeit fürs Frühstück. Auf dem Markt werden wir nicht fündig, also kaufen wir dort nur ein Baguette. Später finden wir eine kleine Strassenbar, aber der Chef hat nur café noir. Ich entscheide mich lieber für Tee mit Zucker. Kaum sind wir fertig, steht auch schon hupend unser Auto vor uns. Woher die nur schon wieder wissen....? Heute sind wir insgesamt zu siebt im Toyota Carina Automatik, das ist ja mal richtig komfortabel. Die 90 km auf der guten Strasse durch eine abwechslungsreiche Landschaft sind ruckzuck bewältigt, wir haben nicht einmal eine Panne heute. Gegen halb elf sind wir schon in Labé. Prima, so haben wir hier noch den ganzen Tag und können morgen (hoffentlich) weiterfahren. Mit zwei Moto-Taxis fahren wir zum Hotel Tata, dort nehmen wir für 115.000 eine der runden Hütten. Unsere bisher teuerste Unterkunft, aber die Hütten sind auch top ausgestattet und liegen in einem schönen Garten mit Bananenstauden und rot blühenden Bäumen. Wir machen eine große Runde durch die Stadt, in dern Mitte sich ein riesiger Markt befindet. Ich will eine Zeitung kaufen, aber die kommen wohl erst abends aus Conakry. Wenn sie denn geliefert werden, kann man sie in der Apotheke bekommen. Klar, wo auch sonst... An einer Tankstelle reihen sich lange Kanisterschlangen. Das Benzin scheint bald knapp zu werden, alle wollen sich vor dem Streik noch eindecken. Als ich das fotografiere springt jemand aus einem Auto und brüllt mich an, dass das doch sehr gefährlich sei und ich die Kamera lieber wegstecken sollte.
Wir wandern weiter und gehen auf dem Rückweg zum Hotel noch in ein relativ neues Internetcafe, eher so eine Art Business-Center. Die Stunde kostet hier 7.000, das ist ok für die sehr fixe Verbindung. Es gibt einige Antworten auf meinen letzen Tourbericht. Vik schreibt, dass sie wieder zurück in Tallinn ist und fleissig studiert. Danach drucke ich mir 3 Seiten mit aktuellen Nachrichten aus Guinea über die Streiklage aus. Das offizielle Treffen mit dem Präsidenten Lansana Conté hat wohl am Samstag doch nicht stattgefunden. Er war etwas stinkig wegen der gestellten Vorbedingungen und hat es kurzerhand abgesagt und Conakry verlassen. Letzendlich richtet sich der Streik ja auch gegen ihn und die allgemein schlechte Situation im Land. Am Abend gönnen wir uns eine Holzofenpizza im Hotel, das ist hier die grosse Spezialität. Schade, die Auberginen für meine Pizza sind leider aus, aber sie schmeckt auch ohne sehr gut. Später kommen noch zwei Franzosen mit einem ONG Fahrzeug (von einer Hilfsorganisation) und bestellen ebenfalls Pizza. Nachts liege ich lange wach, liegt wohl zunächst am späten Essen. Ausserdem ist eine gemeinsame Decke ziemlich mies, wenn sich Angy 1000 mal rumdreht nachts... Ab 1 Uhr nachts höre ich sehr viele Motorräder vorbeifahren. Die Hunde, Hühner und wer weiss was noch für Tiere machen einen Riesenlärm. Der Fahrzeuglärm hört nicht auf. Normal ist das mitten in der Nacht nicht. Der erste Streiktag steht uns bevor. Kommt jetzt die Armee und errichtet Strassensperren? Was wird uns im Morgengrauen erwarten?

Bild BildMittwoch 10.1.07 - Mali ville

Heute wird es spannend, ob uns der Streik in die Quere kommt und wir überhaupt weiterreisen können. Mit unserem Hotelpatron haben wir für 6:30 Frühstück vereinbart, aber er scheint verschlafen zu haben. Um sieben taucht er auf. Der Gärtner wird an die Strasse geschickt, um zwei Moto-Taxis für uns zu organisieren. In der Zwischenzeit gibt es Frühstück. nach einer halben Stunde taucht der Gärtner mit einem Moto auf. Das soll uns nun nacheinander zum gare voiture "Daka" bringen. Ich fahre zuerst. Die Strassen sind gespenstisch leer, alle Geschäfte haben geschlossen. Am Busbahnhof fahren tatsächlich einige wenige Minibusse. Den Bus nach Mali Ville sehe ich aber nur noch von hinten, zu spät. Angeblich soll noch einer fahren. Prima, dann fehlt jetzt nur nach Angy. Die kommt dann auch bald angefahren und kurz darauf sitzen wir auf den vorderen beiden Plätzen des zweiten Minibusses. Wenn die Fahrt klappt, kann uns jetzt nicht mehr viel passieren, da wir von Maliville aus zu Fuss weiter über die Grenze wollen. Die Piste ist von Anfang an sehr schön, besonders als es dann rauf in die Berge geht. Von Polizeikontrollen oder Strassensperren keine Spur. Nach etwa der halben Strecke erreichen wir Yembering und müssen das Fahrzeug wechseln. Der erste Minibus war vorher mit Reifenpanne liegengeblieben und kommt erst jetzt nach uns an. Er fährt weiter bis Mali Ville mit uns. Die Strecke wird immer schöner, bei ganz klarem Wetter wären das tolle Fotomotive. Unterwegs gibt es ein paar kleinere Verzögerungen. Einmal kocht der Kühler und später macht ein weiterer Reifen schlapp. Das zweiter Ersatzrad passt leider nicht, weil die Radbolzen zu lang sind.
Nach erfolglosem Rumgebastel läuft jemand los, nach Mali sind es noch 12 km. Zum Glück wird er später von einem Motorrad mitgenommen, so dass 2 Stunden später ein neues Rad da ist. Gegen 16 Uhr haben wir es geschafft, wir fahren ein in Mali Ville, dass wunderschön auf einer grossen Bergkuppe liegt. Nach einigen Schritten werden wir vom rührigen Chef des kleinen Touristenbüros in seinen kleinen Laden gebeten. Er trägt uns in ein riesiges Gästebuch ein, wir sind die ersten Deutschen dieses Jahr. Nach einem kleinen Vortrag über seine tollen Ort führt er uns zum Haus von Madame Nadine, die zwei sehr schöne Zimmer vermietet. Sie ist Französin, ihr guineischer Mann gilt als vermisst. Sie selber ist auch nicht da, aber der Gärtner und der patron kümmern sich um uns. Wir vereinbaren, dass wir zum Abendessen da sind und am nächsten Morgen frühstücken. Er geht dann später zum Markt und kauft alles ein. Wir gehen noch zu einem Aussichtspunkt hinter dem Haus und kaufen im Ort Wasser ein. Für ein super Doppelzimmer zahlen wir bei Nadine umgerechnet 3,70 Euro, für ein sehr reichliches Abendessen zusammen nochmal den gleichen Preis. Es gibt Reis mit sauce arachide, Kartoffeln mit Mayo, Tomaten und Avocadosalat mit leckerem Dressing.

Bild BildDonnerstag 11.1.07 - Mali ville

Um 9:30 treffen wir uns wie vereinbart mit unserem Tourist Chef in seinem kleinen Büro. Wir wollen heute irgendwas in der Umgebung unternehmen und morgen aufbrechen zu unserem Fussmarsch über die Grenze. Mit etwas Verspätung kommt Monsieur Souaré dann auch und erklärt uns voller Stolz alle seine Funktionen im Ort und schlägt uns ein Programm vor. Er ist sehr gebildet, das merken wir auch schon an seinen Vorschlägen. Er weiss recht genau, was Touristen interessiert und wie Backpacker unterwegs sind. Es läuft daraus hinaus, dass wir unsere Tour morgen an der Dame de Mali beginnen und die heutige Nacht im Campement B.E.V. verbringen. Das bedeutet also schon wieder umziehen und alles packen. Gut, dann bleiben jetzt noch 4 Stunden für Erkundung der Umgebung. Die meisten Geschäfte rund um den Markt sind geschlossen, heute ist der 2. Streiktag. Egal, wir bekommen alles, was wir so brauchen mit etwas Sucherei. Um 14 Uhr sind wir mit M.Souaré zum Mittagessen verabredet. Seine beiden Jungs warten im Office, er kommt später auch. Wir gehen mit ihm ein paar Strassenecken weiter zu einem Haus, das von aussen nicht als Restaurant oder sowas zu erkennen ist. Drinnen sitzt eine dicke Mama auf einem Schemel und herrscht über einen riesigen Topf mit Reis und diversen Schüsseln mit Saucen. Einige Männer sitzen auf langen Bänken um 2 Tische herum, wir finden neben ihnen noch Platz. Für uns drei bekommen wir eine riesige Platte mir Reis, leckerem Fleisch und 2-3 Kartoffeln. Dazu eine Dose Piment. Völlig vollgefressen holen wir unsere Rucksäcke und brechen zum Campement im Dorf von M.Souaré auf. Zwei von den Jungs aus seinem Dorf begleiten uns, sie werden morgen unsere Guides sein.
Der Weg geht etwa 7 km über eine Bergkette. Unterwegs sehen wir bereits zum ersten Mal die Dame de Mali, ein Felsen auf einem Berg mit der Silhouette einer Frau. Im Dorf entscheiden wir uns für eine der Hütten oben auf dem Aussichtspunkt. Die gesamte Dorfjugend versammelt sich kurz darauf auch hier, froh über die Abwechslung. Ständig kommt jemand in die Hütte, um irgendwas zu fragen, die Hütte zu fegen (bloss nicht, staubig genug hier), oder die Details des Abendessens abzustimmen. Poulet gibt es wohl doch nicht, also nehmen wir Couscous mit Sauce. Man sagt uns, die Köchin sei wohl etwas difficile, das mit der Sauce geht wohl ohne Fleisch auch nicht... Das Highlight wird jedenfalls eine riesige Salatplatte mit grünem Salat, Tomaten, Zwiebeln, Ei, Vinaigrette. Wir verputzen diese bis aufs letzte Blatt und anschliessend frage ich noch nach einem Tee gegen meine Halsschmerzen. Wir halten in unserer Hütte noch einen Plausch mit dem Touri-Chef, der eine grosse Thermoskanne mit Kräutertee mitbringt. Er ist zufrieden wieder Gäste zu haben. Die Nacht wird in der Hütte recht windig und ich schlafe wieder mit einem T-Shirt als Schal.

Bild BildFreitag 12.1.07 - Über die Grenze nach Dindefelou (Senegal)

Es ist wieder Freitag, wie schon so oft steht die Überquerung einer Grenze an. Nachdem frühstückstechnisch nichts passiert, gehen wir um kurz vor acht runter ins Dorf. Ein kleiner Junge rennt los und weckt unsere beiden Guides aus dem Tiefschlaf. Kurz darauf erscheint auch M. Souaré und erklärt uns anhand eines grossen Kassenbuches die Buchführung des Campements. Alle Einnahmen aus der Vermietung der Hütten und die Aufteilung des Geldes sind genau aufgelistet. Es gibt eine Notkasse, falls im Dorf jemand krank ist, die Wasserversorgung repariert werden muss oder eine Hütte brennt. Vor unseren Augen werden die Guides ausbezahlt, jeder bekommt 80% der Summe, die wir zahlen. Jetzt noch 2 grosse Tassen Tee und etwas Brot, das ist ein guter Start in den Tag. Um kurz vor neun geht's endlich los, es ist jetzt schon gar nicht mehr kalt. Schon nach kurzer Zeit geht es relativ steil bergab zum 1. Dorf. Ich bin ganz froh, heute nur den kleinen Rucksack tragen zu müssen. Es geht zügig voran, Dorf um Dorf. Wir machen ab und zu eine kurze Pause zum Trinken ofer Fotografieren. Ich habe nur 2 Liter dabei, mal sehen ob das reicht. Wir erreichen einen wunderschönen Aussichtspunkt mit vielen Felsen und goldgelbem, vertrocknetem Gras. Hier machen wir eine weitere Pause, bevor es wieder steil bergab geht. Der Ausblick in die weite Landschaft unter uns ist genial. Bei klarem Wetter könnte man sicher schon bis in den Senegal sehen, obwohl die Grenze noch weit weg sein muss. Über eine Art Leiter aus vertrockneten Ästen geht es in einer Felsspalte bergab. Danach wird der Weg etwas flacher und langsam wird es immer heisser. Gegen Mittag machen wir Rast in einem grösseren Dorf. Wir relaxen unter einem schattigen Dach. Der sehr starke grüne Tee haut mich fast um. Ich kaufe noch ein paar Orangen, direkt vom Baum gepflückt. Als wir weitergehen, knallt die Sonne wieder gnadenlos.
In der Ebene gibt es nur sehr wenig Schatten. Irgendwann erreichen wir den Fahrweg, kreuzen ihn und gehen weiter durch den Busch. Später müssen wir durch einen Fluss waten. Als wir danach einen flachen Hang hochlaufen, sagt einer unserer Guides ganz beiläufig "C'est la frontière ici". Aha, das muss man aber wissen, wir sind nun also im Senegal. Perfekter kann eine grüne Grenze nicht sein. Mit uns zusammen geht schon seit einiger Zeit ein älterer Mann mit einer grossen Tasche auf dem Kopf. Er gehört zu einer Gruppe von Leuten, die im Senegal nach Arbeit suchen will. Jetzt müssen es noch etwa 8 km bis Dindefelou sein. Wir durchqueren eine grosse Wiese mit zahllosen Termitenhügeln, danach geht es nochmal einen steilen Abhang durch den Wald hinunter. Um 18:15 Uhr erreichen wir ziemlich erschöpft das Campement de la Cascade. Mein Wunsch geht in Erfüllung, es gibt hier tatsächlich ein Bier! Noch nie habe ich eine Flasche lauwarmes Flag so genossen. Nach einer kurzen Pause verabschieden sich unsere beiden Guides, die beiden wollen heute noch zurück bis hinter die Grenze und in einem der Dörfer kostenlos schlafen. Wir geben ihnen noch zwei Schlüsselanhänger und die Stirnlampe von Angy als Geschenk mit. Nach dem Essen verbringen wir eine gute Nacht in der Rundhütte. Die Erholung haben wir uns nach der ca. 40 km Fusstour auch verdient. Auch die Handys dürfen auftanken, im Campement gibt es Solarstrom.

Bild BildSamstag 13.1.07 - Kedougou

Ab jetzt wollen wir es etwas ruhiger angehen, die letzte Woche bricht an. Zumindest ist das unser Plan... Am Morgen laufen wir 20 Minuten zu den cascades, die dem Campement seinen Namen geben. Der Weg dorthin ist schön, vorbei an im Bach wäschewaschenden Frauen und durch dichtes Dschungelgestrüpp. Am Wasserfall ist es schattig und windig, mir zu kalt für ein Bad im Pool. Nix für die Halsschmerzen, die immer noch nicht ganz weg sind. Etwa 100 m rieselt das Wasser an einer breiten Felswand hinunter, unten kann man sich prima duschen. Angy macht reichlich Gebrauch davon. Zurück im Camp organisieren wir 2 Motorradtaxis, die uns ins 40 km entfernte Kedougou bringen sollen. Zunächst gehts über eine sandige Schlaglochpiste bis Segou, etwa 5 km hinter dem Campement. Hier holen wir uns beim Polizeiposten unseren Einreisestempel. Das klappt völlig problemlos. Wir erzählen, dass wir von Maliville aus zu Fuss über die Grenze sind. Die beiden scheinen hier eine sehr ruhige Kugel zu schieben. Wichtigstes Möbelstück ist wohl der Liegestuhl im Hof. Kundschaft wie uns haben sie wohl nur selten, die meisten Einträge im Grenzbuch stammen aus von Afrikanern aus Guinea. Zurück zu den Motos und weiter durch schöne Landschaft und schlechte Piste. Es wird immer flacher, aus den hohen Bergen sind wir nun raus. Nach etwas Sucherei lassen wir uns am Campement Banetamba (?) in Kedougou absetzen. Da es gerade keinen Strom gibt, reduziert sich der Preis für die schöne Hütte auf 5000 CFA. Ab jetzt müssen wir wieder mit richtigem Geld bezahlen.
Heute mittag sind es bestimmt 35 Grad im Schatten. Solche Temperaturen hatten wir oben in den Bergen nicht. Erstmal eine gazelle (senegalesisches Bier) und dann unter die Dusche. Wow, perfekte Erfrischung rundum. Danach laufen wir mal in den Ort rein. Kedougou liegt doch nicht so malerisch direkt am Fluss, wie ich mir das vorgestellt habe. Der Gambia River ist aber auch nicht weit weg. Auf den ersten Blick hat Kedougou ausser einigen Campements nicht viel zu bieten, aber irgendwie finden wir den kleinen Ort dann doch recht sympathisch. Es gibt einen kleinen Markt, verschieden gut sortierte Lebensmittelläden und einige kleine Restaurants. Abends wenig Strassenbeleuchtung an ein paar Kreuzungen, sonst ist alles dunkel. Vereinzelt scheint Licht aus den Häusern und ein paar Geschäften. Wir essen zu Abend im le Calebasse, einer grossen Kneipe mit schummriger Beleuchtung. Hier treffen wir die beiden Mädels von dem Wasserfall heute morgen wieder. Wir essen Tiebou Dienne und steak frites, beides sehr gut. Für den Black & White Club ist es sicher noch zu früh, ausserdem habe ich immer noch leichtes Fieber.

Unsere Reise geht weiter über Kaolack nach Tobab Diallo, wo wir noch 2 relaxte Tage am Strand verbringen. Danach geht es zurück nach Dakar, wo wir unsere kleine Runde nach etwa 5000 km wieder schliessen. Afrique de l'est, à bientot!



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Auf Afrika-Reiseberichte gibt es mehr und grössere Fotos unserer Reise sowie weitere Fotos aus Ghana, Senegal und Burkina Faso.

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