
R e i s e t a g e b u c h...M a l i...u n d...G u i n e a
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Freitag 8.12.06 - Anreise nach DakarEndlich. Den Urlaub habe ich mir nach einem erfolgreichen Jahr wirklich verdient. Meine erste Tour nach Afrika liegt nun schon wieder ein Jahr zurück. Bei der Vorbereitung kam schon viel Freude auf. Diverse Mittagspausen habe ich in dem kleinen Park in Karlsruhe verbracht und Reiseführer und Berichte gelesen, jetzt geht es tatsächlich los. Mit U und S-Bahn von Stuttgart nach Leonberg, wo Volker pünktlich auf mich wartet. Ich bin der einzige Mitfahrer. Ohne Stau geht's nach Mörfelden. Kurz bevor wir ankommen, beginnt es heftig zu regnen, so macht die Abreise noch mehr Spass. Am Flughafen habe ich noch reichlich Zeit, aber nun folgt erstmal das Condor Chaos beim Check-In. Riesige Schlangen, zu wenig Personal.Das Boarding hat schon begonnen, als ich endlich am Gate ankomme. Wir warten noch auf weitere Passagiere und fliegen schliesslich mit einer Stunde Verspätung los. Kleinere Maschine als üblich, daher Tankstop auf Gran Canaria. Dann weiter nach Banjul, alle müssen raus und durch den Transit. Grrrr, eigentlich sollte es ein Direktflug sein. Gegen 0:30 Uhr sind wir in Dakar, die Zollkontrolle dauert ewig. Ab jetzt ist das egal, ich bin in Afrika. Der Vorteil ist, dass Angy kurz nach mir mit dem Flieger aus Lissabon ankommt und wir nun zusammen zum Keur Diame fahren können. Hans aus Kärnten und sein Bike nehmen wir auch mit. Er wird Montag zu einer Fahrradtour durch den Senegal aufbrechen. Es ist relativ frisch in Dakar mit nur 23 Grad. Hundemüde fallen wir ins Bett.
Samstag 9.12.06 - Parcelles Assainies (Dakar)Erstmal ausschlafen und ein gutes Frühstück im Keur Diame. Angy geht es immer noch schlecht, das fing im Flugzeug plötzlich an. Gegen Mittag brechen wir zu einer Runde durch den Vorort von Dakar auf. Zuerst zum Strand und dann durch die vielnen kleinen Strassen von Parcelles Assainies. Es gibt heute am Samstag einige Hochzeitsgesellschaften mit grossen Zelten quer über die Strassen. Den Nachmittag verbringen wir recht faul mit Lesen und Abhängen auf der Dachterrasse. Um 20 Uhr gibt es Esen. Typisch afrikanisch: Bayerische Bratwurst und Rösti. Dazu grünen Salat und Obstsalat als Dessert. Naja, unsere Gastgeberin Ruth kommt eben aus der Schweiz...
Sonntag 10.12.06 - TambacoundaNach dem Frühstück geht es heute los. Hans startet auch, er will heute 90 km bis Mbour fahren. Wir nehmen ein Taxi bis Pompiers (Busstation) und von dort ein taxi brousse bis nach Tambacounda. Wir sind etwa 10 Stunden unterwegs mit einer längeren Pause in Koungheul, wo am Auto irgendwas geschraubt werden muss. Etwa 2 Stunden sitzen wir an der Dorfkreuzung rum. Zwischendurch ein Stück Baguette mit Fleisch und Zwiebeln und eine Coke. Gegen 18 Uhr sind wir in Tamba, wo wir nach etwas Sucherei das "Bloc Gadec" erreichen, unser Quartier für heute Nacht. Heute am Sonntag macht die Stadt einen sehr ruhigen Eindruck. Nach der langen und staubigen Fahrt haben wir uns jetzt erstmal ein gazelle in der kleinen Bar nebenan verdient. Abendessen im Le Relais du Rail, wo es prima poulet frites gibt. Heute schlafen wir unter Moskitonetzen, im Bad wimmelt es von Mücken. Morgen soll es weiter gehen über die Grenze nach Mali.
Montag 11.12.06 - KayesUm 5:45 Uhr klingelt der Wecker, kurz danach steht tatsächlich unser Frühstück bereit. Für 300 CFA nehmen wir ein Taxi zum gare routiere. Ein 7-place fährt von dort nach Kidira, dem kleinen Grenzort. Heute haben wir eine fast neue Strasse, auf den 180 km bis zur Grenze gibt es kein einziges Schlagloch! In Kidira halten wir an der Polizeistation, wo es den Ausreisestempel gibt. Zu Fuss gehen wir weiter noch etwa 2 km zum Fluss und dann links über die Brücke. Der Fluss markiert die Grenze zwischen Senegal und Mali. Auf der Brücke kommen uns einzelne Männer auf Fahrrädern sowie eine Ziegenherde entgegen. Bienvenue au Mali! Diboli ist ein ganz kleines Örtchen auf der anderen Seite der Brücke. Gegenüber vom Bahnhof finden wir die winzige Polizeistation. Alles wirkt hier ein wenig wie die Kulisse in einem drittklassigen Western... Die Uniform des Zöllners besteht aus einem alten blauen Wintermantel, sieht aber cool aus. Er fragt nach Pass und Stift und bekommt einen Kuli als cadeau. Unsere Daten werden mit viel Sorgfalt in ein riesiges, altes Buch eingetragen. Ich darf sogar ein Foto von ihm machen, aber das gibt später etwas Stress mit seinem Chef. Trotzdem fühlen wir uns hier sehr sympathisch willkommen, alles andere als Massenabfertigung. Zurück an der Hauptstrasse finden wir den kleinen gare routiere. In einer Bretterbude werden an einem alten Holztisch Tickets verkauft. Um den Tisch herum steht eine Traube von Menschen, alles ist sehr hektisch. Die letzten Plätze im Bus Richtung Kayes gehen wohl gerade weg. Ok, wir nehmen also ein 7-place, was dann auch bald losfährt. Eigentlich müsste es hier 9-place heissen, viel Platz haben wir wirklich nicht... Nach wenigen hundert Metern halten wir an einem Checkpoint.
Hier werden unsere Pässe nochmal kurz kontrolliert, die anderen Passagiere müssen in ein kleines Gebäude neben der Strasse. Zeit für ein paar Fotos an den Essensständen und Verkaufsbuden hier. Ein hübsches junges Mädchen erlaubt mir ein Portrait. Die Frau aus Kamerun aus unserem Taxi und 2 weitere steigen in einen Reisebus um, der auch hier wartete. Jetzt haben wir deutlich mehr Platz im Auto. Die alten Ölfässer werden zur Seite geschoben und wir können weiterfahren. Jetzt noch 90 km bis Kayes, auch hier eine gute Strasse. Gegen 14 Uhr sind wir dort. Wir waren heute 7 Stunden sehr angenehm unterwegs mit etwas Fussmarsch und viel Abwechslung zwischendurch. Das "Relais de centenaire" finden wir ohne Umwege und nehmen dort ein schönes Zimmer. Am Fluss entlang gehen wir in die Stadt. Auf der linken Seite, noch vor der Brücke, finden wir einen interessanten Markt. Dort kommen wir mit einigen Marktfrauen ins Gespräch, haben viel Spass mit den kleinen Kindern und starten die erste Ü-Eier-Aktion mit Fotosession. Genial, was kleine Geschenke und eine Digitalkamera alles bewirken können. Bis in die Abenddämmerung ziehen wir durch die Strassen von Kayes. Viele gute Fotomotive, aber die meisten sind problematisch, da Fotografieren hier eher nicht so gern gesehen wird. Da müssen wir uns in Mali drauf einstellen. Entweder man braucht sehr viel Zeit um mit Leuten erstmal ins Gespräch zu kommen, oder die Fotos müssen irgendwie unbemerkt entstehen, was mit einer kleinen Kamera noch halbwegs machbar ist. Auf dem Rückweg Einkehr auf der Terrasse des Hotel Khasso. Bei kühlem Bier und poulet frites kommen wir mit einigen anderen Travelern aus Neuseeland, England und Holland ins Gespräch.
Dienstag 12.12.06 - KayesSchon wieder früh raus heute. Frühstück gibt es hier um sechs Uhr noch nicht. Wir ziehen gleich los zum Bahnhof. Auf halber Strecke finden wir noch ein Taxi. Am Bahnhof ist noch absolut nichts los. Kein Wunder, heute fährt nämlich doch kein Zug nach Bamako. Erst morgen mittag wieder, na toll. Gegenüber auf dem Platz gibts aber nette Frühstücksbuden, also erstmal Omelett, Baguette und süssen Kaffee. Auf der anderen Seite vom Senegal Fluss soll ein gare routiere sein.
An der alten Furt durch den Fluss gibts viel zu sehen. Frauen waschen Wäsche im Fluss, Eselskarren kommen uns entgegen. Am anderen Ufer überqueren wir einen kleinen Ziegenmarkt, wo Tuareg-ähnliche Männer ihre Viecher verkaufen, nachdem sie einzeln im Fluss gewaschen wurden. Wir wollen versuchen nach Kita zu fahren, um von dort morgen den Zug zu erwischen. Ein grosser Bus fährt eine andere Strecke nach Bamako, den wollen wir nicht nehmen. Schliesslich fahren wir nach langer Warterei gegen Mittag mit einem zum Bus umgebauten Truck bis Diangoute-Kamara, wo wir gegen 16 Uhr ankommen. Zu spät, um auf der kleinen Nebenstrecke mit einem LKW nach Kita weiterzukommen. Wir sagen einem Jungen, dass wir ein Zimmer suchen. Er führt uns zunächst durch eine Schule und dann zum Haus des Bürgermeisters. Der Sekretär empfängt uns im Innenhof und bietet uns zwei Stühle an. Ein wenig Smalltalk und Fotos aus der Heimat zeigen bis der Chef kommt. Wir werden in eine Art Garage einquartiert, wo er sein Motorrad drin geparkt hat. Eine Bastmatte auf den Steinboden und fertig ist unser Bett. Der "Gärtner" ist ab sofort für unsere Sicherheit und unser Wohlbefinden verantwortlich. Mit ihm als Guide folgt eine Runde durch das Dorf. Es ist größer als erwartet und wunderschön. Es gibt verschiedene Viertel mit palabre, Brunnen und unzähligen Lehmhütten mit runden Strohdächern. Ausserdem sehen wir viele Speicherhäuschen, die wir schon von den Fotos aus dem Dogonland kennen. Schon bald haben wir eine bunte Kinderschar hinter uns und es gibt wieder einige lustige Fotos. Zum Schluss besuchen wir kurz die Familie des Gärtners. Für die Kids der Familie haben wir kleine NOtizbücher und Stifte dabei. Dann kurze Eimerdusche hinter der Garage, dann zur Strasse um etwas zu essen. Im Licht einer Petroleumlampe gibts Reis mit Sauce und Millet. Danch noch ein Kaffee und gut. Die Nacht auf dem Fussboden wird relativ hart, aber es ist warm und eigentlich ganz ok.
Mittwoch 13.12.06 - Warten auf den TruckWir packen unser Zeug zusammen und verabschieden uns von unseren Gastgebern. Die Übernachtung kostet nichts, noch nicht mal nach einem cadeau werden wir gefragt. An der Strasse gibts Kaffee und Baguette und wir schaun was um uns herum passiert. Nach kurzer Zeit kommt der "Bürgermeister" auf seinem Motorrad und stellt uns den Chef der Transport-Kooperative vor. Der soll nun herausfinden, ob es einen Truck nach Kita gibt heute. Gegen Mittag verlegen wir unseren Warteplatz in eine kleine Hütte, langsam wird es heiss.
Es kommen einige grosse Busse nach Bamako vorbei, aber kein einziges Fahrzeug biegt auf die Lateritpiste nach Kita ein. Auch so ist es ein interessanter Tag, einfach mal das Leben auf der Strasse beobachten. Wir sehen mindestens acht der riesigen, neuen Tanklastzüge von Ben & Co., die vermutlich Sprit aus dem Senegal liefern. Gegen 14:00 hat sich immer noch nichts getan, langsam wird es für die geplante Strecke zu spät. Also wechseln wir die Strassenseite, um den nächsten Bus nach Bamako zu nehmen. Die grossen Busse sind wohl heute alle schon durch. Schliesslich kommt ein klappriger grüner Transporter und weg sind wir. Schon im nächsten Dorf muss jemand mit dem Kanister loslaufen um irgendwo Diesel zu besorgen. Nach weiteren 30 km erreichen wir einen staubigen Platz an der Abzweigung nach Diema. Nun haben wir das erste Mal Glück heute. Es sind nur noch 5 Passagiere übrig nach Bamako, wir steigen um in einen privaten Toyota Landcruiser, welch ein Luxus. Ist wohl so eine Art Mitfahrgelegenheit, die der Transporterfahrer organisiert und bezahlt hat. Zunächst ist die Strasse noch super, dann gibts Split und später eine Baustelle. Wir fahren auf der alten Piste nebenan weiter und können den Allrad so richtig ausnutzen. Manchmal tuts einen harten Schlag, wenn unser Fahrer eins von den riesigen Schlaglöchern übersehen hat. Merde! Der Staub bleibt dank Klimaanlage draussen und auch die malische Musik vom Tape ist perfekt. Es wird dunkel, und noch keine Hauptstadt in Sicht. Gegen 21:30 sind wir schliesslich am Ziel und steigen in der Nähe vom Bahnhof aus. Von hier sind es nur ein paar Schritte zur Mission Libanaise, die wir uns als Domizil auserkoren haben. Wir laufen zunächst vorbei, an der verrosteten alten Eisentür in der dunklen Nebenstrasse gibts kein Schild. Wir bekommen ein grosses Doppelzimmer in einem Gebäude mit Wellblechdach im Innenhof. Es sieht hier etwas wild aus, überall wächst Unkraut und kleine Sträucher. In dem Hof stehen die alten Zugmaschinen von zwei Trucks. Wir sind hungrig. An der Avenue du Fleuve hat noch eine Shawarmabude offen, sonst ist das Viertel wie ausgestorben um diese Zeit.
Donnerstag 14.12.06 - BamakoErstmal ausschlafen, dann Kaffee mit Baguette in einer belebten Seitenstrasse neben unserer Herberge. Es folgt ein Bummel durch das Viertel rund um die grosse Moschee und durch den marché artisanal. Weiter zum Niger.
Auf einigen Strassen ist wirklich voll das Verkehrschaos, aber die Nebenstrassen sind ganz ok und manchmal sogar kleine grüne Oasen. Am Nachmittag machen wir uns auf zu Eva, einer Cousine von Angie. Mit einem grünen sotrama Minibus fahren wir über die Nigerbrücke und kurz dahinter geht es zu Fuss weiter in ein Viertel mit vielen Hilfsorganisationen und NGO's. Irgendwann finden wir schliesslich die rue17. Bei Eva und ihrem britischen Mann gibt's Filterkaffee und Brot mit fränkischer Leberwurst. Dafür nun die weite Reise? Nach reichlich Smalltalk laufen wir am Niger weiter bis zur westlichen (neuen) Brücke. Schöne Abendstimmung am Fluss, wir kommen durch ein kleines Dorf mit vielen Gemüsegärten. Auf der Brücke ist extremer Smog in der rushhour, aber dafür werden wir mit einem schönen Sonnenuntergang über dem Niger entschädigt. Den Abend verbringen wir im Quartier Hippodrome, wo es viele Kneipen und Restaurants geben soll. Wir essen im Le Relax. Im Nightclub nebenan ist wohl eher am Wochenende was los. Mit einem Taxi fahren wir für 1000 CFA zurück.
Freitag 15.12.06 - BamakoWir beschliessen, doch noch einen Tag länger in der Hauptstadt zu bleiben und schon jetzt das Visum für Guinea zu besorgen. Anrufen beim Konsulat klappt mit dem Handy nicht, also nochmal über die Brücke fahren und nach ca. 2 km links. Heute finden wir unser Ziel gut. Nach etwa einer Stunde sind wir an der etwas versteckten Botschaft, die wir an der Fahne auf dem Dach erkennen. Hier werden wir freundlich und zuvorkommend bedient. Schon gegen Mittag können wir wiederkommen und die Pässe abholen.
Stolzer Preis für ein Visum: 46.500 CFA. In der Zwischenzeit besuchen wir ein Internetcafe in der Nähe. Auf dem Rückweg nach Hause besuchen wir noch den Fetischmarkt. Das sind eigentlich nur ein paar Stände, wo es alle möglichen Knochen, Tierschädel, getrocknete Chamäleons, Schlangenhäute etc. zu kaufen gibt. Wir brauchen heute gerade nichts davon und verbringen den Nachmittag mit Wäsche waschen und relaxen im Hinterhof. Zum Abendessen in den "African Grill", es gibt heute plat du jour Senegalais mit Yassa Poulet. Sehr angenehm hier. Nun wird es Zeit für etwas Musik. Wir nehmen ein Taxi zum Hogon Kulturclub, der ein Stück westlich vom Bahnhof liegt. Gute Stimmung hier unter freiem Himmel, viele Einheimische und Expats. Die Livemusik ist genial, wir bleiben bis zwei Uhr nachts.
Samstag 16.12.06 - Weiterreise nach SegouWir verlassen die Hauptstadt, zum Schluss fanden wir es immer sympathischer hier. Bamako ist sehr "afrikanisch", keine protzige Stadt mit riesigen Hochhäusern und Slums direkt nebenan. Ich empfinde es als wesentlich angenehmer als Dakar zum Beispiel. Gegen 10 Uhr sind wir am gare routiere auf der anderen Seite des Niger. Wir kaufen Tickets bei Daou Transport für den Bus nach Segou um 11 Uhr. Das war ein Fehler... Aber erstmal das übliche Frühstück an einem kleinen Snackstand. Auch der Tee wir gerne mit der süssen Milch getrunken, mhhhh. Gegen 11 gehen wir zurück zum Bus, aber hier gibts noch keine Anzeichen von Aktivität, was uns zunächst nicht weiter beunruhigt. Der Busbahnhof ist ein ziemliches Drecksloch und es gibt nur wenige schattige Plätze hier. Überall wuseln fliegende Händler rum. Es wird 12 Uhr, 13 Uhr. Schliesslich wird der alte Bus beladen und sogar unsere Rucksäcke finden noch Platz im Gepäckraum. Jetzt sollten eigentlich die Namen der Passagiere aufgerufen werden, damit es irgendwann mal losgeht. Aber nichts. Die Belgischen Musiker mit ihren Rasselkugeln rasten langsam komplett aus und fangen eine erregte Diskussion mit dem Ticketverkäufer an. Es gibt ein Problem. Eine gut gekleidete Schwarze hat die Polizei geholt, weil der Bus hinten Öl verliert, das sei doch sehr gefährlich. Alles wird wieder ausgeladen und in einen anderen Bus gepackt, der auch nicht wirklich besser aussieht. Um 14:30 geht es dann los, hurra. Mit einigen Pausen brauchen wir 5 Stunden bis Segou. Der Anlass für die Pausen ist meist die Gebetszeit, aber es gibt neben der Strasse immer einige Snacks und Wasser zu kaufen. An einer riesigen, beleuchteten Strasse steigen wir aus. Ein Taxi bringt uns zur Mission catholique, wo wir übernachten wollen, nach den guten Erfahrungen in der mission libanaise in Bamako. Leider ist die Mission für Gäste bis Dienstag geschlossen, also ziehen wir zu Fuss weiter in den Ort. Im Hotel Djoliba beziehen wir ein wirklich schönes Zimmer für 11.000 CFA. Unten gibts eine schön eingerichtete Bar, auf der Dachterasse qualmt der Pizzaofen. Wir essen nebenan im "L'Auberge". Flag, Merguez und Pommes, sehr gut. Segou macht einen guten Eindruck, wir freuen uns auf den halben Tag, den wir hier morgen noch hier verbringen werden.
Sonntag 17.12.06 - SegouSchon früh sind wir heute unterwegs. Wir wohnen ja nicht weit vom NIger entfernt und geniessen nun hier die Morgensonne. Schade, dass wir heute schon weiter müssen, da morgen der berühmte Montagsmarkt in Djenné ist. Den wollen wir auf keinen Fall verpassen. Am Ufer sehen wir einige Fischer ihre Boote be- und entladen. Wir gehen weiter am Fluss entlang und sehen viele kleine Töpfereien, Segou ist berühmt für seine Töpferwaren. Wir haben einige kurze Einblicke in sehr idyllische Innenhöfe. Am Sonntagmorgen ist es noch sehr ruhig und alles erwacht erst sehr langsam zum Leben. Segou gefällt uns sehr gut, es gibt hier auch fast keine aufdringlichen Guides, vielleicht schlafen die auch alle noch. In einer kleinen Bretterbude, die um einen Baum herum gebaut ist, nehmen wir ein leckeres Frühstück ein. Wir checken aus und gehen zu Fuss zum Wasserturm, wo der gare routiere für die Strama Busse liegt. Erst um 13 Uhr gibts hier einen Bus, also laufen wir weiter zur Station von Bittar. Perfekt, in 30 Minuten gehts los. Unglaublich, unser Bus heute ist pünktlich, sauber, schnell und nicht überfüllt. Sind wir nicht mehr in Afrika? Um 15 Uhr sind wir an der Abzweigung nach Djenné. Von dort können wir nach einer halben Stunde mit einem uralten Peugeot Pickup weiterfahren.
Es sind noch etwa 30 km bis zum Niger, wo wir mit einer relativ modernen Fähre übersetzen. Perfektes Fotolicht jetzt. Einige hübsche Kids verkaufen am Ufer genauso schöne Colliers, aber wir werden uns beim Preis noch nicht einig. Nach kurzer Weiterfahrt an einem Kanal entlang sind wir auf dem großen Platz vor der Moschee in Djenné! Ein beeindruckendes Bauwerk, das werden wir uns morgen genauer ansehen. Im Kita Kourou finden wir ein Bett im dormitoire, das wir ganz für uns haben werden. In der Abenddämmerung ziehen wir nochmal los durch die verwinkelten Gassen zwischen den schönen Lehmhäusern. Wir ereichen wieder den Flussarm. Djenné scheint ganz von Wasser umgeben zu sein. Schnell noch ein paar Fotos im letzten Sonnenlicht von einigen Kutschen die den Flussarm durchfahren, dann geht es zum Essen in das Restaurant in unserer Herberge. Es gibt poulet tion-tion, auch nicht viel anders wie yassa poulet. Unseren selbsternannten Guide Mohammed schicken wir erstmal wieder weg. Morgen werden wir ihn wohl nicht brauchen, da wir den Tag für den Markt reserviert haben. Ich liege noch lange wach und höre Musik vom MP3 Handy.
Montag 18.12.06 - DjennéHeute ist es soweit, der berühmte Montagsmakrkt in Djenné erwartet uns. Um 7:30 Uhr ist zwar schon einiges los hier, aber an vielen Stellen wird noch aufgebaut und es sind noch nicht so viele Besucher da. Wir nutzen die Zeit für ein paar Fotos von der Moschee. Für einen kleinen Obulus dürfen wir auf ein Hausdach steigen von wir einen sehr guten Blick auf Moschee und Marktplatz haben. Anschliessend bieten uns die geschäftstüchtigen Jungs an, einen Blick in die Moschee zu werfen. Eigentlich ist dies nur Moslems vorbehalten und für andere Besucher streng verboten, seitdem sich einige Amerikaner etwas danebenbenommen haben. Aber die Regeln haben sich wohl wieder ein wenig gelockert. Jetzt betet wohl gerade niemand und wir huschen durch eine Hintertür im richtigen Moment hinein. Allzu beeindruckend ist es eigentlich nicht drinnen, der Anblick von aussen verspricht irgendwie mehr. Wir bedanken uns und stürzen uns nun einzeln in das Marktgetümmel. Es ist wirklich alles sehr farbenfroh und lebendig. Das wirklich Interessante sind meiner Meinung nach die Leute in ihren tollen Gewändern, weniger die Waren an sich. Die Atmosphäre hier ist schon ganz besonders, es ist nicht irgendein Markt. Manchmal bekomme ich die Erlaubnis für ein Foto vom Marktstand oder für ein Portrait, aber meistens geht es nicht so einfach. Manchmal ein einfaches "non", oder ich soll Geld dafür zahlen. Das lehne ich ab, dafür biete ich manchnmal ein kleines cadeau an. Die Parfum- und Shampooproben stossen meist bei den Frauen auf grosses Interesse. In jedem Fall ist erst ein wenig Smalltalk erforderlich, und dazu hat hier auch jeder Zeit. Ich treffe mich mit Angy gegen Mittag zu einem kleinen Snack. Es gibt 1 cm lange Spaghetti und verschiedene Teigstückchen in roter Sosse aus einer kleinen Plastiktüte. Jetzt zur Mittagszeit erreicht der Markt trotz sengender Hitze seinen Höhepunkt. Weiter geht's. Ich habe zwar eigentlich schon alles einmal gesehen, aber ich entdecke immer noch neue interessante Dinge und komme mit vielen Leuten ins Gespräch. Zum Beispiel mit einem Haushaltswarenverkäufer (so würde man das wohl bei uns nennen), an dessen Stand ich kurz stehenbleibe um einem Koraspieler zuzuhören. Ich setze mich zu ihm auf die Bank und erzählt mir von seinem Business. Später frage ich einen Mann in einem blauen Gewand mit einem bunten Turban, ob ich ein Foto machen darf von ihm. Er lacht und schlägt vor, dass ich ihn dafür zu einem Tee einlade. Perfekt! Zwei Stände weiter hocken wir uns unter eine Plane in den Schatten und ich kaufe grünen Tee und Zucker. Eine Teekanne bekommen wir auch (die des Verkäufers), und nun beginnt mein neuer Feund Boubacar den Tee zuzubereiten.
In der folgenden Dreiviertelstunde erfahre ich viele interessante Dinge, z.B. dass er hier ist um Ziegen für das Tabaskifest einzukaufen, die dann per Lkw in sein Dorf Niafunké gebracht werden. Er ist auch wie wir auf grosser Reise und jetzt auf dem Weg von Tiombouctou nach Bamako. Die letzte Nacht hat er auf einem kleinen Boot auf dem Niger verbracht und es war seht kalt. (Ich weiss jetzt noch nicht, dass uns das auch noch erwartet) Ab 16:00 Uhr machen Angy und ich noch eine Runde durch den Ort. Schöne Abendstimmung jetzt, Sonnenuntergang am Nigerufer, wo Pinassen Besucher vom Markt übersetzen oder auf dem Fluss bis in ihr Dorf bringen. Auf dem Rückweg zum Kita Kourou treffen wir den Belgier mit seiner süssen Malischen Freundin wieder und verabreden uns zum Abendessen. Sie studiert in Bamako und hat ihn im Zug nach Kayes kennengelernt, wo ihre Eltern leben. Später gehen wir ins Restaurant du Fleuve, wo wir zwei weitere Bekannte treffen. Es sind zwei Franzosen, die in Bamako ihre Vesparoller verkauft haben. Wir warten lange auf unser Essen, aber unterhalten uns gut in mindestens drei Sprachen. Der Fisch mit Couscous ist hervorragend.
Dienstag 19.12.06 - Sirimou und SenossaNach einer angenehmen und nicht zu kalten Nacht geht's heute schon wieder früh los. Wir haben beschlossen, noch einen Tag in Djenné zu bleiben, auch um den Ort mal in Ruhe und ohne Markt zu sehen. Pünktlich um sieben wartet unser Guide Noo auf uns und wir ziehen ohne Frühstück los. Zu Fuss marschieren wir Richtung Westen zum Dorf Sirimou, ein Bozo-Dorf auf einer Insel. Die Sonne geht hinter uns auf, aber es ist immer noch sehr kalt. Nach etwa 1,5 Stunden erreichen wir das Dorf und lassen uns mit einer Piroge übersetzen. Die Moschee sieht der in Djenné recht ähnlich, aber sie ist nicht so gross. Wir dürfen in das Haus eines Bakannten von Noo. Ein schöner, sonnendurchfluteter Innenhof liegt zwischen dem Wohnhaus und einer Schmiedewerkstatt. Im überdachten Teil des Hofes befindet sich die Küche, das heisst eine offene Feuerstelle, eine Art Ofen sowie einige Regale mit Geschirr. Wir passieren mehrere Plätze. An einem arbeiten Frausen mit Mörsern, andere sind Treffpunkt für Jugendliche oder ältere Männer. Die Lehmhäuser sind ähnlich konstruiert wie in Djenné und meistens sehr gepflegt. Aus einer kleinen Koranschule dringt lautes Gemurmel von Kindern beim Rezitieren der Verse.
Es gibt keine andere Schule, das heisst in Fächern wie Mathematik werden die Kinder hier nicht unterrichtet. Wir fahren wieder zurück aufs Festland und weiter geht es zu Fuss noch eine gute halbe Stunde bis zum Peul-Dorf Senossa. Dieses ist etwas grösser und liegt auf einem flachen Hügel. In der Regenzeit ist das Dorf komplett von Wasser umschlossen. Es gibt zwei Moscheen hier, die aber etwas schlichter sind. Endlich Zeit für ein Frühstück. In einem kleinen Laden gibts Kaffee und Baguette. Das dauert etwas, da erst Holzkohle geholt werden muss. Wir haben als vor dem Frühstück noch Zeit für eine Runde durchs Dorf zum Fotografieren. Die Ladenbesitzerin und die vielen kleinen Kinder freuen sich über unsere kleinen cadeaux. Eigentlich war nun die Rückfahrt mit einer charette (Pferdewagen) vorgesehen, aber irgendwas hat bei Noo's Planung wohl nicht so geklappt. Jetzt wirkt er etwas hilflos und schlägt vor, den ganzen Weg in der Mittagshitze wieder zu Fuss zu machen. Oder will er nur seine Ausgaben etwas reduzieren? Nach einigen erfolglosen Telefonaten von ihm beschliessen wir den Preis zu reduzieren und gehen zu Fuss. Er trottet hinter uns her, jetzt sind wir die guides! Später am Ortsrand von Djenné bezahlen wir ihn. Er akzeptiert das so und wir sind wieder versöhnt. Am Marktplatz treffen wir den Belgier und seine Kleine wieder. Wir holen unsere Sachen aus dem guesthouse und nehmen ein sept-place bis nach Sevaré, wo wir kurz nach Einbruch der Dunkelheit ankommen. Die 7-places Peugeots müssten hier eigentlich 11-places heissen... Unterwegs gibt es immer wieder kurze Stops an den Checkpoints. Wir nutzen jede Gelegneheit, um kurz aus dem Auto herauszukommen. Im Hotel Oasis gibts gute, aber wenig charmante Zimmer für 11.000 CFA. Dafür haben wir ein prima Abendessen im senegalesischen Restaurant Teranga an der Hauptstrasse.
Mittwoch 20.12.06 - Weiter nach BandiagaraHeute ist so ein Zwischentag, weder richtig hier noch am Ziel, aber auch kein echter Reisetag. Erstmal ausschlafen, dann ziehen wir etwas unentschlossen ohne grossen Rucksack zur Hauptstrasse. Wir wissen noch nicht so recht, ob Sevaré ein interessanter Ort ist oder nicht. Nach dem Frühstück (so wie immer) gehen wir in einen libanesischen Laden und weiter zum gare routiere. Der liegt geschickterweise total weit ausserhalb an der Strasse nach Bandiagara. Gut, jetzt wissen wir, wo er ist und dass heute wahrscheinlich noch irgendein Fahrzeug losfährt. Wir gehen in der Mittagshitze wieder zurück und holen unser Gepäck, dann die gleiche Strecke nochmal.
Ausser Geschäften und ein paar Restaurants hat Sevaré nichts zu bieten. Also schnell weg hier, bevor der ganze Tag vertrödelt ist. Als wir wieder am gare routiere ankommen, steht schon ein Mercedes Transporter bereit und einige Passagire sitzen in einem schattigen Unterstand. Wir kaufen schon mal unsere Tickets, müssen aber mindestens noch eine Stunde warten, bis endlich 18 Passagiere zusammengekommen sind. Währenddessen lernen wir ganz nebenbei unseren Guide für die geplante Tour im Dogonland kennen. Er heisst Adama, ist 38 Jahre alt und hat sogar Freunde in Frankfurt (spricht aber kein Deutsch). Manchmal arbeitet er mit Reisegruppen zusammen. Ein paar Unterlagen und eine kleine Karte hat er auch dabei, zieht aber nicht die aufdringliche Guide-Nummer ab. Wir unterhalten uns über die optimale Route für eine dreitägige Tour. Da wir ihn beide sehr sympathisch und kompetent finden, beschliessen wir die Tour mit ihm zu machen. Ich schreibe unseren Vertrag zweimal in Französisch auf einen kleinen Zettel. Das wird ein schönes Souvenir werden. Wir wollen versuchen, noch zwei weitere Teilnehmer für unsere kleine Expedition zu finden, wenn wir in Bandiagara sind. Adama kommt aus dem Dorf Sanga. Das ist in der Nähe von Bandiagara und dort wollen wir unsere Tour starten. Nach gut 2 Stunden sind wir in Bandiagara, die Strasse dorthin ist in einem perfekten Zustand. Wir übernachten im Hotel "Le Village" in einem klitzekleinen Doppelzimmer. Adamo belegt das Nachbarzimmer. Unsere Suche nach weiteren Teilnehmern bleibt erfolglos. Entweder haben alle schon einen Guide oder die Zeitplanung passt nicht zusammen. Dann werden wir also zu Dritt aufbrechen morgen. In der Auberge Kansaye essen wir Reis mit Artischocken und dazu gibts ein kühles Bier. Schon vorher fühlte ich mich etwas schlapp, aber danach geht es mir gar nicht mehr gut. Ich schleppe mich zurück zum Hotel. Die Nacht verbringe ich mehr auf der Toilette als im Bett, aber gegen Morgen schlafe ich doch noch ein wenig. Mist, ausgerechnet jetzt. Ob wir so ins Dogonland aufbrechen können?
Donnerstag 21.12.06 - Sanganachdem ich doch noch ein wenig geschlafen habe, bin ich nun erstaunlich fit, als um 8 Uhr ein uralter, klappriger Toyota Landcruiser vor der Tür steht. Zusammen mit einigen Passagieren aus den umliegenden Dörfern geht es los. An einer kleinen Bar halten wir an. Hinter einem Vorhang sitzen einige Männer an einer einfachen Holztheke. Mit einem heissen Lipton Tee mache ich mir einen Elektrolytdrink, das muss mich irgendwie über den Tag retten. Mit fester Nahrung warte ich lieber noch. Wir nehmen noch 2 junge Mädchen mit, die grosse Körbe auf dem Kopf balancieren. Körbe aufs Dach, Mädels hinten reingequetscht, passt schon... Nach 2 Stunden sind wir in Sanga am Marktplatz. Hier ist im Moment nicht viel los. Wir ahnen nicht, dass in Sanga heute der Markttag ist, der alle 5 Tage hier stattfindet. Jetzt sind es noch 2 km zu Fuss bis zu unserer Unterkunft. Meine erste Belastungsprobe heute. Wir laufen hinter dem großen Antennenmast in ein kleines Tal hinunter zum Dorf Bongo, aus dem Adama und seine gesamte Familie stammt. Zwischendurch immer wieder Stops, um Leute mt einer endlosen, fast gesungenen Zeremonie zu begrüßen. Adama scheint wirklich jeden und alle hier gut zu kennen. Das wird die nächsten Tage so weitergehen... Wir beziehen unser Quartier in Adama's Gästehaus. Jetzt ist erstmal Zeit zum Relaxen, bevor es dann Mittagessen gibt. Es gibt Couscous mit leckerer Zwiebelsosse, ich nehme auch ein paar Gabeln davon. Um 14:30 Uhr brechen wir auf zum ersten Teil unserer Tour. Wir werden heute nacht hier schlafen und erst morgen weiterziehen. Am Wegrand entdecken wir einige tables de renard, hier fragen die Dorbewohner nach Rat und ihrem Schicksal.
Holzstöckchen und Muster im Sand werden nachts von Füchsen durchlaufen und die Veränderungen werden dann "gelesen". Weiter geht es zurück nach Sanga auf den Markt. Hier ist jetzt ein unglaubliches Gewusel. Es gibt kaum Stände, fast alles spielt sich auf dem Boden ab. Das Fotografieren strengt zusätzlich an, richtig fit bin ich noch nicht. Weiter geht es durch die Ortsteile Ogolae du haut und Ogolae du bas. Wir kommen an zwei Togunas vorbei, den offenen Versammlungshäusern für die Dorfältesten. Das Grundstück eines maison sacreé dürfen wir nicht betreten. Adama erklärt etwas über Reinkarnation und irgendwelche Colliers die dort für Verstorbene hinterlegt werden. Im Restaurant an der Strasse gibts noch eine kühle Cola für meinen Magen, bevor wir noch eine Runde durch Bongo machen. Vom höher gelegenen Teil des Dorfes hat man einen super Ausblick. Ich stehe mit einem Fuss direkt am Abgrund. Tief unter mir liegt im Schatten das Dorf Banani. Im letzten Sonnenlicht duschen wir, das heisst wir leeren ein paar Plastikeimer Brunnenwasser über uns aus. Die Felsen oberhalb unseres Hauses sind der ideale sunset point. Hier gibt es keine blaue, sondern eher eine rote Stunde. Ein magisches Licht überstömt uns. Nach einer Zwiebelsuppe auf der Terrasse im Licht der Petroleumlampe bewundern wir nun den grandiosen Sternenhimmel über uns. Er reicht bis zum Horizont herunter, Luftverschmutzung ist hier vollkommen unbekannt. Heute schlafe ich draussen, denn im Zimmer sind es auch nach 23 Uhr immer noch 28 Grad bei null Luftbewegung.
Freitag 22.12.06 - Pays Dogon INach einem prima Frühstück mit Marmelade und 2 Tassen Tee verlassen wir unser Basislager in Bongo. Ich habe für die nächsten 3 Tage nur das Nötigste in den kleinen roten Rucksack gepackt. Für heute sind 17 km geplant. Zuerst kommen wir direkt bei Bongo in ein Tal, in dem Zwiebeln angebaut werden. Hier gibt es Wasser aus einem Fluss und wir sind überwältigt von dem satten Grün der Felder. Frauen balancieren Wasserkrüge auf dem Kopf und bewässern damit die Felder. Weiter gehts über steinige Pfade mit toller Aussicht bis ins Dorf Tiogou. Das Dorf liegt an einer Klippe, wir müssen über die Felsen hinunterklettern. Wir sehen einige geschnitzte Holztüren und -fenster. Adama erklärt uns die einzelnen geschnitzten Figuren, davon gibt es je Fenster eine ganze Menge. Dargestellt ist praktisch die ganze Familiengeschichte. Es gibt eine Frau mit Zwillingen, einen Mann mit ältestem Sohn, Schildkröten, Kaymane, eine Schlange, Meerjungfrauen, einen Fuchs, Masken und Symbole für Regen und Erde. In diesem Dorf sprechen wir scheinbar nicht mit dem Chef, verteilen aber bereits die ersten Colanüsse an ein paar ältere Herrschaften. Wohl bekomms. Wir laufen durch ein Tal mit abgeernteten Hirsefeldern (millet) uns vorbei an umzäunten Gärten mit Zwiebeln und Salat. Nach weiteren 4 km erreichen wir Yendouma, wo wir unsere Mittagspause machen. Yendouma liegt sehr reizvoll am Berghang, das gibt später gute Fotos. Unter unserem schattigen Dach sind es jetzt 32 Grad. Es gibt Reis mit Zwiebelsosse (was sonst) und dazu süsse Kartoffeln. Perfekt! Danach ein kleines Nickerchen im Schatten bevor es weitergeht.
Im Halbschlaf höre ich die Geräusche aus dem Dorf, schreiende und spielende Kinder, tratschende Frauen und das dumpfe, stampfende Geräusch der Mörser. Nach weiteren 3 km über einen kleinen Berg erreichen wir Yendouma-Ato. Am Dorfeingang der Dorfwächter, eine mit Lehm und Farbe beschichteter Stein in Form einens grossen Fingerhutes. Dieses Dorf ist eine weitere Steigerung. Die eckigen Speicherhäuschen mit den runden Strohmützen ziehen sich weit den Berghang hinauf. Oben wohnen die Alten. An einen kleinen Platz treffen wir dei alte Männer und verteilen Colanüsse. Wir müsen sehr aufpassen, dass wir keine heiligen Stätten betreten oder die verkehrten Hauswände berühren. Hier geht es ohne Guide wirklich nicht. Die Erklärungen von Adama sind gut verständlich ohne dass er allzusehr ins Detail geht. Auf einen Felsen stehen mehrere Häuser einer Familie, das sieht von unten wie eine kleine Burg aus. Herrliches Fotolicht jetzt. Beim Einbruch der Dämmerung sind wir wieder zurück in Yendouma wo wir unser Nachtlager im Freien aufschlagen. Abendessem mit Nudeln, poulet, sauce onion, pastis. Im Dorf sind rhytmische Trommelklänge zu hören. Trotz Dogon-Wolldecke wird es in der Nacht ziemlich frisch hier, aber es ist windstill. Mein Thermometer fällt am Morgen bis auf 19 Grad!
Samstag 23.12.06 - Pays Dogon IIZum Frühstück gab es heute auch leckere Krapfen, so nennen wir sie mal. Kurz nacht acht gehts los, die zweite Trekking-Etappe. Die Überquerung der Falaise und der Besuch der drei Yougana-Dörfer stehen heute auf unserem Programm. Wir durchqueren das breite Tal, es geht auf einer sehr sandigen Piste leicht bergauf. Dann klettern wir wie die Ziegen die Felsen hoch auf die Falaise. Nach einer ganzen Weile ereichen wir das erste Dorf, Yougana-Piri. Wow, das Kliff mit den Überhängen ist gewaltig und überall sind kleine Tellem-Häuser und Höhlen eingebaut. Diese wurden seit dem 13. Jahrhundert nicht mehr zum Wohnen genutzt und sind zum Teil noch sehr gut erhalten. Ein alter Mann am Weg scheint Adama so eine Art Predigt zu halten. Er hört ihm brav zu und antwortet ab und zu lautstark. Er ist wohl etwas schwerhörig. Am Ende drücken wir ihm noch zwei Nüsse in die Hand, wofür er sich freundlich bedankt. Jetzt wird der Weg durch die Felsen richtig schön, als wir bis zum höchsten Punkt der Falaise hochklettern. Oben laufen wir auf einer Art Mondlandschaft bis zu einer steilen Klippe. Toller Ausblick, das wäre auch ein genialer Klippenstart fürs Drachenfliegen. Aber wo ist die Seilbahn zum hochtransportieren?? Auf dem Weg nach unten gelangen wir an eine gigantische Felsspalte. Über eine Dogon-Leiter steigen wir hinein und klettern vorsichtig weiter runter. In der Spalte ist in der Regenzeit ein Fluss, jetzt gibt es nur ein paar halbgefüllte Staubecken am unteren Ende der Spalte. Daran schliest sich direkt das nächste Dorf an: Yougana-Dogourou. Auf dem Versammlungsplatz sitzen wir gemeinsam mit einer Frau und vielen kleinen Kindern. Adama erzählt eine lange und komplizierte Geschichte von einer Frau und ihrer Tochter, von Masken, die in irgendwelche heiligen Stätten gebracht werden und die über Nacht verschwinden. In diesem Dorf soll es einen besonderen Maskenkult geben.
Wow, aus diesem Stoff werden Fantasy-Romane gemacht... Wir laufen weiter den Berghang hinunter und gelangen zu einer von Entwicklungshelfern gebauten Pumpe mit Fussantrieb. Angy füllt ihre Wasserflasche auf, die vielen jungen Frauen lassen ihr den Vortritt. Kurz darauf ereichen wir Youga-na. Das Dorf besteht nur aus einer Ansammlung von relativ normalen Hütten, auf den ersten Blick nicht so interessant. Die Mittagssonne brennt jetzt gnadenlos und wir machen hier im Tal unsere Pause. Am Nachmittag gehts weiter durch die Ebene nach Koundou, ein Dorf mit schöner Toguna. Über sandige Piste laufen wir weiter bis Ibi, wo heute der Markt stattfindet. Auf dem Weg kommen uns schon viele Leute mit allerlei Lasten und Schüsseln auf dem Kopf entgegen. Darunter sind auch ein paar seltsam gekleidete Männer, einige kennen Adama. Einer trägt einen grünen "Bademantel" und dazu eine völlig fertige, uralte Ledertasche. Echt cool. Der Markt in Ibi liegt sehr schön unter alten Fromager Bäumen im Schatten. Wir beziehen unser Nachtlager. Um einen grossen, sandigen Innenhof sind die Gebäude der Familie angeordnet. Eine Lehmtreppe mit sehr krummen und ungleichmässigen Stufen führt auf ein Hausdach. Aus dünnen Ästen. Baumstämmen und Stroh ist ein Sonnendach gebaut. Von hier kann man prima das Dorfleben und die Vorbereitungen in der Küche beobachten. Als nach dem Essen bald die batteriebetrieben Lampe auf dem Hof ausgeht, sitze ich mit Adama noch lange im stockdunklen Hof und wir unterhalten uns über seine Deutschlandreise im nächsten Jahr. Auch spät in der Nacht weht noch ein heisser Wüstenwind, also schlafe ich draussen vor meinem Zimmer.
Sonntag 24.12.06 - Pays Dogon IIISchon früh bin ich wach und kann nicht mehr schlafen. Die aufgehende Sonne beleuchtet sehr schön die Tellem Behausungen in dem Felsüberhang an der Klippe. Nach dem üblichen Frühstück brechen wir auf zu unserer letzten Etappe durch Dogon-Wunderland. Wir kraxeln eine Runde durch Ibi. Der schönere Teil dws Dorfes befindet sich oben am Berg. Ein sehr schönes Haus ist der Wohnsitz des Hogon, ein alter weiser Mann mit besonderer religiöser Bedeutung. Der alten Frau, die in der Tür sitzt, überreicht Angy zwei Cocanüsse für ihn (Angy ist unsere offizielle Nuss-Managerin). Nach einigen Fotos geht es wieder runter ins Tal und weiter nach Nini. Der Ort besteht aus zwei Teilen und liegt etwas oberhalb am Berg. Sehr schön, wir benutzen so eine Art Höhenwanderweg durch das Dorf. Am Eingang eines Seitentals liegt Banani, das wir schon von ganz oben von Bongo aus gesehen haben. Langsam schliesst sich der Kreis. In Banani wimmelt von 4x4 Fahrzeugen, Souvenirverkäufern und leicht nervenden Kids. Monsier, donne-moi bic, chemise, bonbon.... Nichts wie weg hier. Wir kommen an der Schildkrötengrotte vorbei. Wenn jemand im Dorf gestorben ist, verschwindet sie darin und ist für eine Weile nicht mehr zu sehen. An einer weiteren heiligen Stätte sehen wir auf einem kleinen Erdhügel zwei tote Hühner innerhalb von zwei Steinringen liegen. Hierher werden Diebe geführt und sie müssen von der Erde essen. Falls sie schuldig sind, sterben sie noch am selben Tag. Wenn sie sich vorher schuldig bekennen, bekommen sie ein "Gegengift" und alle wissen über den Diebstahl Bescheid. Unsere Mittagspause haben wir heute in Ireli. Hier sind einige Touristen unterwegs, aber eher die Sorte Tagestour mit Allradfahrzeug.
Unser Essen wird heute nach Wunsch zubereitet: Eine grosse Schüssel mit süssen Kartoffeln und Gemüsesauce. Schmeckt super, gibt aber später gute Blähungen... Danach der letzte Abschnitt unserer Trekkingtour. An der Falaise leicht bergauf erreichen wir die zwei Teile des Dorfes Pegue. Nichts wirklich Neues, aber tolle Motive mit Tellem-Höhlen am Kliff, das mittlerweile im Schatten liegt. An einem kleinen Platz machen wir eine Pause. Adama spricht mit einem alten Mann, von Angy bekommt er 2 Nüsse. Ich schenke meine leere Wasserflasche einem kleinen Jungen, der damit begeistert davonzieht. Nun folgt der Aufstieg auf das Plateau, wieder durch eine enge Felsspalte. Die Kletterei ist jetzt angenehm, alles liegt schon im Schatten. Oben wieder die wunderbare Felslandschaft mit tollen Ausblicken über das Tal mit den Sanddünen auf der anderen Seite. Was für eine Tour! Noch ein paar Schritte und wir sind zurück an Adamas Gästehaus, wo wir noch eine Nacht bleiben werden. Die Anderen erwarten uns schon. Nach grosser Begrüssung beziehen wir wieder unser Zimmer. Nach den Spaghetti zum Abendessen geht Adama zurück zu seiner Familie im Dorf. Wir bleiben allein zurück. Es ist finstere Nacht, kaum Geräusche aus dem Dorf. Es ist Heiligabend. Wir zünden zwei Wunderkerzen an...
Montag 25.12.06 - Von Sanga nach HomboriDie Nacht bei offener Tür war angenehm, diesmal habe ich nicht draussen geschlafen. Am Morgen zeigt mein kleines Thermometer immer noch 26 Grad an. Wir packen unsere Sachen zusammen und warten um sieben Uhr wie vereinbart auf Adama. Um halb acht ist er immer noch nicht da, also schaut Angy doch mal im Haus gegenüber nach, das auch ihm gehört. Und siehe da, er liegt dort auf dem Boden und schlägft fest wie ein Stein. Nur mit viel Mühe können wir ihn wecken. Schliesslich kommt noch unser Koch von gestern hinzu und hilft uns dabei. Adama ist völlig fertig, hat wohl gestern zu viel gesoffen. Es ist hier üblich, dass man auch als Muslim mit den (hier relativ vielen) Christen im Dorf Weihnachten feiert, sprich sich ordentlich einen hinter die Binde giesst. Nun gibt es doch noch ein üppiges Frühstück mit Tee und Fettgebäck. Wir tauschen die Adressen aus und verabschieden uns. Einer seiner Jungs begleitet uns nach Sanga zum Marktplatz, wo irgendwann bis mittags unser 4x4 aufkreuzen soll. Wir sind völlig erstaunt, als schon nach 10 Minuten ein Landcruiser vorfährt. Die Rückfahrt zu viert nach Bandiagara macht viel Spass. Wir fahren an vielen schwer bepackten Frauen vorbei, die auf dem Weg zum Markt in Bandiagara sind. Unsere beiden Fahrer sind auf dem Weg nach Sevaré, wie praktisch. Für insgesamt 5000 CFA fahren wir gleich weiter mit. Super, so sind wir schon um zwölf am gare routiere und kaufen 2 Tickets für den Bus nach Hombori. Der Bus von Maiga Transport soll um 15 Uhr losfahren, inshallah. Im Restaurant nebenan gibt es sehr schmackhaftes Essen. Reis, grüne Sauce, Zwiebeln, Gemüse, Piment mit Mouton, für 2 Personen zahlen wir 3000. Schnell verschicke ich noch ein paar Weihnachts-SMS, seit Tagen hat mein Handy hier mal wieder Empfang. Eine komische Sache bei 32 Grad im Schatten. Vik ist grade auf dem Schiff nach Finnland, bei ihr sind es -5. Nach einem endlosen Hin und Her beim Beladen des Busses verlassen wir gut eine Stunde später als geplant den gare routiere.
Soweit wäre das ja völlig ok, aber nun gibt es noch mindestens drei Stops im Ort, wo weitere Leute zusteigen und das Gepäck nochmal komplett neu sortiert wird. Können die ihren Arsch nicht auch zum gare routiere bewegen wie alle anderen?? Langsam füllt sich nun auch der Gang und meine Beinfreiheit (!) ist dahin. Dafür haben wir Sevaré immer noch nicht verlassen. Gegen 23 Uhr erreichen wir Hombori. Die "Main de Fatima", die berühmte Felsformation, haben wir in der Dunkelheit nicht gesehen. Jetzt heisst es erstmal ein Plätzchen für die Nacht zu finden. Ganz Hombori ist stockdunkel und scheint zu schlafen. Das Magnou Bagni ist voll, für die Schlafplätze auf dem Dach gibt es keine Decken. Der patron ist auch nicht gerade entzückt über unsere späte Ankunft, er döste schon in seinem Stuhl vor der Tür. Besonders freundlich ist er auch nicht, daher verzichten wir gern auf diese Herberge und folgen den beiden Jungs zu zwei weiteren Möglichkeiten. Wir landen schliesslich bei der Auberge Lelele, hier ist noch jemand wach. Wir bekommen eine nette kleine Rundhütte mit Doppelbett und Moskitonetz. Die Nacht ist relativ kühl hier, wir haben jetzt den östlichsten Punkt unserer Reise am Wüstenrand erreicht.
Dienstag 26.12.06 - HomboriNach dem Frühstück mit süssem Milchkaffee an der Strasse erfahren wir, dass heute Markttag mit grossem Viehmarkt ist. Erstmal erkunden wir ein wenig den Ort und steigen die Felsen hinauf zum oberen Teil von Hombori. Viele einfache Steinhäuser, aber nichts Spektakuläres hier oben ausser dem Blick auf die benachbarten Bergmassive. Ein Paradies für Kletterer. Die Kinder nerven hier ganz schön und kommen mit den Fragen nach cadeaux direkt zur Sache. Ich beginne, als kleine Erziehungsmassnahme kleine Steine zu verschenken. Wir gehen wieder runter an die Strasse, dort ist mittlerweile der Markt in vollem Gange. Ich mache noch einige Fotos, z.B. von den Salzplattenverkäufern und von einigen Tuareg mit ihren blauen Gewändern, Turbanen und Säbeln. Richtig interessant wird es auf dem von einer grossen Mauer umgebenen Viehmarkt. Wir handeln den Eintrittspreis auf 1000 CFA runter. Drinnen gibt es Schafe, Kamele, Ziegen und Rinder, die in kleinen Gruppen zusammenstehen und von ihren Besitzern betreut werden. Hier ist die Tuaregdichte wesentlich höher. Oft sieht man kleine Gruppen von Männern verhandeln, dann werden die Geschäfte mit Handschlag besiegelt. Jetzt noch zur Main de Fatima aufzubrechen ist in der Mittagshitze zu Fuss sicher nicht so toll, mit dem Transport dorthin ist es auch nicht einfach. Ich plädiere für einen faulen Nachmittag im Campement mit duschen und Mittagessen. Angy hat keinen Hunger, also speise ich allein auf der kleinen Terrasse des einzigartigen case etage im Campement.
Gegen 16 Uhr unternehmen wir mit unserem patron und zwei Kanadierinnen noch eine kleine Wanderung zur Düne. Hier oben ist der ideale sunset point, wir sehen die Sonne genau hinter der Main de Fatima untergehen. So bekommen wir sie also in etwa 10 km Entfernung doch noch zu sehen. Wir trinken noch einen leckeren Tee auf der Düne und beobachten die versinkende Sonne. Ein sehr leckeres Abendessen auf der Terrasse im Licht einer Petroleumlampe beschliesst diesen erholsamen Tag. Es gibt Couscous mit Gemüsesauce, anschliessend Wassermelone. Wir schreiben noch etwas Tagebuch auf der Terrasse und dann gibts im Bett noch etwas afrikanische Musik vom Handy.
Mittwoch 27.12.06 - Hombori-Douentza-NigerHeute geht es weiter. Mal sehen, ob wir es in einem Tag bis Timbuktu schaffen. Die sagenumwobene Stadt, für deren Entdeckung durch westliche Abenteurer und Forscher soviele Versuche nötig waren. Ob wir es heute einfacher haben? Zwischen acht und neun soll der Bus vorbeikommen, der uns zurück bis Douentza mitnimmt. Wir haben noch nicht das Guesthouse bezahlt, als schon ein Bus kommt. Er ist voll und nimmt niemand mit. Wir laufen vor bis zum checkpoint, bald soll noch ein Bus kommen. Der kommt tatsächlich bald, ist aber auch voll. Die beiden Kanadierinnen bequatschen den Fahrer solange, bis er sie doch mitnimmt. Sie müssen morgen wieder in Bamako arbeiten. Alle anderen bleiben stehen, vielleicht soll ja eventuell irgendwann später noch ein Bus kommen. Das klingt jetzt schon nicht mehr so optimistisch.
Laut Bradt Reiseführer fährt in Gao um 10 und um 13 Uhr noch einer los, aber bis der hier mal ankommt...Egal, andere Fahrzeuge gibt es nicht oder sie fahren nur bis zum nächsten Dorf. Wir brauchen aber etwa 160 km auf dieser Strasse. Also Rucksack als Rückenlehne in den Schatten und erstmal ein Nickerchen. Wir sind ja in Afrika, wo Zeit keine Rolle spielt. Gegen 11 werde ich aus meinen Träumen gerissen, es passiert etwas. Ein Truck ist gekommen, und viele der Wartenden springen auf. Es ist ein weisser Kühl-LkW mit offener Seitentür. Bis auf 8 Ziegen, etwas Sand auf dem Boden und viel Ziegenpisse ist er fast leer. Bis Dountza zahlen wir 2500, das ist günstiger als der Bus. Wir stoppen nur ganz kurz an zwei checkpoints, ansonsten brettern wir mit voller Geschwindigkeit über die gute Strasse. Auf der rechten Seite zieht die Main de Fatima an uns vorbei. Schnell ein Foto durch die Ladeluke, eine Ziege drängelt sich auch mit aufs Bild. Meine Ziege neben mir ist recht brav, dafür verscheuche ich ihr auch ein paar lästige Fliegen. Angy hat weniger Glück mit ihrem Nachbarn, die Ziege scheint sie sehr zu mögen. Nach nur 2 Stunden stehen wir in Douentza vor dem Restaurant Express. Wow, erste Etappe in Rekordzeit. Schnell wird klar, das es heute noch ein 4WD nach Timbuktu geben wird, es fehlen nur noch die Passagiere. Auch beim Preis gibt es noch Korrekturbedarf. Wir reduzieren ihn geringfügig von 25000 auf 15000 CFA pro Person. Während wir in unserem Reis mit Sauce stochern kommen weitere Passagiere für uns mit einem Landcruiser an. Die üblichen Vorbereitungen laufen an, kein Grund zur Hektik. Unser Reisepreis hat immerhin noch für die Vordersitze gereicht, auch nicht schlecht. Es ist schliesslich 16:30 als wir getankt haben und endlich den Ort verlassen. Am checkpoint will der chef de police meinen Pass sehen. Ah, pays de Klinsmann, tres bon.... Recht flott und ohne Pause geht es jetzt zwei Stunden über stellenweise recht sandige Piste weiter. Wir nutzen einige Nebenwege neben der nervigen Wellblechpiste. In einem Dorf hinter Bambara Maoundé halten wir an. Gebets- und Pinkelpause. Kurz vor Sonnenuntergang wird die hügelige Dünenlandschaft in ein zauberhaftes Licht getaucht. Es wird dunkel. Wir haben noch knapp 90 km vor uns.
Die Kilometersteine zählen rückwärts bis "Fleuve Timbuktu". Unser Tuareg Fahrer scheint die Strecke perfekt zu kennen, auch im Scheinwerferlicht hat er alles im Griff. Um 19:30 erreichen wir den Niger. Unser Fahrer flucht kurz und laut und schlägt mit der Hand aufs Lenkrad. War ihm vielleicht nicht klar, dass eine afrikanische Fähre nicht in stockdunkler Nacht fährt? Nach kurzer Diskussion werfen wir den Allrad rein und donnern durch zwei recht tiefe Wasserläufe auf eine schmale Landzunge. Links und rechts tauchen kleine Hütten auf, Lagerfeuer brennen. Wir halten an, Ende. Hier scheint der Ablegepunkt der Fähre zu sein. "On reste ici pour la nuit" lautet die kurze Ansage. Na prima, das wird wieder eine kalte Nacht. Im kleinen Imbiss neben unserem Fahrzeug erstmal was essen. Nebenan hole ich mir nen kalten frittierten Fisch, gar nicht so schlecht. Dann werden für uns Spaghetti mit leckerer Fleischsauce gekocht. Okay, wo nun schlafen? Der Besitzer der Imbissbude bietet uns später sein Nomadenzelt auf der anderen Strassenseite an, er bekommt 5000 CFA dafür. Direkt neben uns schläft seine Frau mit einem Kind unter einem Moskitonetz, wir hören nur ab und zu die Stimmen. Es ist nicht gerade warm, aber komplett angezogen im Leinenschlafsack geht es ganz gut auf der Holzpritsche. Es ist 10 Uhr, ich bin noch nicht müde.
Donnerstag 28.12.06 - TimbuktuDas war unsere spartanischste Übernachtung bisher, aber so schlecht war es nicht. Kurz nach Sonnenaufgang - ich bin noch nicht wirklich wach - beginnt jemand an meinem Fussende ein Feuer anzumachen um heisses Wasser zuzubereiten. Ich glaube, es wird Zeit aufzustehen... Ich gebe ihr ein kleines cadeau und wir bedanken uns für die Übernachtung. An der Fähre tut sich noch nichts, also erstmal einen süssen Kaffee geordert und dazu die letzten Kekse gefuttert. Wir laden die Rucksäcke wieder auf den Toyota und warten wann und wie es wohl weitergeht. Die meisten sehen noch sehr verschlafen und etwas fröstelnd aus. Der riesige umgebaute Feuerwehrwagen mit der Reisegruppe ist inzwischen auch eingetroffen. Neben uns an der Kaffeebude sitzen drei Italiener. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass ausgerechnet dieses verlassene Wüstennest von Timbuktu die höchste Dichte von Toubabous (Ausländer, Touristen) hat. Die Fähre (Baujahr 2002, Mali) kommt nun und es wird leicht hektisch. Mehr oder weniger geschickt werden die Geländefahrzeuge runtermanövriert, eins macht fast den Abgang in den Niger. Wenig später sind die wartenden Wagen auf der Fähre und es geht los. Aus 100 Meter Entfernung sieht unser Nachtlager nur noch ganz winzig in der weiten Wasserlandschaft des Niger aus. Auf der anderen Seite, etwas weiter westlich, liegt der Hafenort Korioumé, von wo aus wir noch etwa 15 km auf einer geteerten Strasse weiterfahren. Endlich erreichen wir den nördlichsten Punkt unserer Reise, das sagenumwobene Timbuktu. Die Stadt der Salzkarawanen und Händler, an der schon so viele Entdecker und Abenteurer gescheitert sind. Auch wir haben es nicht wie geplant gestern abend geschafft... Durch staubige und etwas vermüllte Strassen rollen wir die letzten Meter an schönen Häusern im sudanesischen Stil vorbei zum grande marché. Wir nehmen ein schönes, kühles Zimmer im "Sahara Passion", das etwas abseits der City am Rand der Wüste liegt. Ein sauberer Fussboden ist auch mal wieder schön nach so viel Sand und Staub in den letzten Tagen. Angy duscht kurz, danach überredet uns Ibrahim zu einem kleinen Tee-Frühstück im Haus seiner Schwester. Er ist Tuareg, ein guter Freund des Chefs vom Sahara Passion. Er zeigt uns jede Menge Fotos, unter anderem von den Kamel-Trekkings die er veranstaltet. Und nebenbei gibts auch noch eine kleine Verkaufs-Show für Tuareg Schmuck. Nach zäher Verhandlung entscheiden wir uns doch für einen kleinen Kamelausritt am Nachmittag.
Aber jetzt erstmal die Stadt anschauen, ohne Guide und lästige Anhängsel. Wir streifen durch den petit marché und entdecken dann das schön renovierte maison des artisans, ein Haus mit vielen Kunsthandwerkstätten. Oben ist ein kleiner Teesalon, unten sind um einen Innenhof herum die Werkstätten und Läden angeordnet. Die Tuareg sind wahre Verhandlungskünstler, aber wir schlagen uns tapfer. Ein Armreif, ein Tuareg-passport collier sowie zwei grosse Dolche wechseln die Besitzer. Danach entdecken wir noch einige der Häuser, wo die Entdecker wie René Caillie gelebt haben. Meistens sind dort heute Museen eingerichtet. Viele Häuser haben auch hier schön sanierte Holztüren und Fenster mit den typischen Metallverzierungen. Vorbei am grand marché gehen wir zum Hotel Bouctou, um schon mal nach einer pinasse für den Rückweg zu fragen. Auch hier gibts die Standardauskunft: 25.000 für die 2 Tage auf dem Schiff bis Mopti. Möglicherweise die letzte Möglichkeit vor dem Tabaskifest, also lassen wir das Boot für morgen buchen. Touré vom Sahara Passion kümmert sich drum. Schon wird es Zeit für unseren Ausritt. Ibrahim stellt uns seinen Cousin oder so vor, der uns auf unserem kleinen Wüstentrip begleitet. Okay, wir haben nur die ganz kleine Tour vereinbart, aber meine Befürchtung bestätigt sich. Wir werden nur mit den Kamelen geführt und beim Tee im Tuareg Zelt belagern uns weitere Souvenirverkäufer. Wenigstens auf dem Rückweg kann ich mal etwas Gas geben und den Galopp von meinem vierbeinigen Freund testen. Das geht richtig ab und ich muss mich teuflisch gut festhalten auf dem etwas unbequemen Sattel. Das Abendessen im Restaurant gegenüber vom Sahara Passion ist prima. Für 2.500 gibts einen super Spiess mit grünen Bohnen. Den Rest des Abends verbringen wir gemütlich im Zimmer, den Luxus hatten wir eine Weile nicht. Auch meine Kameraakkus freuen sich über eine frische Ladung Strom.
Freitag 29.12.06 - TimbuktuMorgens ziehen wir los, um ein Frühstück zu finden. Es ist noch sehr ruhig, die meisten Geschäfte rings um den petit marché haben noch geschlossen. Wir finden nichts Passendes und kaufen nur ein frisches Baguette und ein paar Kekse für die Bootstour. Gegen zehn Uhr taucht unser Ticketverkäufer mit einem kleinen roten Peugeot am Sahara Passion auf. Nach einer etwas turbulenten Diskussion mit allen Umherstehenden einigen wir uns schliesslich auf den Taxipreis zum Hafen und los gehts. Dort zahlen wir Touré den restlichen Ticketpreis für das Boot. Er erklärt uns, dass die Fahrt mit der pinasse jetzt doch 3-4 Tage dauern wird, da der Bootsbesitzer unterwegs im Dorf seiner Familie Tabaski feiern will. Wir sind gespannt, was uns da erwartet. Wir kaufen in den kleinen shops am Hafen noch einige Bananen und viele Wasserflaschen für unterwegs. Eine Bastmatte auf den Bambusrohren am Schiffsboden wird unser Nachtlager sein. Gegen 14 Uhr bekommen wir eine grosse Schüssel Reis mit Sauce und einem kleinen Fisch obendrauf. Lecker. Die Bordverpflegung klappt also schon mal. Von anderen Passagieren oder irgendwelchen Vorbereitungen ist aber noch keine Spur. Später kommt noch ein Belgier an Bord, der uns einen leicht verwirrten Eindruck macht. Um 17 Uhr legen wir schliesslich ab, es sind nur eine Handvoll Passagiere an Bord. Die Crew besteht aus dem Steuermann, zwei Bootsjungen sowie dem Küchenteam, das auf zwei offenen Feuerstellen auf dem Holzboot kocht. Die recht grosse pinasse bietet sonst sicher locker für 100 Leute Platz, gar nicht schlecht. So können wir uns ein wenig ausbreiten und ein wenig umherlaufen. Das Wetter ist heute etwas merkwürdig. Seit dem Nachmittag ist hier am Fluss Dunst aufgezogen. Es gibt auch heute keinen Sonnenuntergang zu sehen, alles ist grau. Um 20 Uhr gibt es wieder Reis mit Fisch. Mit den vielen kleinen Gräten muss ich mich ganz schön rumplagen im schwachen Schein meiner kleinen LED-Lampe. Nach dem Essen ist die innere Bordwand mit einem chicen Fischgrätmuster verziert. Das diffuse Mondlicht ermöglicht die Nachtfahrt. Um 23 Uhr legen wir in einem grösseren Ort an, das könnte Diré sein. Einige Leute steigen aus und weiter gehts. Irgendwann später geht der Motor aus und das Boot macht irgendwo fest. Ich liege längst unter einem grossen Berg von meinen Klamotten, um die kalte Nacht halbwegs angenehm zu überstehen. Das klappt auch ganz gut, nur bei jedem Umdrehen gerät alles total durcheinander und es zieht kalt.
Samstag 30.12.06 - Gorom ILangsam wird es hell und auf dem Boot wird es wieder lebendig. Als ich irgendwo das Wort "café" höre, krabbel ich unter meinem Klamottenberg hervor und schaue mich verschlafen um. Ich bekomme auf Wunsch auch eine Tasse Tee und dazu gibts mein restliches Baguette von gestern. Ein Blick über die Bordwand zeigt ein paar Häuser auf einer kleinen Insel. Jetzt bei niedrigem Wasserstand scheint sie mit dem Festland verbunden zu sein. Wir sind in Gorom, das wir auf keiner unserer Karten finden können.
Hier werden wir also nun den ganzen Tag verbringen und abends möglicherweise Tabaski feiern. Die Sonne taucht hinter den Gebäuden auf und ich suche mir eine windgeschützte Ecke an Land zum Aufwärmen. Ich überlege gerade, ob wir uns nicht ein kleines Camp am Ufer einrichten, als ein kleiner Sandsturm beginnt. Das sind sicher die Vorboten des Harmattan. Der feine Staub dringt in alle Ritzen. Langsam wird es richtig heiss, also zurück aufs Boot. Tagebuch schreiben. Nichtstun. Mit den Kids spielen. Musik hören. Mittags gibts den üblichen Reis mit Sauce und Fisch. Wir fühlen uns ein wenig eingesperrt hier. Gefangen auf einem Boot vor einer einsamen Insel, von der niemand weiss, wo sie ist... Dreimal am Tag eine eher spartanische Mahlzeit, meist mit den Worten: "Monsieur, manger". Das Französisch ist hier draussen nur sehr rudimentär. Am Nachmittag machen wir einen Spaziergang am Niger entlang. Es gibt keinen richtigen Weg, also laufen wir durch die Dünen, vorbei an einigen einzelnen Häusern. Ab und zu teffen wir auf Leute, die in den Feldern arbeiten. Eine grosse Rinderherde steht in einer Ebene, die sonst überflutet ist. Sonst gibt es nicht viel zu sehen. Auf dem Rückweg bläst uns der heisse Wind ins Gesicht. Es ist wieder so dunstig heute, kein blauer Himmel. Zurück auf dem Boot beobachten wir verschiedene Vorbereitungen fürs Fest. Plastikstühle und ein Motorrad werden im Fluss gewaschen. Am Abend warten wir vergeblich darauf, dass es beginnt. Nichts passiert, nur das Radio auf dem Nachbarschiff plärrt. Sonst ist nichts zu hören, kein Gesang, keine Trommeln, nichts. Vielleicht ist Tabaski ja ein ganz ruhiges und intimes Familienfest? Abends werden uns die Teller gereicht. "Manger". Der Fisch ist heute gegrillt und schmeckt ausgezeichnet. War das unser Festessen? An Bord finde ich eine riesige, kuschelige Acyldecke, ein Import aus China. Die ist jetzt unsere! Die Nacht wird damit sehr angenehm.
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Sonntag 31.12.06 - Gorom II
Montag 1.1.07 - Gorom III
Dienstag 2.1.07 - Weiterfahrt auf dem Niger
Mittwoch 3.1.07 - Mopti - Bamako
Donnerstag 4.1.07 - Bamako
Freitag 5.1.07 - Über die Grenze nach Kankan (Guinea)
Samstag 6.1.07 - Dabola
Sonntag 7.1.07 - Dalaba
Montag 8.1.07 - Dalaba
Dienstag 9.1.07 - Labé
Mittwoch 10.1.07 - Mali ville
Donnerstag 11.1.07 - Mali ville
Freitag 12.1.07 - Über die Grenze nach Dindefelou (Senegal)
Samstag 13.1.07 - Kedougou