Kadisha Valley: 1. Versuch
Das Wadi Qadischa/Kadisha Valley oder Qannoubine Valley gehört zu den schönsten Landschaften des Libanons und steht unter dem Schutz der UNESCO. Man könnte den Namen des Tales im Libanongebirge mit "Heiliges Tal" übersetzen.
Im Kadisha gibt es einige Klöster, die teilweise in steilem Fels gebaut wurden. Die Mönche wählten dieses Tal nicht nur wegen seiner Schönheit. Die Klöster liegen in unwegsamen Gelände und dienten zum Schutz vor Verfolgern.
Tja, wo geht es runter ins Tal. Ich frage mal bei der Info Stelle des Tourismusbüros nach
"Siehst du dort hinten den großen Baum? Dort gibt es eine Treppe die in das Tal führt." Eine Karte zum Mitnehmen gibt es leider keine. Mir wird aber bereitwillig das Einzelstück zum Abfotografieren überlassen.
Ich mache mich also auf den Weg zu diesem großen Baum und finde auch die Treppe. Dann kann es ja losgehen.
Nach ca. 100 Meter Treppenwanderung endet die Treppe und ich stehe vor einem Bach. Dort soll es aber runter gehen. Also versuche ich am rutschigen Rand dem Bach zu folgen. Unmittelbar rechts vom Bachbett verläuft ein Zaun, der mit Kabeln versehen ist. Da mir nicht klar ist, ob es sich dabei um Stromträger handelt, halte ich lieber mal Abstand.
Der Abstieg ins Tal wird immer abenteuerlicher. Gelgentlich rutsche ich auf einem glitschigen Felst aus und Lande im Bach

Irgendwann wird das Gestrüpp immer dichter. Wilde Himbeer- und Hagebuttensträucher und noch eine Pflanze mit ca. 5 cm langen Dornen scharren an meiner Haut. Ich stehe im Bach und es geht nicht mehr weiter.

Mittlerweile stelle ich fest, dass ich beim Kampf mit den Naturgewalten meine Brille verloren habe.

Der Zaun ist mittlerweile nach rechts abgebogen. Aber auch in diese Richtung geht es wegen dichtem Buschwerk nicht weiter. Links von mir geht es einen steilen Hang hoch, der mit stacheligem Buschwerk bewachsen ist. Den Bach zurück wollte ich nicht mehr, denn den kannte ich jetzt schon. Also versuche ich es am ca. 20 Meter hohen und erdigen Steilhang. Ich zerre mich an Wurzeln und Buschwerk nach oben, mit dem beladenen Rucksack auf meinem Rücken. Zwei Meter vor meinem Ziel rutsche ich aus und gleite auf dem Hosenboden 18 Meter zurück auf dem Abhang runter und komme in dem Bach zum Sitzen.

Das hat natürlich alles seine Vorteile. Denn meine schlammverschmierte Hose wird gleich wieder sauber.
Ich laufe ein Stück zurück. Der Abhang ist immer noch steil, aber es gibt einige kräftige Wurzeln, an denen ich mich bis zum Rand nach oben ziehen kann.
Und dann stehe ich vor dem Kadisha Valley. Der Anblick ist gigantisch. Von hier aus geht es aber nicht mehr weiter ins Tal.
Ich bin auch ziemlich am Ende meiner Kräfte und ruhe mich erst mal aus und genieße die Aussicht.
Da es schon spät am Nachmittag ist erklimmere ich einen weiteren Abhang und entdecke ein verlassenes Restaurant.
Sogar eine Hollywoodschaukel gibt es hier.

Ihr glaubt nicht, was dann passiert. Ich mache es mir gemütlich und verschwinde ins Land der Träume.
Das war der erste Versuch, das Kadishe zu erkunden. Morgen versuche ich es nochmal
