tonicek hat geschrieben:Was kann man machen dagegen? Ich glaube: Nichts!
Es kommt drauf an ...
Machst Du Sachen mit einem Rechner, die wirklich geheim bleiben sollen, dann gibt's schon lange die bewährte Methode dies auf einem Rechner zu tun, der keinen Netzzugang hat. So was machen Leute, die z.B. Software entwickeln, die nicht vorzeitig woanders aufschlagen soll. Dasselbe Prinzip wenden verantwortungsbewußte Betreiber von Anlagensteuerungen an. Die betreiben ihre Steuerungen in einem Netz ohne Verbindung zum Internet. Daß das ganz gut funktioniert, wenn man es konseqent anwendet, hat eigentlich(!) Stuxnet bewiesen. Die Iraner hatten sich ihr Problem mit dem Turnschuhnetzwerk auf Basis von USB-Sticks eingebrockt. BTW Digitalkameras, Musikabspielgeräte u.ä. verhalten sich genauso wie USB-Sticks, d.h. die können mehr transportieren als man zunächst vermutet.
Soll heißen, daß das Problem letztendlich der Internet-Zugang ist, weil erst dort die Daten abfließen, neue Versionen der Schad-Software nachgeladen werden oder der Kommando-Server für die Schad-Software erreicht wird. Bereits beim Netzzugang lauern Risiken: Im "Land of the Free" (USA, nicht Belize!) haben staatliche Stellen Router für den Heimgebrauch abgefangen, die Firmware modifiziert und dann an den Endkunden zur Installation im heimischen Wohnzimmer ausgeliefert.
Dann gab's auch schon Stellen im Netz, die unterwegs ein Software-Update, z.B. Windows-Updates, abgefangen und "geringfügig" ergänzt hatten. Letztendlich macht diese Schad-Software in der Festplatten-Firmware nichts anderes: die erkennt ein paar zeitgemäße Szenarien (z.B. Windows-8-Startvorgang) und "ergänzt" diesen um ihren Schade-Code. Dasselbe Spiel gab's vor ein paar Jahren schon mal in ähnlicher Form mit der Firmware von PC-Hardware. Was war die Folge: Microsoft etablierte UEFI, jetzt ist's für die Windows-Umgebung genauso unsicher, und Betriebssysteme außerhalb der M$-Welt haben Probleme.
Die Lösung ist ähnlich wie die bei Fahrzeugen: behalte Dir einen Youngtimer mit überschaubarer Software-Ausstattung! Und betrachte das Internet als Feind!
Die Alternative: schaffe Dir immer das Allerneueste an, aktualisiere täglich alle Komponenten vom Router über sämtliche Peripheriegeräte bis zum PC mit seinem Betrübssystem. Dann kostet Dich das ziemlich viel Lebenszeit und Geld und macht die PC-Hersteller glücklich. Damit wird Dir klar, wer hier Stakeholder mit welchen Interessen ist. BTW vergiß weder Dein Schlaufon noch Dein modernes Fahrzeug mit ständiger GSM-Verbindung zum Hersteller! Und 0day exploits waren noch gar nicht erwähnt ...
Ganz allgemeine Erfahrungen zur Verringerung des Risikos auf Einfangen von Schad-Software:
- USB-Massenspeicher mit Fremdkontakt vermeiden. Anderenfalls: War ein USB-Stick an einem Rechner außerhalb meiner Kontrolle, dann wird der zuerst in einem älteren MacOS- oder Linux-PC formatiert, bevor der an die Virusbazille Windows kommt. Das ist allerdings auch keine Garantie, weil es genauso wie bei Festplatten Schad-Software für USB-Sticks gibt, die sich in der lokalen Firmware einquartiert.
- Zweit-PC für die privaten Angelegenheiten.
- Zwei kaskadierte Router für den Internet-Zugang, natürlich unterschiedliche Hersteller.
- Kein WLAN.
- Eigener DNS-Server, z.B. ein preisgünstiger Raspberry Pi zum Komplettpreis von 40EUR (Strom rund 10EUR/a). Im DNS-Server kann man Namensauflösungen bei Bedarf blockieren sowie nachschauen, welche Namen wie(!) aufgelöst wurden. Außerdem trage ich als Parent-Server nicht den vom Provider ein. Mit Filterregeln im Router kann man den Kontakt zu fremden DNS-Servern verhindern.
Gruß, Ralf