Roger-Tecumseh hat geschrieben:Du hast Recht, Alex! Ich habe eine lange Diskussion (u.a. ueber Zensur, Pressefreiheit) hinter mir. Und wenn dann eine Meldung kommt, die fahrlaessig verallgemeinernd von DEN Aufstaendischen spricht, wo es eben dort noch keinen unzweifelhaften Sprecher gibt, der dieses Mandat haette, dann ist das der bekannte Tropfen.
Hinzu kommt, dass sich zwei Dinge in den Meldungen ueberschnitten haben: das Ultimatum einer Gruppe an Kaddafi und gleichzeitig das angebliche Verhandlungsangebot von Kaddafi. Wir sind einem Bombardement an unverifizierten Informationen ausgesetzt - die tatsaechliche Politik verschwindet dahinter. Sicher ist nur, dass viele Menschen unter barbarischen Umstaenden sterben, waehrend die internationale Oeffentlichkeit sich windet und Zeit verliert!
Roger; vielleicht muss man sich auch einmal von den ewig repetierten Geschichten loesen, dass die Libyer ein nur loses Gebilde von Staemmen sind, die nur durch ein starkes, repressives Regime zusammengehalten werden koennen und sich ohne dieses sofort bekriegen wuerden.
Die Argumentation, die du hier immer und immer wieder bringst entspricht 1:1 der Rhetorik des Regimes (und bis vor ein paar Tagen begruendeten unsere Politiker dmait noch ihre Unterstutzung fuer das Regime).
Der "
Interim Transitional National Council" ist meines Wissens bis jetzt der einzige Rat (oder was auch immer), der sich oeffentlich geaeussert hat. Bis jetzt habe ich noch keine andere Organisation erkennen koennen, die als Rivale aufgetreten waere. Weder im Land selber noch im Ausland - keine der Auslandsgruppierungen hat sich als "Exilregierung" deklariert. Ob das so bleibt - wer weiss. Aber bis jetzt ist das schon mal ein starkes Zeichen, dass die Stammesrivalitaet hinter dem gemeinsamen Ziel zurueckzustehen hatte.
Ich bin nicht wirklich fit in der "Stammesgeschichte LYs" aber die Bevoelkerung von Derna hat nichts mit den Staemmen des Cyreniaca-hinterlandes zu tun, ebensowenig wie die "alten Familien" von Benghazi. Hingegen sehe ich nicht, dass sich da "Risse" aufgetan haetten.
Auch dass sich die Leute von Nalut, Berber von der Herkunft, dem
Interim Transitional National Council unterstellt haben, obwohl sie von denen im Osten keinerlei Unterstuetzung erwarten koennen ist ein Zeichen, dass man ueber Stammes-, ja fast Landesgrenzne hinweg erkannt hat, dass "jeder fuer sich" nichts bringt.
Da man sich ueber viele Jahre auf die "Stammestheorie" engefahren hatte, hat man vielleicht einfach uebersehen, dass die Entwicklung des Landes so etwas wie Bruecken geschlagen hat. Den Leuten im Norden nuetzen die Oelraffinierien herzlich wenig, wenn die im Sueden die Oelleitung unterbrechen. Umgekehrt, koennen die im Sueden das Oel nicht verkaufen, wenn die im Norden nicht mitmachen.
Oder was meinst du, wie schnell es in Tripoli zu stauben beginnt, wenn die Orfelli von Beni Ulid die Wasserleitung von den Hassouna Wasserfeldern her unterbrechen?
Vielleicht hat sich auch das Regme zusehr auf die althergebrachten Floskeln verlassen...
Eine ganz andere Frage ist natuerlich die, was passiert, wenn der gemeinsame Feind einmal weg sein sollte. Aber auch hier sollte man vielleicht etwas optimistisch sein.