Eine ältere Geschichte kann ich auch beitragen, wenn auch der praktische Nutzwert vermutlich gegen Null tendiert:
Im Hebst 2000 - die Sache ist also wirklich nicht mehr ganz frisch -, auf dem Weg von Marrakesh zum Campingplatz, kurz vor einer Kreuzung, endet die linke, dritte Spur. Der Fahrer des nagelneuen (

) Opel zieht also von dort couragiert nach rechts zur mittleren Fahrbahn, wo ich gerade mit unserem Gespann flott den Verkehr rechts hinter mir zu lassen gedenke, und fährt ungebremst in unsere linke Anhäger-Seite
Sein schönes Auto wird dabei auf der rechten Seite heftig demoliert, am Wohnwagen sind nur einige Kunststoff-Applikationen zu Bruch gegangen.
Der Opel-Fahrer telefoniert, und verlangt dann, glaube ich, 1000 Dirham, damals jedenfalls ca. DM 400, von mir. Ich bin empört, die Diskussion nimmt Fahrt auf und ich ziehe den Polizisten, der die Sache beobachtet hat, sich aber bisher nicht einmischte, hinzu, er möge doch bitte klastellen, wer da wen geschädigt habe. Der lacht herzlich und entgegnet, ich solle dem Opel-Mann doch das "bisschen" Geld geben, sonst müsse ich eben abends auf die Polizeiwache kommen, wo ein Protokoll aufgenommen würde.
Na, da war mir (insbesondere eingedenk einer noch früheren Marokko-Erfahrung) klar, wie die Sache ausgehen würde: für mich jedenfalls nicht erfreulich. Folglich besser gleich zahlen, als den Rest der Reise - bei ggf. abgenommenen Pass - mit Anwälten, Richtern und Polzisten zu verbringen.
Nun hatte ich aber die entsprechen Menge Dirham nicht dabei, ich bot die erwähnten DM 400. Nach einem weiteren Telefonat, diesmal mit seiner seiner Bank, war der Mann einverstanden. Dann stelle ich fest, dass ich auch keine 400 DM passend zusammenbekomme und biete einen 500 DM-Schein an und bitte, die Differenz in MDH zurückzugeben. Nein, natürlich hat er kein Geld bei sich, und ausserdem muss er nochmals mit der Bank telefonieren, ob derartige Geldscheine überhaupt gültiges Zahlungsmittel sind. Nach der Bank-Bestätigung hat er die 500 DM genommen, und er sah nicht unglücklich aus; und das Lächeln des Polizisten war auch nochmals sehr viel breiter :D :D
Mein finanzieller Schaden war im Verhältnis zu der Mauretanien-Erfahrung zwar unvergleichlich gering, aber es tröstet vielleicht andere Geschädigte, weil sie nicht allein sind, und es mag andere zu Überlegungen vor ihrer Reise anregen, wie sie solche Situationen zu meistern gedenken. (Kleinere Beträge, die unverhofft die Reisekasse belasten, sollten aber niemanden abhalten, loszufahren.)
Gute Fahrt wünscht Jürgen Kempe