Wolfgang K hat geschrieben:Das war mein erster Gedanke, als ich die Meldung von der "Unterstützung" hörte. Aber worin liegt ElBaradeis Schwäche? Beliebtheit oder Bekanntheit? Eher letzteres, oder? Medial war er ja sehr präsent, was ein wenig die Sicht genommen hat.Roger-Tecumseh hat geschrieben: Als sie gerade den "liberalen" ElBaradai offen unterstuetzten, haben sie zwar auf das falsche Pferd gesetzt (sie haetten es wahrscheinlich gern als Trojanisches benutzt), aber eben auch wieder Geschick bewiesen. ich glaube nicht, das dieser Mann eine fuehrende Rolle beim Aufbau der neuen Regierung spielen koennte.
Grüße
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
zu ElBaradei kamen ja gerade ein paar weitere Erlaueterungen. Man sollte vielleicht noch hinzufuegen, dass er zu lange Jahrzehnte im Ausland verbrachte und nach (noch) geltendem Recht fuer ein hoeheres Amt nicht waehlbar waere, da er keiner Partei angehoert. Aber all das ist sicher nicht so entscheidend, wie seine - vermutete - Naehe zum Westen (besonders USA).
Der Friedensnobelpreis stoert da auch eher, als dass er helfen koennte. Ich bin in diesem Zusammenhang davon ueberzeugt, dass im zur Zeit voellig desorientierten Westen - zumindest in dessen Oeffentlichkeit - der aegyptische Nationalismus nicht genuegend bedacht wird. Aegyptens Position ist mit keiner anderen in der islamischen Welt zu vergleichen; das ist nicht nur ein weiterer "Domino", wie manche schnellen Medien (die im Moment vor Eile oft ueber ihre eigenen Beine stolpern) glauben lassen moechten.
ElBaradei hat als Chef der Agence internationale de l'énergie atomique (AIEA), nun auch nicht gerade einen ueberwaeltigenden Eindruck hinterlassen - wenn man an die Tragikomoedie Iran denkt! Und - ich wiederhole mich - wenn die MB ihn im Moment so schnell "adoptieren" wollen, dann deshalb, weil sie ihn nicht fuer wirklich kompetent halten!
Nein, ich vermute, dass die aegyptische Tradition des politisch starken Militaers auch weiterhin eine entscheidende Rolle spielen wird. Das Volk steht, gerade jetzt wieder sichtbar, mehr hinter ihr, als hinter jeder politischen Partei!. Sie war es, die in den Kriegen gegen Israel - trotz der Niederlagen - fuer etwas einstand, was in der arabischen Welt hoechsten Stellenwert hat (und vom Westen anscheinend nie begriffen wird): Selbstwertgefuehl, Wuerde!
Noch dies: Ich weiss, dass der Westen hervorragende Analysten besitzt. Nur werden ihre Erkenntnisse von der Politik nicht umgesetzt; sie verschwinden im Kompetenzgerangel, in buerokratischen Hahnenkaempfen hinter verschlossenen Tueren! Wenn man jetzt sich dort allgemein so ueberrascht zeigt, dann muss man entweder an boesen Willen glauben, oder an Tiefschlaf: konnte man denn die offensichtlich haarstraeubend gefaelschten letzten Wahlen tatsaechlich einfach abhaken?




