eben schaute ich mir aus der Arte-Mediathek einen 11minütigen Beitrag "Mit offenen Karten - Istanbul, Drehscheibe zwischen den Welten" an. Darin wird der Istanbul-Kanal erwähnt, sozusagen ein 2. Bosporus, den der Kalif Erdogan zum hundertsten Jahrestag der Gründung der Türkei im Jahr 2023 einweihen möchte.
Ich gebe zu, daß ich etwas überrascht war angesichts der Arte-Aussage, daß bereits seit 2011 gebaut werden würde. Die Wikipedia relativiert das.
Was mich bei diesem Projekt wundert ist die Parallele zum chinesischen, zweiten "Panama-Kanal" in Nicaragua, der durch ein Süßwassergewässer führen soll. AFAIK ist auch der See nahe des Schwarzen Meers bei Karaburun ein Süßwassersee. Der soll wohl Teil davon werden. Naja ...
Auf Google Earth sind die Bilder dieser Gegend angeblich aus den Jahren 2013 bis 2015, und es sind keine Bauarbeiten erkennbar. Erkennbar sind allerdings ein paar km südostlich davon die Bauarbeiten für den dritten Flughafen für Istanbul.
Wenn Merkel dem statt der Milliarden den Mehdorn schenken könnte, wäre allen geholfen
Stand heute: der Kalif hat mit seinem neuen Kanal noch nicht begonnen. Aber die Leute, die aktuell noch in dieser Gegend leben, "freuen" sich schon drauf: Erdogans geplanter Kanal in Istanbul bringt Bauern und Fischer auf
" „Drei Pfennige und einen Tritt in den Hintern“ werde er für Haus und Hof bekommen, wenn der Staat sich sein Land hole."
"Erdogan habe versprochen, dass alle anständig entschädigt würden."
Die können mal in Hasankeyf nachfragen, wie das so lief
Heute berichten der Deutschlandfunk und der Tagesspiegel, allerdings mit unterschiedlichen Fakten.
Hier der Tagesspiegel:
"Warum der neue Kanal in Istanbul zur Öko-Katastrophe werden könnte"
"[...] sagt Meeresgeologe Görür: Das Schwarze Meer sei eines der dreckigsten Meere der Welt und müsse bereits die industriellen Abwässer aus ganz Osteuropa aufnehmen, sagte er. „Mit dem Wasser aus dem Schwarzen Meer wird das Marmara-Meer nicht gerettet, sondern noch weiter verdreckt.“
Das auch für Leute, die in Rumänien oder Bulgarien ins Meer hüpfen wollen. Viel Spaß
Der Beitrag im Deutschlandfunk ging darüberhinaus auf die Argumente des Bürgermeisters von Istanbul ein, der nicht gerade zu den Erdoganisten gerechnet wird: Die Wasserversogung von Istanbul wird problematisch, wenn der Kanal das Süßwasser abgräbt und (der Westteil von) Istanbul auf einer trockenen Insel sein wird.
Nicht vergessen: der Bosporus ist für alle Schiffe frei befahrbar. Lediglich militärische Schiffe müssen sich anmelden. Der neue Kanal wird nicht diesem völkerrechtlichen Vertrag unterliegen, so daß Erdogan erstens Durchfahrtsgebühren verlangen wird und zweitens die Kontrolle über durchfahrende Kriegsschiffe bekommt.
Ich sehe die Sache so: es ist völlig egal, was Erdogan mit Istanbul macht. Das seit Jahren erwartete Erdbeben wird sowieso die ganze Gegend unbewohnbar machen und viele Tote geben.