[Türkei] Erdogans innertürkischer Krieg gegen die Kurden

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Ralf Kiefer
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Re: [Türkei] Erdogans innertürkischer Krieg gegen die Kurden

Beitrag von Ralf Kiefer »

Überraschung #1:
Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim kündigte am 26. August den "totalen Krieg" gegen den "Terror" an
Überraschung #2:
Der Vormarsch der türkischen Armee geht mit Misshandlungen gefangen genommener Kämpfer der SDF durch die türkischen Dschihadistentruppen einher, die auch äußerlich kaum von Kämpfern des "Islamischen Staates" zu unterscheiden sind.

Immer noch wurde kein einziges Gefecht zwischen den türkisch-dschihadistischen Invasionstruppen und den Verbänden des Islamischen Staates (IS) geführt, der von den SDF in den vergangenen Monaten an den Rand einer militärischen Niederlage gebracht wurde.
Überraschung #3:
Dafür sorgte eben Joe Binden während seiner Ankara-Visite bei Beginn der türkischen Invasion, als er die Selbstverwaltung Rojavas der türkischen Soldateska zum Abschuss freigab. Die türkischen Massaker, von denen der Telegraph warnte, sind der Preis, den der "Westen" zu zahlen bereit ist, um das geopolitische Schwergewicht Türkei in der westlichen Einflusssphäre zu halten. Und wieso sollte Erdogan auch aus der NATO austreten, wenn er von Washington freie Hand erhält bei seinen Vernichtungskrieg gegen Rojava?
Von Telepolis. In der Leserdiskussion werden sich wieder die "guten" Erdoganisten melden, namentlich u.a. NeinzurDreifaltigkeitslehre, AnMair, alexweliki, Ali 2020, enthusiast2023, xAKPx, wildehilde (1). Das ist sehr aufschlußreich, wie diese offensichtlich in .de aufgewachsenen Deutschtürken zu ihrem Krieg stehen.

*Er* träumte nicht nur von seinem Großosmanischen Reich. Er will es wieder, koste es, was es wolle. Merkel und Juncker schauen nicht nur zu , sondern geben das Geld dazu. Unser Geld.

Gruß, Ralf
Ralf Kiefer
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Re: [Türkei] Erdogans außertürkische Kriege

Beitrag von Ralf Kiefer »

Wer glaubte, daß Erdogans Truppen nur mal ein bißchen "über die Grenze" in Syrien reinschauen, vielleicht eine kleine Pufferzone aufbauen, sieht sich sogar dabei getäuscht:
Dazu kommen wahrscheinlich türkischen Einheiten, die seit 2015 in Bashiqa stationiert sind, da trotz Einspruch der irakischen Regierung der türkische Präsident Erdogan unbedingt auch militärisch einen Griff auf Mosul haben will. [...] Erdogan wiederholte gestern, dass die Türkei nicht nur an der Offensive teilnehmen, sondern auch anschließend an den Verhandlungen mit am Tisch sitzen werde, also sich in den Irak direkt einmischen will: "Es ist für uns unmöglich, außen vor zu bleiben, weil die Geschichte für uns hier liegt", sagte er. Dabei verwies er auf den Misak-i Milli, den nationalen Eid, und ein Abkommen aus dem Jahr 1920, nach dem Kirkuk und Mosul zur Türkei gehören.
Notiz am Rand: nach dem Untergang des Osmanischen Reichs wurde der Staat Türkei im Jahr 1923 gegründet. Warum lernen die Kinder bei uns in der Schule im Heimatkundeunterricht eigentlich nicht, daß Ostpreußen und Oberschlesien nur unter vorübergehender polnischer Verwaltung stünden?

Gruß, Ralf
RobertL
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Re: [Türkei] Erdogans innertürkischer Krieg gegen die Kurden

Beitrag von RobertL »

Da müssen wir wohl Einiges wieder neu regeln! 8)

Bild
Liebe Grüße aus Wien - Robert
PeterC
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Re: [Türkei] Erdogans innertürkischer Krieg gegen die Kurden

Beitrag von PeterC »

Abends in Österreich:
Enkel: heute Abend spielt Österreich-Ungarn
Opa: gegen wen?
Die schnellste Verbindung zwischen 2 Punkten ist nicht zwingend eine Gerade
Ralf Kiefer
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Re: [Türkei] Erdogans innertürkischer Krieg gegen die Kurden

Beitrag von Ralf Kiefer »

PeterC hat geschrieben:Abends in Österreich:
Am Nachmittag in Österreich :-)



Gruß, Ralf
Alexander
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Re: [Türkei] Erdogans innertürkischer Krieg gegen die Kurden

Beitrag von Alexander »

Die türkischen Streitkräfte haben bei Luftangriffen in Nordsyrien nach eigenen Angaben zwischen 160 und 200 kurdische Kämpfer getötet. Die Jets hätten 18 Ziele der Kurdenmiliz YPG attackiert, erklärte die Armee. Demnach ereigneten sich die Bombardements am späten Mittwochabend in Gebieten, die die YPG kürzlich erobert hatte. Es seien neun Gebäude und fünf Fahrzeuge zerstört worden. Auch die kurdischen Behörden und die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichteten von den Angriffen nördlich der Stadt Aleppo.
Tagesschau: Türkische Luftwaffe tötet bis zu 200 Kurden

Und greift damit einen der wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen den IS der USA an.
Im zweiten TV-Duell gegen Donald Trump erwägt US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, kurdische Milizen im Kampf gegen den IS zu bewaffnen. Ankara reagiert feindselig. Staatschef Erdogan warnt vor einem "Spiel mit dem Feuer".
ntv: US-Waffen für kurdische Milizen: Erdogan rügt Clintons "Dilettantismus"

Nahezu zeitgleich plant der IS eine Offensive gegen die Kurdenkämpfer in Aleppo. Aber Erdogan hat noch nie den IS unterstützt. :roll:

Grüsse
Alexander
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schnorr
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Re: [Türkei] Erdogans innertürkischer Krieg gegen die Kurden

Beitrag von schnorr »

Alexander hat geschrieben: Aber Erdogan hat noch nie den IS unterstützt. :roll:
hat er doch auch noch nie!
...
....
oder?
...
....
sagt ER zumindest!
...
...
und was ER sagt, stimmt doch?
...
...
zu 100%

wenns nur nicht so traurig wäre :shake:
Viele Grüße
Jörg

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PeterC
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Re: [Türkei] Erdogans innertürkischer Krieg gegen die Kurden

Beitrag von PeterC »

Hauptsache, die Kurden werden nicht zu mächtig
Mal macht der türkische Präsident Erdoğan gemeinsame Sache mit den Kurden, dann lässt er sie bombardieren. Was wie Willkür aussieht, folgt klaren Interessen.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016 ... rden-kampf
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Ralf Kiefer
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Re: [Türkei] Erdogans innertürkischer Krieg gegen die Kurden

Beitrag von Ralf Kiefer »

Merkels bester Freund schwadroniert weiter über *SEIN* Großosmanisches Reich. Die griechischen äh also die Inseln in der selbstverständlich osmanischen Ägäis sind interessanterweise in dieser Karte nicht vollständig berücksichtigt, aber neuerdings der Norden Syriens:

Bild

D.h. *ER* möchte nicht nur Kirkuk und Mosul und somit Irakisch-Kurdistan, sondern auch Aleppo sowie das komplette Syrisch-Kurdistan. Mehr bei Telepolis.

Bald kommt Weihnachten, auch ich habe Wünsche ;-)

Gruß, Ralf
Ralf Kiefer
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Re: [Türkei] Erdogans innertürkischer Krieg gegen die Kurden

Beitrag von Ralf Kiefer »

Bei SpOn gibt's neben einem erstaunlicherweise kritischen Artikel ein weitere Kartendarstellung von *SEINEN* Großmachtsphantasien:

Bild

Das sieht nach einer beginnenden Freundschaft aus, die Griechen, Bulgaren, Zyprioten, Armenier, sogar Georgier bis hin zu allen, die im Norden von Syrien und Irak noch leben, sehr freuen wird. *ER* bringt ihnen die Verheißungen einer kommenden EU-Mitgliedschaft ;-) Ok, Zypern und Griechenland wissen schon, was sie dort erwartet.

Gruß, Ralf
schnorr
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Re: [Türkei] Türkei kurz vor einem Bürgerkrieg?

Beitrag von schnorr »

Bereits unmittelbar nach dem vereitelten Putsch wollten AKP-Funktionäre die Partei in bewaffnete Streitkräfte verwandeln - diesen Plan scheinen sie nun umzusetzen.
http://www.sueddeutsche.de/kultur/tuerk ... -1.3225029

ziemlich übel, das ganze. ich frage mich, wann die ditib ihre deutschen moscheen bewaffnet.
Viele Grüße
Jörg

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Alexander
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Re: [Türkei] Erdogans innertürkischer Krieg gegen die Kurden

Beitrag von Alexander »

Führt Erdogan die Türkei in einen Bürgerkrieg? Er verkündigt gem. der türkischen Verfassung die Mobilmachung der Zivilbevölkerung. Dabei vergewaltigt er die Verfassung, denn die kennt keine zivile Mobilmachung. Man könne es nicht den Staatsbediensteten alleine überlassen, gegen den Terrorismus zu kämpfen. Zivile Gewalt auf türkischen Strassen?
Indirekt fordert er zur Selbstjustiz auf. So könnte man jedenfalls seine markigen Worte verstehen, die die Hürriyet in ihrer Ausgabe vom Mittwoch zitiert: "Eine Kugel fragt nicht nach der Adresse … Wenn jemand ein Auge auf unsere Nation hat, dann ist es unserer Aufgabe sein Auge auszustechen ... Wir können unseren Kampf nicht nur den (staatlichen) Organisationen oder Beamten überlassen. Diesen Kampf müssen wir alle gemeinsam tragen." In landesweiten Razzien wurden am Montag und Dienstag mindestens 568 Menschen wegen Terrorvorwürfen festgenommen, darunter zahlreiche Funktionäre der HDP.
Telepolis: Erdogan ruft zur Mobilmachung auf
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Alexander
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Re: [Türkei] Erdogans innertürkischer Krieg gegen die Kurden

Beitrag von Alexander »

Die Mobilmachung Erdogans scheint schon die ersten "Früchte" zu tragen. Demonstranten, vermutlich den Grauen Wölfen zugehörig, zünden nach dem Anschlag auf einen Militärbus in Kayseri die Zentrale der prokurdischen Partei HDP an, ob wohl diese sich von dem Anschlag distanziert hatte.
Nach dem Anschlag auf einen mit Soldaten besetzten Bus im türkischen Kayseri haben Demonstranten die dortige Parteizentrale der prokurdischen Partei HDP in der Stadt gestürmt und angezündet. Das berichteten verschiedene türkische Medien. Laut Informationen des Nachrichtensenders Al Jazeera und der türkischen Zeitung Hurriyet verschaffte sich eine Gruppe Zugang ins Gebäude und setzte mehrere Möbelstücke in Brand.
Kayseri: Rechtsextreme zünden HDP-Gebäude an

Grüsse
Alexander
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Ralf Kiefer
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Re: [Türkei] Erdogans innertürkischer Krieg gegen die Kurden

Beitrag von Ralf Kiefer »

Die deutsche Bundesregierung beklagt sich zunehmend über eine Berichterstattung in Medien, über die sie keine Kontrolle hat, nennt das "postfaktisch" und droht z.B. Facebook für den Fall, daß diese regierungsinkompatible "Wahrheiten" nicht zensieren. "Zum Glück" gibt's das ehemalige Nachrichtenmagazin, das hier [1] schön vorführt, wie eine Berichterstattung über Merkels Lieblingsfreund in Ankara ausieht:
Bombenanschläge, Hinrichtungen - kurdische Extremisten überziehen die Türkei seit Monaten mit Terror.
Gut, daß dabei die Städte Nusaybin, Cizre, Diyarbakir und viele andere in Türkisch-Kurdistan nicht fallen, denn sonst hätte diese Art der Berichterstattung schon in der Einleitung einen kleinen, aber bedeutenden Logikfehler.

Das ehemalige Nachrichtenmagazin heute:
Das Morden beginnt an einem Mittwoch, einen Tag vor Weihnachten 2015: Aus einem Waldstück feuern Terroristen der Organisation Freiheitsfalken Kurdistans (TAK), einer Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, vier Mörsergranaten auf den Flughafen Sabiah Gökcen in Istanbul. Eine Frau kommt bei dem Anschlag ums Leben, ein Mann wird verletzt.
Wie es chronologisch wirklich war im 1. Artikel dieses Threads vom 12.11.2015.

Das ehemalige Nachrichtenmagazin:
Zwar stuft die EU die PKK offiziell als Terrororganisation ein, trotzdem gingen die Behörden eher halbherzig gegen Anhänger der Miliz vor.
Telepolis am 22.11.2016:
Im Fall Ali Hidir Dogan, wie auch bei den anderen §129b-Verfahren (Unterstützung einer terroristischen Vereinigung), weisen die Ermittlungsergebnisse keine kriminellen Handlungen auf. Dogan organisierte Ende 2014 Demonstrationen anlässlich des Kampfes um die nordsyrische Stadt Kobani, bereitete Busreisen zu kurdischen Kulturfestivals mit vor, nahm an Trauerfeiern teil und warb vor den türkischen Parlamentswahlen 2015 für die in der Türkei (noch) legale Oppositionspartei HDP.

Selbst Letzteres wird ihm als PKK-Unterstützung ausgelegt. Zu diesen Erkenntnissen kam das Berliner Landeskriminalamt (LKA) mittels Telekommunikationsüberwachung, Observationen und anderer "operativer Maßnahmen", die der LKA-Ermittler Kevin Rattke bei seiner Vernehmung am fünften Prozesstag bestätigte.

Der Ermittler sagte aus, dass ein kurdisches Vereinshaus seit geraumer Zeit durch eine versteckte Kamera observiert werde, die jeden Besucher aufnimmt. Bei dem Verein handelt es sich um einen eingetragenen kurdischen Kulturverein, in dessen Räumen auch andere eingetragene Vereine wie z.B. das Demokratische Gesellschaftszentrum der Kurden in Deutschland (Nav-Dem) Veranstaltungen und Treffen abhalten.
Das ehemalige Nachrichtenmagazin:
Die PKK hat sich unterdessen in den vergangenen Monaten weiter radikalisiert. Lange Zeit rangen in der PKK gemäßigte und radikale Kräfte um Einfluss. Mittlerweile haben die Hardliner das Kommando übernommen. Sie lehnen Gespräche mit der Regierung ab
... und ein paar Zeilen oberhalb:
Präsident Recep Tayyip Erdogan nahm den Vorfall [im Juli 2015] zum Anlass, die Verhandlungen mit der PKK endgültig aufzukündigen und zur Kriegspolitik der Neunzigerjahre zurückzukehren.
Das ist Merkelsche Logik in unserer Berichterstattung.

Das ehemalige Nachrichtenmagazin zur aktuellen Entwicklung:
Der Terror der PKK richtet sich längst nicht mehr nur gegen Soldaten oder Polizisten, sondern immer öfter auch gegen Zivilisten.
Am 13.5.2016 hier im Thread:
Nusaybin: Die türkische Armee setzt Kampfjets gegen die eigene Bevölkerung im Südosten des Landes ein
Das ehemalige Nachrichtenmagazin
Der Niedergang der HDP führt dazu, dass sich noch mehr Kurden der PKK anschließen. "Eine ganze Generation radikalisiert sich gerade", warnt Türkeiexperte Jenkins.
Frei nach Jan Böhmermann:
Ist Türkeiexperte ein IHK-Lehrberuf?

P o s t f a k t i s c h ? Wie funktionert das? ;-)

Gruß, Ralf


[1] Gemäß dem aktuellen Urteil des LG Hamburg zur Wahrheitsprüfung bei der Web-Seite, auf die man verlinkt, darf dieser Link hier eigentlich nicht erscheinen. Dies ist insofern ein (Gedanken-)Verbrechen im heutigen Deutschland, als daß allgemein bekannt ist, daß der Spiegel an vorderster Front postfaktischer Berichterstattung steht.
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