2 Monate, oder rd. 6.000 km Türkei

Kultur, Natur, Unterkunft, Reiserouten, Sehenswürdigkeiten, Tourismus. Staaten: Afghanistan, Armenien, Aserbaidschan, Bangladesch, China, Georgien, Indien, Irak, Iran, Kambodscha, Kasachstan, Kirgisien, Kurdistan, Laos, Malaysia, Mongolei, Myanmar, Nepal, Pakistan, Tajikistan, Thailand, Tibet, Türkei, Turkmenistan, Vietnam, Uzbekistan

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peter1
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2 Monate, oder rd. 6.000 km Türkei

Beitrag von peter1 »

Ein kurzer & subjektiver Eindruck.....,
oder aber, viel Licht und viel Schatten.

Wir waren mit unserem MAN auf dem Weg in den Kaukasus und wieder zurück, insgesamt rd. 2 Monate in der Türkei.
Während dieser Zeit hat uns zu den erwarteten Problemen ( Kurden und Syrien ), die Armenienresolution des dt. Bundestags und der Putschversuch des Militärs begleitet.

Und wie wars?

LICHT, für uns, wunderschön!

Wir haben die Menschen, die Kultur, die Landschaften, das Essen und die Freiheiten des Reisens in vollen Zügen genossen.
Wir haben eine Gastfreundschaft erlebt, die Einzigartig ist. Jeden Tag mehrfach.
Die Menschen waren zugewandt und herzlich. Immer und ohne Ausnahme.

Wir haben fast immer "frei gestanden", aber des öfteren nächtliche Kontrollen erlebt.

Die staatlichen Autoritäten waren uns gegenüber sehr höflich, freundlich und immer korrekt.

Die Gegenden, die weniger locker zu bereisen sind, sind nicht klar umrissen. Auch bekommt man vor Ort keine fundierte Auskunft. Tendenziel ist es der Süd-Osten und die nährere Grenzregion zu Syrien und dem Irak, sowie und vor allem manche Kurdenregionen.
z. B. den Vansee haben wir mit recht wenig Straßensperren umfahren, das kl. Städtchen Tunceli dagegen war eine Festung mit massivem und nervösem Polizei- und Militäraufgebot. Schwer vorherzusagen also.

Würden wir wieder hinfahren? Auf jeden Fall.
teşekkürler & allah ısmarladık


SCHATTEN, für viele Türken
Aus mitteleuropäischer Sicht wird die Türkei oft als großer monolithischer Block dargestellt. Das ist sie nicht.
Die Marmaregion hat mit Südost Anatolien sehr wenig gemein, die Schwarzmeerküste wenig mit der Mittelmeerküste und die noch weniger mit Zentralanatolien
Die Sunniten unterscheiden sich stark von den Aleviten
Die Kurden, egal welcher Glaubensrichtung stark vom Rest.
Dann gibt es die Drei großen politischen Strömungen. Die AKP, die rel. Güllenbewegung und die Atatürkanhänger.

Was alle eint, ist der seit Atatürk anerzogene sehr starke Nationalismus.

Und was die Mehrheit eint, ist das absolute Primat des Islam.
Ich habe die Türkei das Erste mal vor gut 30 Jahren mit dem Motorrad erfahren.
Kein Vergleich mehr zu früher.
Religiöse Toleranz gibt es nur für Besucher. Nicht für Türken. Kirchen werden zu Moscheen, Ziegenställe, oder Toiletten in umgewandelt. Selbst solche, die schon als Museen gedient haben. Aleviten haben Angst während des Ramazan öffentlichen einen Keks zu essen.

Die Gastfreundschaft und Toleranz, die wir als Fremde erlebt haben, gilt für Inländer nicht.
Ein reisender Musiker wurde mehrfach verprügelt, weil er lange Haare hat. Fahrradtouristen aus Istanbul wurden ihre Zelte eingerissen, weil sie unverheiratet sind. Bei politischen Diskussionen wird die Stimme gesenkt und Reizwörter werden vermieden.

Wenn die EU neben der Wirtschafts- auch eine Kultur und Wertegemeinschaft ist, sollten wir eine gute Nachbarschaft anstreben. Ansonnst würde ich den verantwortlichen Politikern empfehlen sich ein eigenes Bild zu machen. Wenn sie denn noch ins Land gelassen werden.........
doncarlos
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Re: 2 Monate, oder rd. 6.000 km Türkei

Beitrag von doncarlos »

Hi Wüschi-gemeinde
Kann mich dem Bericht von Peter1 nur anschließen obwohl ich -leider oder vielleicht auch gottseidank- keine neueren Erfahrungen mehr dort machen konnte. Meine Reisen kreuz und quer durch diesen Subkontinent Türkei liegen schon über 15 Jahre zurück.
peter1 hat geschrieben:das kl. Städtchen Tunceli dagegen war eine Festung mit massivem und nervösem Polizei- und Militäraufgebot. Schwer vorherzusagen also.
Dazu wolle ich nur anmerken, dass wir es in tunceli wohl mit einer Bevölkerung zu tun haben die gleich die 2 hauptstigmata auf sich vereint, die man heutzutage -und auch damals schon - nur haben musste um auch 100 % im Fadenkreuz der staatlichen repressionsorgane zu sein. Die Tunceliler sind Kurden und gleichzeitig auch Alevis (was für Kurden relativ selten ist weil mehrheitlich sunnis.
Was die Intoleranz gegenüber Christen angeht kann ich auch noch diesbezügliche Beobachtungen beisteuern. Für eine Diplomarbeit meiner frz. Freundin über die Sitten und Gebräuche der aramäisch chaldäischen Christen bereisten wir die christlichen Rest-Wohngebiete im Tell Abdin (zwischen Mardin und Midyat). In den Dörfern, die lt. karte ein Kirche aufwiesen haben wir häufig verängstigte alte menschen getroffen, die dort ihre Gebete ganz verstohlen verrichteten. Von der kurdischen Mehrheitsbevölkerung dieser Dörfer hörten wir allerlei abfällige Bemerkungen zu diesen Verfolgten unter den Verfolgten, wie z.B. "hayvanlar" (Tiere) etc. Seitdem ist meine Solidaritätsbereitschaft mit den Kurden auch emotional nicht mehr besonders groß. Aus der Geschichte dieser Minderheiten gerade im Südosten der Türkei weiß man ja auch dass Christen -und wohl auch Jeziden- insbes. unter Massakern ihrer kurdischen Nachbarn zu leiden hatten. Ich stelle mir vor, dass sowas wie Srebrenica früher dort alltäglich gewesen sein muss.
Ciao Doncarlos
"Man entdeckt keine neuen Welten ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren" (frei nach A.Gide)
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